Alle arbeiten gemeinsam auf dasselbe Ziel hin

  • 21. Dezember 2022

  • Lara Rigamonti / Alexandra Herzog

  • Adobe Stock/zvg

Der Behindertensport in der Schweiz ist in verschiedenen Verbänden organisiert. Doch wie hängen diese zusammen respektive wo liegen die Unterschiede? GYMlive ist der Frage nachgegangen und versucht, euch einen Überblick zu geben.

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PluSport Schweiz, Procap Sport und die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV/Rollstuhlsport Schweiz), sind die drei gr√∂ssten Verb√§nde im Schweizer Behindertensport und haben das gemeinsame Ziel, einen zeitgem√§ssen und attraktiven Sport f√ľr Menschen mit Behinderung anzubieten. Die drei Verb√§nde pflegen unter sich sowie mit Vereinen und Verb√§nden des Regelsports als auch Schulen und Ausbildungsinstitutionen einen regen Austausch. Dabei ist die F√∂rderung von Integration und Inklusion im und durch den Sport ein wichtiger Pfeiler. Die Stiftung Special Olympics Switzerland organisiert prim√§r Wettk√§mpfe f√ľr Menschen mit geistiger Beeintr√§chtigung in verschiedenen Sportarten. Clubs von PluSport, Procap und anderen Organisationen f√ľr Sportlerinnen und Sportler mit geistiger Behinderung, nehmen an ihren Wettk√§mpfen ‚Äď beispielsweise an Regional- oder National Games teil. Auch hier gibt es einen internationalen Verband (SOI) und International Games.

Die Aufgaben und Wirkungsbereiche dieser Organisationen sind teilweise unterschiedlich. PluSport ist ein reiner Sportverband, Procap und die SPV bieten weitere Dienstleistungen wie Rechts- und Bauberatung an. PluSport und Procap sind offen f√ľr alle Behinderungsarten, die SPV bietet vorwiegend Angebote f√ľr Rollstuhlsportlerinnen und -sportler.

Förderung vom Breiten- bis zum Spitzensport

PluSport und die SPV sind Tr√§ger von Swiss Paralympic. Das Swiss Paralympic Committee selektioniert Spitzensport-Athletinnen und -Athleten mit einer K√∂rper- oder Sinnesbehinderung f√ľr internationale Wettk√§mpfe und finanziert deren Teilnahme. Ein Ziel ist es, Elite-Athletinnen und -Athleten an die Paralympics zu bringen. Diese sind das Pendant zu den Olympischen Spielen.

Die beiden Verb√§nde k√ľmmern sich auch um die F√∂rderung von Menschen mit Behinderung vom Breiten- bis zum Spitzensport: ¬ęWir setzen uns daf√ľr ein, Breitensport, Spitzensport und Nachwuchsf√∂rderung nahtlos miteinander zu verbinden, damit Integration und Inklusion durch Sport in der ganzen Schweiz gelebt wird¬Ľ, lautet der Leitsatz von PluSport. Procap Sport ist ausschliesslich im Breitensport aktiv.

In Sachen Ausbildung arbeiten PluSport, Procap, die SPV, SDS und Special Olympics zusammen. Mit Jugend + Sport haben sie ein gemeinsames interdisziplin√§res Modul ¬ęSport Handicap¬Ľ erarbeitet. Ausserdem bilden alle Organisationen Aus- und Weiterbildungskurse f√ľr angehende Leitende an, die sich im Behindertensport engagieren wollen. F√ľr Quereinsteigende gibt‚Äôs verk√ľrzte Ausbildungsm√∂glichkeiten.

Ein Ziel ist es, Elite-Athletinnen und -Athleten an die Paralympics zu bringen.
Swiss Paralympic

Barrierefreie und integrative Sportvereine schaffen

Seit einiger Zeit gibt es Bestrebungen, Menschen mit Beeintr√§chtigung in gew√∂hnlichen Sport- und Turnvereinen zu integrieren. PluSport verf√ľgt √ľber 60 Jahre Erfahrung im Sport f√ľr und mit Menschen mit Behinderung und bietet interessierten Vereinen Unterst√ľtzung an, damit Sportlerinnen und Sportler mit Behinderung an den Angeboten von Regelsportvereinen teilnehmen k√∂nnen. Auch das Programm Unified von Special Olympics zielt darauf ab, dass es in Regelsportvereinen Trainings f√ľr Menschen mit Behinderung gibt.

Die Aus- und Weiterbildungen der Behindertensport-Verb√§nde stehen auch Leitenden aus Regelsportverb√§nden offen. PluSport f√ľhrt zudem Module f√ľr angehende Sportfachpersonen an Universit√§ten und Fachhochschulen durch und gibt Inputs bei unterschiedlichen Organisationen zur Sensibilisierung.

Die verschiedenen Organisationen im Kurz√ľberblick

PluSport

F√∂rderung von Menschen mit Behinderung vom Breiten- bis hin zum Spitzensport. F√ľr alle Zielgruppen, Altersklassen, Behinderungsformen, in unterschiedlichen Sportarten und stets mit dem Ziel der Integration und Inklusion.

Dachverband Sport f√ľr Menschen mit Behinderung (rund 12‚Äė000 Mitglieder) und Fachstelle f√ľr Inklusion im und durch den Sport. Angegliedert sind 80 Mitgliederclubs in der ganzen Schweiz mit regelm√§ssigen Angeboten.

Der Dachverband f√ľhrt j√§hrlich 110 Sportcamps durch sowie diverse Anl√§sse (z. B. nationaler PluSport-Tag) und wirkt bei zahlreichen Projekten mit. Zudem ber√§t und unterst√ľtzt PluSport seine Partner bei der Umsetzung der Inklusion im Sport.

