Bereit, die Turnschweiz in Zug zu empfangen

  • 3. August 2022

  • Alexandra Herzog

  • Alexandra Herzog

  • Diesen Beitrag findet ihr auch im GYMlive 3/2022.

Nach der Verschiebung von 2021 auf dieses Jahr steckt das OK der Schweizer Meisterschaften Vereinsturnen in Zug nun im Endspurt f√ľr den Grossanlass. OK-Pr√§sidentin Laura Dittli spricht √ľber die Herausforderungen und den Stellenwert, einen solchen Anlass durchf√ľhren zu d√ľrfen.

Zur Person

Laura Dittli (31) wohnt in Ober√§geri und ist von Beruf Rechtsanw√§ltin. Sie ist Mitglied des Zuger Kantonsrats und Pr√§sidentin ¬ęDie Mitte Kanton Zug¬Ľ. Diesen Herbst tritt sie zur Wahl als Regierungsr√§tin an. Weiter spielt Dittli Klarinette in einem Blasmusikverein. Wenn noch Zeit bleibt, ist sie in den Bergen beim Skifahren oder Wandern anzutreffen.

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Laura Dittli, welchen Bezug hast du zum Vereinsturnen?

Um ehrlich zu sein, hatte ich bis zu diesem OK-Job noch keinen grossen Ber√ľhrungspunkt damit. Das Vereinswesen an sich kenne ich aber. Ich komme aus dem Musikbereich, der Blasmusik-Szene. Als Kind habe ich Leichtathletik betrieben, aber das ist lange her und nicht vergleichbar mit dem Vereinsturnen.
 

Wie bist du zu deinem Amt als OK-Präsidentin gekommen?

Ich kenne den Pr√§sidenten des Zuger Kantonalturnverbandes, Pascal Aregger, von fr√ľher. Er hat mich angefragt, ob ich Lust h√§tte, den Verband bei der Durchf√ľhrung zu unterst√ľtzen. Es ist immer hilfreich, eine Person, die in der Politik t√§tig ist, dabei zu haben. Einerseits wegen der Vernetzung, was die Zug√§nge zu den Beh√∂rden vereinfacht. Andererseits kann es auch in Sachen Sponsoring von Vorteil sein.

Zuerst musste ich fragen, was den das genau f√ľr ein Anlass ist (lacht). Pascal hat mir dann alles erkl√§rt und aufgezeigt. Ich fand dies sehr spannend. Deshalb habe ich zugesagt.

Es freut mich, der Zuger Bevölkerung die Turnwelt näher zu bringen.

Was bedeutet es f√ľr dich, einen solchen Anlass zu pr√§sidieren?

Ich freue mich riesig dar√ľber, dass so viele turnbegeisterte Leute nach Zug kommen werden. F√ľr den Kanton ist es l√§ssig, so ein Fest stemmen zu d√ľrfen. Man m√ľsste mal abkl√§ren, ob es hier √ľberhaupt schon einen √§hnlichen Event in dieser Gr√∂ssenordnung gab. Ausserdem freut es mich, der Zuger Bev√∂lkerung die Turnwelt n√§her zu bringen.

Wir haben ein super OK zusammen. In diesem sind wie ich, noch zwei oder drei andere Personen vertreten, die vorher nicht viel mit Turnen am Hut hatten. Ich finde es eine gute Mischung. Alle sind topmotiviert und machen ihren Job grossartig.
 

Wo steht ihr mit den Vorbereitungen?

Mehrheitlich ist alles auf Kurs. Die eine oder andere Schwierigkeit hat man immer. Mittlerweile ist aber das Wichtigste unter Dach und Fach. Momentan l√§uft die Anmeldung. Ich bin gespannt, wie viele Vereine dann am Ende tats√§chlich teilnehmen werden. Allenfalls m√ľssen wir dann noch Justierungen vornehmen, zum Beispiel mit den Unterk√ľnften. Lange war die Festwirtschaft ein schwieriger Punkt. Das l√§uft jetzt aber auch.
 

Woran lag es?

