Einzigartig und wertvoll – die Sportversicherungskasse

  • 9. Januar 2024

  • Alexandra Herzog

  • Adobe Stock

  • Erschienen im GYMlive 5/2023

Wo Sport betrieben wird, passieren UnfĂ€lle. Das ist beim Turnen nicht anders. Gut, gibt es die Sportversicherungskasse (SVK). Obwohl so wichtig, fristet die SVK oft ein Schattendasein. Zeit also, sie wieder einmal in den Fokus zu rĂŒcken.

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Ein Turner erleidet durch einen zurĂŒckschwingenden Schaukelring eine Platzwunde am Kopf und muss notfallmĂ€ssig ins Spital eingeliefert werden. Da er noch Student ist, ist er ĂŒber die Krankenkasse unfallversichert. Diese ĂŒbernimmt zwar die Heilungskosten, belastet ihm aber Franchise, Selbstbehalt und (aufgrund der fehlenden Zusatzversicherung) 50 Prozent der Transportkosten.
In diesem Fall ĂŒbernimmt die Sportversicherungskasse (SVK) 10 Prozent der Franchise, den Selbstbehalt und Transportkosten gemĂ€ss Reglement. Dies ist eines der Beispiele fĂŒr die Leistungen der SVK.

343 UnfĂ€lle, 128 BrillenschĂ€den und 64 HaftpflichtfĂ€lle wurden im Jahr 2022 der Sportversicherungskasse (SVK) gemeldet. Die meisten UnfĂ€lle wurden 2022 im GerĂ€teturnen (54) und bei den Spielsportarten registriert (45). Jetzt fragt ihr euch vielleicht, wofĂŒr es die SVK braucht. Klar sind viele von uns ĂŒber den Arbeitgeber unfallversichert. Aber in der Turngemeinschaft gibt es doch auch die eine oder den anderen, die oder der sich ĂŒber die Krankenkasse fĂŒr UnfĂ€lle absichern muss. Will heissen, dass diejenige Person wegen des Selbstbehalts auch bei UnfĂ€llen Kosten selbst zu tragen hat.

Grosse Entlastung

GYMlive hat in den vergangenen Jahren immer wieder die Geschichten von Personen beleuchtet, die sich innerhalb des Turnsports verletzt und UnterstĂŒtzung von der Sportversicherungskasse erhalten haben. Alle erzĂ€hlten von positiven Erfahrungen im Zusammenhang mit der SVK. «Mir wurde immer schnell und unbĂŒrokratisch geholfen. Durch die Sicherheit konnte ich mich auf den Beruf und den Sport konzentrieren. Ich kann jedem Turnenden empfehlen, sich mal mit der Sportversicherungskasse auseinanderzusetzen », sagt auch Fabian Blum, der seit einem Turnunfall 2014 querschnittsgelĂ€hmt und mittlerweile im Rollstuhlsport erfolgreich ist (GYMlive 5/2019).

Auch wenn der Unfall nicht direkt in der Turnhalle respektive in der offiziellen Turnstunde passiert, gilt die Deckung der SVK – auf dem direkten Hin- oder
RĂŒckweg oder bei einem anderen Anlass, den der Turnverein durchfĂŒhrt. So verunfallte 2014 STV-Mitglied Lucas Gammuto schwer, als er mit dem Verein
an einem Plauschwettkampf im Hallenbad beim JubilĂ€umsfest eines befreundeten Vereins teilnahm. Seine Familie war froh ĂŒber die 175 000 Schweizer Franken, die er von der Sportversicherungskasse erhielt. «Das ist eine wertvolle Reserve», meinte Lucas’ Mutter damals, als GYMlive 2016 bei den Gammutos zu Besuch war. Manchmal kann es nĂ€mlich eine Zeit dauern, bis das Geld von der Unfallversicherung kommt.