Procap

Förderung und Durchsetzung der Interessen von Menschen mit Behinderung in sozialer, wirtschaftlicher, beruflicher, rechtlicher und gesellschaftlicher Hinsicht.

Procap ist eine Selbsthilfeorganisation. Procap engagiert sich insbesondere im Bereich Breiten-, Freizeit- und Erlebnissport und organisiert spezielle Projekte und Angebote in der Gesundheitsf√∂rderung f√ľr Menschen mit Behinderung.

Die rund 30 Procap-Sportgruppen bieten Sport- und Bewegungskurse √ľberall in der Schweiz an. √úber 1'500 Aktivmitglieder nehmen an den regelm√§ssigen Treffen teil.

Swiss Paralympic

Gezielte F√∂rderung des Schweizer Behindertenspitzensport, damit die Athlet*innen der verschiedenen Sportarten regelm√§ssig durch Spitzenleistungen sowohl auf der nationalen als auch auf der internationalen B√ľhne in Erscheinung treten.

Die Stiftung Swiss Paralympic selektioniert die Schweizer Behindertenspitzensportler und -sportlerinnen (prim√§r mit K√∂rper- und Sinnesbehinderungen) f√ľr Paralympics, Welt- und Europameisterschaften. Dazu geh√∂ren auch die Finanzierung und Organisation dieser Teilnahmen. Als nationales Komitee ist die Organisation Mitglied und Ansprechpartnerin des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) in Bonn, welches das Pendant zum Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ist.

Special Olympics

F√∂rderung von Sport f√ľr Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit geistiger Beeintr√§chtigung in allen Regionen der Schweiz.

Special Olympics international ist die weltweit gr√∂sste Sportorganisation f√ľr Menschen mit geistiger Behinderung. Special Olympic Switzerland ist eine unabh√§ngige nationale Stiftung, diezahlreiche Wettk√§mpfe in verschiedenen Sportarten durchf√ľhrt.

Special Olympics setzt sich auch daf√ľr ein, dass Sportangebote inklusiv werden, damit Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Beeintr√§chtigung einfachen Zugang zu Sport und Bewegung haben.

Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV)

Förderung und Vertretung der Anliegen der Para- und Tetraplegiker sowie weiterer Mitglieder.

Dachverband der Querschnittgel√§hmten mit mehr als 10'000 Mitgliedern. Rollstuhlsport Schweiz verf√ľgt √ľber 27 Rollstuhlclubs, die zur Hilfe zur Selbsthilfe in alle Regionen der Schweiz beitragen.

Akzeptanz vermitteln

¬ęUm Integration und Inklusion zu erm√∂glichen, muss man die Kultur √§ndern und das Bewusstsein sch√§rfen¬Ľ, sagt Giada Besomi, Ausbildungs¬≠verantwortliche von PluSport im Tessin und Gr√ľnderin des Vereins ¬ęNew Ability¬Ľ (Organisation f√ľr die Inklusion von Menschen mit Behinderung auf allen Ebenen im Tessin). Dies k√∂nne nur durch eine ad√§quate Ausbildung erreicht werden. ¬ęUnd wenn wir mit Menschen, die anders sind, nicht st√§ndig √ľber ihre Besonderheit, sondern √ľber andere, allt√§gliche Dinge reden¬Ľ, so Besomi weiter. Ein kultureller Wandel braucht viel Zeit und ist nicht einfach. Man m√ľsse Akzeptanz vermitteln, und dies Schritt f√ľr Schritt und durch die einfachsten Dinge: Sport, Kultur und Freizeit.

Der Zweck aller Behindertensport-Organisationen besteht darin, das Ziel der Inklusion bestm√∂glich zu erreichen. Daf√ľr ist es notwendig, gut zusammen zu arbeiten. In diesem Punkt sind sich alle Organisationen einig.

Leidenschaft, Mut und Zeit

Giada Besomi, Ausbildungsverantwortliche PluSport Tessin und Gr√ľnderin des Vereins ¬ęNew Ability¬Ľ

Was ist in der Schweiz die Hauptschwierigkeit im Bereich Integration von Behinderten in der Sportwelt?

Giada Besomi: Es erfordert einen Mentalit√§ts- und einen Kulturwandel. Auch heute noch wird die Vielfalt nicht von allen als Mehrwert angesehen. Ausserdem waren die Gruppen, die f√ľr Menschen mit Behinderungen geschaffen wurden, in vielerlei Hinsicht nicht inklusiv. Dieses Modell zu √§ndern und sich in Richtung Inklusion zu bewegen, erfordert viel Mut, grosse Ver√§nderungen und die Hoffnung, dass es vielleicht eines Tages keine spezifischen Organisationen mehr braucht, weil der Sport einfach f√ľr alle da sein wird.
 

Ist es möglich, behinderte Menschen in einen gewöhnlichen Turnverein zu integrieren? Was muss in dieser Hinsicht getan werden?

Ja, es gibt bereits solche Gruppen. Zun√§chst einmal braucht es eine spezifische Ausbildung zum Thema Sport und Behinderung, dann ist alles einfacher. Es gibt auch Fachleute, die in besonderen Situationen praktische Ratschl√§ge geben k√∂nnen. Integration, Inklusion oder Barrierefreiheit werden nicht einfach so erreicht. Der Weg dorthin ist ges√§umt von Niederlagen. Aber das Ziel kann erreicht werden, wenn man Schritt f√ľr Schritt nimmt, mit viel Leidenschaft, Mut und Zeit.

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