Ich habe das Gef√ľhl, dass ein Grund daf√ľr ist, dass seit zwei Jahren kein gr√∂sseres Fest mehr stattgefunden hat. F√ľr die Festwirte war das eine schwierige Zeit und jetzt ist pl√∂tzlich wieder alles auf einmal.

Begeisternde Vorf√ľhrungen sind an einer SM Vereinsturnen garantiert. Foto: Archiv STV / Stephan Boegli

Gibt es noch weitere Herausforderungen?

Sicherlich die Rekrutierung von Helferinnen und Helfern. Hier könnten wir schon noch die eine oder den anderen gebrauchen. Eigentlich wollten wir dies mit den Zuger Turnvereinen möglichst abdecken. Aber unser Kanton ist nicht allzu gross und es gibt gar nicht so viele Vereine wie in anderen Kantonen. Aber ich denke, auch hier sind wir auf Kurs. Der OK-Vizepräsident Franz Weingand und die Personal­verantwortliche Cornelia Rogenmoser-Henk haben das unter Kontrolle (schmunzelt).
 

Mit der Bossard-Arena habt ihr eine etwas aussergewöhnliche Lokalität. Wie lief da die Zusammenarbeit?

Erst einmal muss ich sagen, dass dies eine super Location und ein l√§ssiger Ort f√ľr einen Wettkampf ist. Nicht nur f√ľr die Teilnehmenden, sondern auch f√ľr das Publikum ist es attraktiv. Die Herausforderung war, dass die Arena vom EV Zug und nicht von der √∂ffentlichen Hand verwaltet wird. Mit dem EVZ mussten wir uns zuerst finden und diverse Vertr√§ge abschliessen. Auch wegen dem Gastroangebot in der Halle. Wir konnten nicht einfach auf der gr√ľnen Wiese planen.

Ganz am Anfang war auch das Durchf√ľhrungs¬≠datum eine Herausforderung. Zu diesem Zeitpunkt ist bereits das Eis wieder vorhanden. Wir m√ľssen die Eisfl√§che professionell abdecken. Das ist kostspielig. Aber auch wenn es den einen oder anderen Mehraufwand mit sich brachte, lief die Zusammenarbeit sehr gut. Der EV Zug ist sehr verankert und freut sich, wenn in seiner Halle ein anderer Anlass stattfindet.
 

Eigentlich hätte die SMV vergangenes Jahr in Zug stattgefunden. Wie wirkte sich die Verschiebung auf eure Motivation aus?

Um ganz ehrlich zu sein, w√§re ich froh gewesen, wir h√§tten sie letztes Jahr durchgef√ľhrt. Ich erinnere mich, dass das ein wundersch√∂nes Wochenende war. Da habe ich ein paarmal an die Schweizer Meisterschaften gedacht. Vermutlich ging es noch anderen im OK so. Die Motivation √ľber eine so lange Zeit aufrecht zu halten, war schon nicht einfach. Dadurch bestand die Gefahr, das eine oder andere etwas schleifen zu lassen. Nun ist der Schwung aber wieder da. Vor allem seit der Aufhebung der Schutzmassnahmen. Lange mussten wir mit verschiedenen Szenarien planen, weil wir nicht wussten, was m√∂glich sein wird.
 

Die letzte SM Vereinsturnen fand im Jahr 2018 statt. Wie funktionierte der Wissenstransfer?

Der Plan w√§re gewesen, dass wir die SMV 2020 in Bern besuchen, um uns ein Bild zu machen und uns zu informieren. Vor allem f√ľr mich, die vorher noch nie an einem solchen Anlass war, w√§re dies wichtig gewesen. Als wir wussten, dass diese SMV nicht stattfinden wird, haben wir vom Organisator 2018 die detaillierten Schlussberichte erhalten. Diese Dokumente haben uns sehr geholfen. Ausserdem erhielten wir Unterst√ľtzung von den Fachleuten aus dem STV. Da ist ein riesiges Knowhow vorhanden. Von der Wettkampfleitung ist auch immer eine Person an den Gesamt-OK-Sitzungen dabei.

Eine Herausforderung ist die Rekrutierung von Helferinnen und Helfern.

Wie schwierig war es Sponsoren zu finden?

