Parkour-Training stösst auf grosses Interesse

  • 14. M√§rz 2023

  • Fabio Baranzini

  • Alexandra Herzog/Fabio Baranzini

  • Erschienen im GYMlive 1/2023

Seit 2020 ist die junge, dynamische Sportart Parkour dem Schweizerischen Turnverband angegliedert. Doch ist Parkour bereits in den Turnvereinen angekommen? Wir haben nachgefragt und den SV T√§gerig besucht, der seit gut zwei Jahren Parkour-Training f√ľr Kids anbietet.

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Am Mittwochabend geh√∂rt die Turnhalle in T√§gerig f√ľr 90 Minuten den Parkour-Jungs des SV T√§gerig. 18 Buben im Alter zwischen sieben und zw√∂lf Jahren kommen jeweils ins Training. Nach einem kurzen Aufw√§rmen gehts ans Aufbauen. Bis Matten, Trampoline, Schwedenk√§sten, Barren und Co. korrekt aufgestellt sind, dauert es eine Weile. ¬ęWir bauen immer verschiedene Posten auf, an denen die Jungs dann ihre Tricks und Elemente √ľben k√∂nnen¬Ľ, sagt Jonathan Rudolf.

Der 22-j√§hrige Sportstudent aus T√§gerig ist verantwortlich f√ľr das Parkour-Training im Sportverein. Seit √ľber zehn Jahren ist Parkour sein Hobby. Das meiste hat sich Rudolf, der seit vielen Jahren als Ger√§teturner im TV Niederwil und in der Jugi beim SV T√§gerig aktiv ist, selbst beigebracht. ¬ęMit meinen Kollegen haben wir oft Youtube-Videos angeschaut und dann versucht, diese Elemente nachzumachen¬Ľ, so Rudolf. Viele Samstage hat er in einer kleinen Gruppe mit Parkour-Trainings verbracht. Wettk√§mpfe absolviert er keine.

Parkour-Training ist Familiensache

Vor gut zwei Jahren klopfte dann der SV T√§gerig bei Jonathan Rudolf an und fragte, ob er Interesse h√§tte, ein offizielles Parkour-Training anzubieten. ¬ęIch habe zugesagt und der Kurs wurde vom Verein beworben¬Ľ, erz√§hlt Rudolf. Von Beginn weg kam eine kleine Gruppe von f√ľnf bis zehn Kindern zustande, die fortan einmal pro Woche bei ihm trainierte. Jonathan Rudolf, der aktuell an der Uni Bern im dritten Semester Sport studiert und die J+S Schulsport-Ausbildung absolviert hat, holte sich Verst√§rkung, um die Trainings zu leiten. Seither bilden seine Kollegen Fabio Strebel und Levi M√ľller, sowie seine drei j√ľngeren Br√ľder Michael, Raphael und Tobias mit ihm das Leiterteam. ¬ęDrei von uns sind immer in der Halle, die anderen kommen, wenn es die Zeit zul√§sst. Es braucht schon mehrere Leiter, um die Kinder betreuen zu k√∂nnen.¬Ľ

Spr√ľnge sind beliebt

Wer das Training beobachtet, dem wird schnell klar, weshalb es mehrere Leitende braucht. Die 18 Jungs bringen enorm viel Energie in die Halle, was sich auch am beachtlichen Ger√§uschpegel bemerkbar macht. Eines aber ist offensichtlich: Die Kinder haben viel Spass am Training. Vor allem die Spr√ľnge ‚Äď am liebsten Saltos ‚Äď stehen bei ihnen hoch im Kurs.

Jonathan Rudolf und seine Leiterkollegen beobachten die Spr√ľnge, geben Tipps und bieten falls n√∂tig Hilfestellungen an. ¬ęEs ist wichtig, dass wir die Jungs Schritt f√ľr Schritt an die √úbungen heranf√ľhren. Gleichzeitig legen wir aber auch viel Wert darauf, dass sie ihre eigene Kreativit√§t einbringen und mit der Zeit einen eigenen Stil entwickeln k√∂nnen. Schliesslich geht es im Parkour genau darum¬Ľ, sagt Jonathan Rudolf.