Gut investierte drei Franken

Ein weiteres Beispiel: Zwei Turnerinnen verunfallen auf der Vereinsreise. Turnerin 1 erleidet tödliche Verletzungen. Turnerin 2 verbleibt aufgrund der erlittenen Paraplegie zu 100 Prozent invalid.
GemĂ€ss den reglementarischen Bestimmungen ĂŒberweist die SVK die entsprechende Todesfallsumme (40 000 Schweizer Franken) an die Hinterbliebenen von Turnerin 1 sowie die InvaliditĂ€tssumme an Turnerin 2 (175 000 Schweizer Franken).

Vor allem bei UnfÀllen mit so schweren Folgen wie in den Beispielen zahlt sich die SVK-Deckung aus. Hat ein versicherter Unfall eine bleibende InvaliditÀt zur Folge, leistet die SVK gemÀss Reglement ein InvaliditÀtskapital. Die Versicherungssumme betrÀgt 50 000 Franken und wird im VerhÀltnis zum InvaliditÀtsgrad, mit progressiver EntschÀdigung, ausbezahlt. Hat sich beispielsweise ein Mitglied bei einer turnerischen TÀtigkeit so schwer verletzt, dass eine bleibende InvaliditÀt im Sinne einer Tetraplegie die Folge ist, hat das betroffene Mitglied Anspruch auf ein InvaliditÀtskapital von bis zu 175 000 Schweizer Franken.

Das ist in etwa das 58 333-Fache der SVK-JahresprĂ€mie (3 respektive 2.50 Schweizer Franken). Der Beitrag fĂŒr die SVK ist im STV-Mitgliederbeitrag inbegriffen. Sparen zu wollen, indem ein Verein sich und seine Aktivmitglieder nicht in der STV-Datenbank registriert, wĂ€re also sicherlich falsch – denn versichert ist nur, wer als aktives Mitglied erfasst ist.

In den vergangenen zehn Jahren hat die SVK 21 InvaliditĂ€ts- und TodesfallentschĂ€digungen entrichtet. Dabei wurde viermal der Maximalbetrag von 175 000 Schweizer Franken ausgeschĂŒttet.

Es ist nicht nötig, eine separate Vereinshaftpflicht-Versicherung abzuschliessen.
Brigitte HÀni PrÀsidentin der Verwaltungskommission der SVK

Auch fĂŒr HaftpflichtfĂ€lle abgesichert

64 Meldungen von HaftpflichtschĂ€den gab es im Jahr 2022. Bei 2830 Turnvereinen im ganzen Land sind das verhĂ€ltnismĂ€ssig wenig. Ein Grund dafĂŒr könnte sein, dass zu wenig bekannt ist, dass STV-Vereine bei der SVK auch haftpflichtversichert sind. «Das Bewusstsein in Bezug auf die Haftpflichtversicherung ist relativ gering», so Brigitte HĂ€ni, PrĂ€sidentin der SVK-Verwaltungskommission. Turnvereine und -verbĂ€nde seien diesbezĂŒglich ĂŒber die Sportversicherungskasse genĂŒgend abgesichert. «Es ist nicht nötig, eine separate Vereinshaftpflicht-Versicherung abzuschliessen», sagt HĂ€ni. Auch fĂŒr die DurchfĂŒhrung von AnlĂ€ssen inklusive Turnfesten, mit Ausnahme eines Eidgenössischen Turnfestes – brauche es keine separate Anlass-Haftpflichtversicherung.

Die Garantiesumme fĂŒr HaftpflichtfĂ€lle betrĂ€gt 20 Millionen Franken. Versichert ist, im Rahmen der Vertragsbestimmungen, die gesetzliche Haftpflicht fĂŒr SchĂ€den, die bei der normalen Vereins- oder VerbandstĂ€tigkeit Dritten oder Mitgliedern zugefĂŒgt werden. Darunter fallen PersonenschĂ€den wie Tötung oder Verletzung von Personen, SachschĂ€den wie Zerstörung, BeschĂ€digung oder Verlust von Sachen.

Die AblÀufe sind sehr einfach gehalten und auch persönlich.
Petra Strickler PrÀsidentin STV Menzingen

Eine grosse UnterstĂŒtzung

Die Haftpflichtversicherung schon mehrmals in Anspruch genommen, hat beispielsweise der STV Menzingen. Von BrillenschĂ€den in den Trainings, defekten Storen, einer Beule auf einer Autohaube, der beschĂ€digten TĂŒre des Schaukelringkastens, einem kaputten Vorhang nach dem TurnchrĂ€nzli bis hin zu einem gemieteten Grillwagen, der Schaden genommen hat.