Sehr schwierig, ehrlich gesagt. Man merkt schon, dass auch die Unternehmen durch die Covid-Pandemie einer gewissen Unsicherheit ausgesetzt sind. Sie konnten nicht richtig planen. Hinzukommt, dass wir lange nicht wussten, ob der Anlass √ľberhaupt stattfinden kann. Was soll man da den Sponsoren sagen? Und nach der Absage im vergangenen Jahr, mussten wir schauen, welche Sponsoren weiterhin dabei sind. Das war schon ziemlich harzig.

Gl√ľcklicherweise unterst√ľtzen uns der Kanton und die Stadt Zug sowie auch unsere weiteren Sponsoren grossz√ľgig. Aber die grosse Breite an Sponsoren zu bekommen, war fast nicht m√∂glich. Das hat vermutlich nichts mit dem Anlass zu tun, sondern weil viele Firmen es wirtschaftlich schwierig hatten und der Turnsport im Kanton Zug weniger bekannt ist.
 

Das Eidgenössische Schwingfest 2019 fand ja auch in Zug statt. Konntet ihr davon irgendwie profitieren?

Mit dem Gewinn vom Schwingfest wurde eine sogenannte ESAF-Stiftung gegr√ľndet. Diese unterst√ľtzt Sportanl√§sse, weshalb wir aus dieser einen Sponsorenbeitrag bekommen haben.
 

Worauf freust du dich am meisten?

(Lacht) Wenn alles klappt. Die Angst, dass etwas schief geht, ist halt immer da. Deshalb freue ich mich wirklich auf den Moment am Sonntagabend, wenn wir wissen, es ist alles ohne Zwischenf√§lle √ľber die B√ľhne gegangen. Aber vor allem freue ich mich auch auf die Stimmung, wenn so viele Turnende und Zuschauende hier in Zug zusammenkommen und gemeinsam als Verein auftreten.
 

Was m√∂chtest du zuk√ľnftigen SMV-OKs auf den Weg geben?

Erst einmal ein gut funktionierendes OK zusammensetzen. Es schadet auch gar nicht, wenn Personen dabei sind, die nicht aus dem Turnbereich kommen. Eine gute Mischung braucht es. Dann sollte das OK immer dranbleiben und m√∂glichst fr√ľhzeitig alles unter Dach und Fach bringen.

Wichtig ist der Austausch mit den Beh√∂rden. Vieles l√§uft dar√ľber. Sei es Unterk√ľnfte, die Wettkampfst√§tte selbst oder auch die Entsorgung. Da ist man auf viel Goodwill angewiesen.
 

Wäre auch ein Eidgenössisches Turnfest in Zug ein Thema?

Das w√§re sehr cool, aber schon nochmal eine andere Kiste. Ich war bisher nur als Besucherin am ETF in Aarau 2019. Daher kann ich es viel zu wenig einsch√§tzen, was es braucht und ob es von den Platzverh√§ltnissen her √ľberhaupt m√∂glich w√§re.
 

Wie schwierig ist es, den Beruf, die Politik und weiteren Hobbys unter einen Hut zu bringen?

(Lacht) Manchmal ist das schon herausfordernd. Letztlich ist es alles eine Sache der Organisation und Koordination. Klar hat man nicht immer f√ľr alles gleich viel Zeit. F√ľr mich ist es aber eher ein Gl√ľck, in so vielen verschiedenen Bereichen t√§tig sein zu d√ľrfen.
 

Das Interview fand am 10. Juni 2022 statt.

SM Vereinsturnen im √úberblick

Datum: 3./4. September 2022 in Zug
Wettkampfstätte: Areal in und um die Bossard-Arena

11 Disziplinen: Barren, Boden, Ger√§tekombination, Rh√∂nrad, Reck, Schaukelringe, Schulstufenbarren, Spr√ľnge, Trampolin, Gymnastik mit und Gymnastik ohne Handger√§t

Anzahl Anmeldungen: 116 Vereine, 205 Starts
Benötigte Helfer/-innen: 500

Weitere Informationen und Tickets:
smv-css.ch | Facebook | Instagram

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