Grosses Interesse

Das Parkour-Angebot hat sich im SV T√§gerig mittlerweile mehr als nur etabliert. Das Interesse am Kurs ist gross. ¬ęAllein im letzten Sommer sind zehn Jungs dazugestossen und die kommen nicht nur aus unserer Gemeinde, sondern auch aus den Nachbard√∂rfern¬Ľ, sagt Jonathan Rudolf. Ausser dem SV T√§gerig bietet kein Turnverein in der Region Parkour-Trainings an. ¬ęWir haben noch weitere Anfragen, aber wir k√∂nnen aktuell nicht noch mehr Kids aufnehmen, weil die Halle zu klein ist. Vielleicht bieten wir in Zukunft noch ein zweites Training f√ľr √§ltere Jugendliche an¬Ľ, sagt Jonathan Rudolf.

Nicht nur in der Halle

Das Beispiel des SV T√§gerig zeigt: Parkour l√§sst sich sehr erfolgreich in die bestehenden Angebote eines Turnvereins integrieren. Vor allem auch deshalb, weil Synergien mit anderen Sportarten genutzt werden k√∂nnen. ¬ęGer√§teturnen ist sicherlich eine super Basis, um auch Parkour zu machen¬Ľ, findet Jonathan Rudolf und f√ľgt hinzu. ¬ęEs ist jedoch wichtig, dass die Leitenden selbst Parkour-Erfahrung haben und die Sportart verstehen. So k√∂nnen sie die Kinder Schritt f√ľr Schritt an die Elemente heranf√ľhren und sind in der Lage, in der Halle mit dem herk√∂mmlichen Turn-Equipment coole Hindernisse und Posten aufzubauen.¬Ľ

Die Parkour-Trainings in T√§gerig finden aber nicht nur in der Turnhalle statt. In den Sommermonaten wird auch hin und wieder draussen trainiert, dort wo Parkour eigentlich herkommt. ¬ęDraussen ist aber besondere Vorsicht geboten. Denn dort gibts keine Matten f√ľr eine sanfte Landung. Darum gilt bei uns immer die Regel: Draussen wird nichts Neues ausprobiert¬Ľ, sagt Jonathan Rudolf. Ihm ist es aber dennoch wichtig, dass seine Kids auch draussen Parkour betreiben. So, wie er einst auch angefangen hat.

Einige √úbungsbeispiele

Speed

Frontal auf den Schwedenkasten zulaufen, in die horizontale Schr√§glage springen, eine Hand auf dem Schwedenkasten abst√ľtzen.

Nach dem Abst√ľtzen mit dem Arm auf dem Schwedenkasten kr√§ftig abdr√ľcken und gleichzeitig mit den Beinen eine Scherenbewegung ausf√ľhren, um frontal zu landen.

Kong

Frontal und z√ľgig auf den Schwedenkasten zulaufen, abspringen, mit gestreckten Armen auf dem Schwedenkasten abdr√ľcken (aus den Schultern), die angezogenen Beine zwischen den Armen hindurch √ľber den Schwedenkasten ziehen, sauber landen.

Dash

Frontal, eher langsam auf den Schwedenkasten zulaufen, abspringen, als ob man mit dem R√ľcken auf dem Schwedenkasten landen m√∂chte.

Im letzten Moment auf beiden H√§nden abst√ľtzen und abdr√ľcken, damit man mit den Beinen voran √ľber den Schwedenkasten kommt.