«Wir sind ein grosser Verein und organisieren viele AnlĂ€sse. Da kommt halt einiges zusammen», erzĂ€hlt Petra Strickler, die aktuelle PrĂ€sidentin und vormals Kassierin des STV Menzingen. Ihre Erfahrungen mit der Sportversicherungskasse sind durchwegs positiv. «Die Meldung von SchĂ€den und auch die Kommunikation sind sehr unkompliziert und verstĂ€ndlich», sagt sie und ergĂ€nzt: «FĂŒr unseren Verein ist dies eine grosse UnterstĂŒtzung. Wir organisieren viele AnlĂ€sse und leisten HelfereinsĂ€tze, mit denen wir unser Vereinsvermögen erarbeiten. Aus diesem Grund können wir den Jahresbeitrag sehr tief halten. Und wo gearbeitet wird, können SchĂ€den passieren. Wir sind sehr dankbar, dass diese SchĂ€den durch die SVK ĂŒbernommen werden und nicht zulasten unseres erarbeiteten Vereinsmögens gehen.»

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

  • Bei der SVK versichert ist nur, wer in der STV-Datenbank als aktives Mitglied erfasst ist.
  • Bei UnfĂ€llen ĂŒbernimmt die SVK Heilungskosten in ErgĂ€nzung zu Drittversicherungen und erbringt Kapitalzahlungen bei Todes- und InvaliditĂ€tsfĂ€llen. Auch bei BrillenschĂ€den sowie BeschĂ€digung und Verlust von Kontaktlinsen werden Leistungen entrichtet.
  • Achtung: Von der Franchise werden nur 10 Prozent ĂŒbernommen. Hinzu kommt der gesetzlich vorgeschriebene Selbstbehalt.
  • Es ist keine separate Vereinshaftpflicht-Versicherung nötig. Turnvereine und -verbĂ€nde sind ĂŒber die Sportversicherungskasse genĂŒgend abgesichert. Dies gilt auch fĂŒr die Organisation und die DurchfĂŒhrung von AnlĂ€ssen inklusive Turnfesten.
  • Achtung: Bei SachschĂ€den wird nur der Zeitwert vergĂŒtet. Die Vereine haben keinen Selbstbehalt zu tragen. SchĂ€den an SportgerĂ€ten sind grundsĂ€tzlich von der SVK-Haftpflichtversicherung ausgeschlossen. Fix installierte GerĂ€te wie Sprossenwand oder Basketballkorb hingegen sind inkludiert.

Von der Turnerhilfskasse zur Sportversicherungskasse

Die Idee, ein Sozialwerk zugunsten verunfallter Turner zu grĂŒnden, liegt bereits ĂŒber 150 Jahre zurĂŒck: Am 19. Juni 1870 fand die Generalversammlung des Kantonalturnvereins Neuenburg statt. Hier wurde von Alphonse Matthey der Antrag gestellt, dass «eine Hilfskasse fĂŒr verunfallte Turner zu grĂŒnden sei, da die Unfallgefahr viele junge Leute vom Turnen abhalte und eine Versicherung die Entwicklung des Turnens fördern wĂŒrde».

Im Mai 1871 trat eine ausserordentliche Abgeordnetenversammlung (AV) der Neuenburger Turnerschaft zwecks GrĂŒndung eines «Schweizerischen Hilfsvereins fĂŒr verunglĂŒckte Turner» zusammen. Der unterbreitete Statutenentwurf wurde auf den 1. Juli 1871 in Kraft gesetzt, und die Kasse nahm ihre TĂ€tigkeit auf. Im Jahre 1900 wurde der Name auf «Schweizerische Turnerhilfskasse» geĂ€ndert und der Beitritt fĂŒr sĂ€mtliche Aktivmitglieder der zu versichernden Sektionen obligatorisch erklĂ€rt.

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