Arm Jump

Frontal auf die Matte zulaufen, abspringen, die F√ľsse hochziehen und mit gestreckten Beinen auf die Matte zufliegen, den Sprung mit den F√ľssen abfedern, danach mit den H√§nden den Holmen des Barrens greifen, am Holmen h√§ngen bleiben, wobei die Beine stark angewinkelt und die F√ľsse an der Matte sind.

Climb up

Die Endposition des Arm Jump ist die Startposition des Climb up.

Die Beine schr√§g nach unten durchdr√ľcken, die Arme ziehen den Oberk√∂rper in Richtung Holmen, anschliessend die Arme durchdr√ľcken, damit man auf die Matte klettern kann.

TicTac

Schr√§g zur Wand anlaufen, abspringen in Richtung Wand, den Sprung mit einem Fuss an der Wand abfedern und wieder abdr√ľcken, im Moment des Abdr√ľckens wird der Oberk√∂rper von der Wand weggedreht, um zu sehen, wo man landet ‚Äď beispielsweise auf einem Kastenoberteil.

Wall Flip

Frontal anlaufen, etwas weniger als h√ľfthoch ein Bein an die Wand stellen und abstossen, im Moment des Abstossens wird mit dem Schwungbein eine Kickbewegung nach oben ausgef√ľhrt und gleichzeitig werden beide Arme nach oben geschwungen.

So wird die R√ľckw√§rts-Salto-Bewegung eingeleitet.

Knie zur Brust und nach der Drehung sauber landen.

Voraussetzung: Salto r√ľckw√§rts beherrschen.

Webster

Ausgangsposition stehend auf dem Schwedenkasten, das Knie des Schwungbeins wird zur Brust gezogen, von dort wird das Schwungbein z√ľgig nach hinten durchgestreckt und gleichzeitig der Oberk√∂rper nach vorne gebeugt.

Mit dem Sprungbein vom Schwedenkasten abdr√ľcken. Die vom Schwungbein eingeleitete Salto-Bewegung zu Ende f√ľhren und landen.

Voraussetzung: Salto vorwärts beherrschen.

Parkour beim STV ‚Äď der aktuelle Stand

2019 wurde das ¬ęProjekt Parkour¬Ľ im Schweizerischen Turnverband lanciert. Mittlerweile wird Parkour in verschiedenen Turnvereinen in der Schweiz angeboten. Wie viele Vereine es genau sind, weiss Ludovic Verg√®res, Ressortleiter Parkour beim STV, nicht. ¬ęAktuell haben wir keine genauen Zahlen, m√∂chten diese aber noch in diesem Jahr erheben¬Ľ, sagt er. Ebenfalls in diesem Jahr sollen die J+S-Weiterbildungsmodule und die J+S-Leitereinf√ľhrungskurse im Parkour erarbeitet werden.

Die J+S-Grundausbildung f√ľr Parkour kann dagegen bereits absolviert werden. Im letzten Jahr fanden die ersten beiden Kurse statt, in denen √ľber 40 Leitende ausgebildet wurden. Nicht nur in der Ausbildung hat sich seit der Eingliederung von Parkour in den STV einiges getan, sondern auch bei den Wettk√§mpfen. ¬ęWir haben die Swiss Parkour Series lanciert, die in diesem Jahr mindestens an drei Orten stattfinden und neu auch eine Kids-Kategorie anbieten wird¬Ľ, sagt Verg√®res.

Mit den Bem√ľhungen im Bereich Parkour verfolgt der Schweizerische Turnverband gleich mehrere Ziele. Ludovic Verg√®res beschreibt diese wie folgt: ¬ęWir wollen Parkour in m√∂glichst vielen Turnvereinen etablieren, da die Sportart gerade f√ľr Jugendliche sehr attraktiv ist. Daf√ľr m√ľssen wir aber auch den Ausbildungsbereich weiter ausbauen, so dass wir m√∂glichst viele gut ausgebildete Leitende haben. Zudem wollen wir auch den Spitzensport im Bereich Parkour f√∂rdern.¬Ľ

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