Westschweizer-Duo vertritt Schweiz an der Trampolin-WM

  • 6. November 2023

  • Emilie Lambiel

  • Claude Meylan

Simon Progin und Gonçalo Morais Sousa Alves werden die Schweiz an der Trampolin-WM vertreten, die Mitte November 2023 im englischen Birmingham stattfindet. Ein guter Zeitpunkt, die beiden Westschweizer Athleten etwas nÀher kennenzulernen.

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Zeitplan Trampolin-WM (Schweizer Zeit)

Donnerstag, 9. November 2023

11.00 – 21.30 Uhr:
Qualifikation Q1 MĂ€nner Einzel

12.00 Uhr:
Gruppe 2 mit Simon Progin

15.00 Uhr:
Gruppe 4 mit Gonçalo Alves

Freitag, 10. November 2023

11.00 – 15.00 Uhr:
Qualifikation Q1 MĂ€nner Synchron

13.00 Uhr:
Gruppe 3 mit Simon Progin/Gonçalo Alves

19.45 – 20.55 Uhr:
Qualifikation Q2 MĂ€nner Synchron (Top 16)

Samstag, 11. November 2023

13.00 – 14.00 Uhr:
Qualifikation Q2 MĂ€nner Einzel (Top 24)

Sonntag, 12. November 2023

13.33 – 14.03 Uhr:
Final MĂ€nner Synchron (Top 8)

14.43 – 15.13 Uhr:
Final MĂ€nner Einzel (Top 8)

Es ist Mittag, als die GYMlive-Redaktorin die Trainingshalle des Regionalen Leistungszentrums (RLZ) in Aigle betritt. Einige junge Turnerinnen und Turner trainieren an den verschiedenen GerĂ€ten. In der Mitte der Halle ĂŒben Gonçalo Alves und Simon Progin auf den Trampolinen. Beide trainieren fĂŒr die Weltmeisterschaften im November in Birmingham. Die Elemente, die sie zeigen, sind beeindruckend, ebenso wie die Höhe, in der sie springen. «Bei einer Höhe von acht Metern ist das GefĂŒhl anders», erklĂ€rt Gonçalo. Zurzeit verbringen die beiden Westschweizer mit ihrem Trainer mehrere Dutzend Stunden pro Woche in der Halle in Aigle. «Diese ist wie mein zweites Zuhause», fĂ€hrt er fort.

Ich habe Angst, von einem 10-Meter-Brett zu springen, aber ich habe keine Angst, wenn ich acht Meter ĂŒber dem Boden springe.
Gonçalo Alves

Von Portugal in die Schweiz

Bevor Progin und Alves fĂŒr die Weltmeisterschaft 2023 nominiert wurden, verliefen ihre Karrieren unterschiedlich. Der 19-jĂ€hrige Gonçalo Alves steht noch am Anfang. Auf das Trampolinturnen stiess er im Alter von zehn Jahren in Portugal. Und das eher per Zufall, denn er machte ungewollt auf sich aufmerksam: «WĂ€hrend einer Turnstunde probierte ich mich auf einem Minitrampolin aus und ein Trainer entdeckte mich», schmunzelt Alves. «Er schickte mich ins Probetraining und so entdeckte ich das Trampolinturnen fĂŒr mich.

Seitdem hat der Sport einen festen Platz in seinem Leben. Er hörte mit dem Schwimmen und dem Ballett auf, die er neben dem Turnen betrieben hatte und trat einem neuen Verein in seiner Heimatstadt Lissabon bei.

Als er zwölf Jahre alt war, verÀnderte sich sein ganzes Leben. Gonçalo Alves verliess seine Heimat und zog mit seinen Eltern in die Schweiz, in den Kanton Freiburg. «Als ich hier ankam, zögerte ich, den Sport wieder aufzunehmen. Die Tatsache, dass ich ein neues Leben beginnen, mich an mein neues Land gewöhnen und eine neue Sprache lernen musste, schien mir genug», sagt der 19-jÀhrige Turner. «Nach meiner Ankunft hatte ich Kontakt zu Sergio Lucas*. Er war es, der mich motivierte, wieder mit dem Trampolinturnen anzufangen.» Eine Entscheidung, die er heute angesichts seiner Erfolge keineswegs bereut.

*(Anm. d. Red.: ehemaliger Cheftrainer und Nachwuchsverantwortlicher des STV)

Der gebĂŒrtige Portugiese Gonçalo Alves darf jetzt international fĂŒr die Schweiz starten.

Ein Anfang im Zirkus

Simon Progin begann seine Karriere als Akrobat im Zirkus. Im Alter von 16 Jahren, nach einem zweiwöchigen Praktikum in einer Zirkusschule in Sitten, war er sich sicher, dass er sich dieser Kunst widmen wollte. Nach dem Praktikum begann er die dreijĂ€hrige Ausbildung, die diese Zirkusschule anbot. In diesen Jahren des Zirkustrainings entdeckte er das Trampolin fĂŒr sich. Als Progins Trainer sein Potenzial auf diesem GerĂ€t erkannte, empfahl er ihm, sich diese Disziplin auszuprobieren und im RLZ erste Versuche zu wagen. Diese waren erfolgreich und Progin begann in Aigle zu trainieren. «Am Anfang kam ich einmal pro Woche, dann immer öfter, bis ich fast tĂ€glich trainierte. Am Vormittag trainierte ich im Zirkus in Sion, am Nachmittag auf dem Trampolin in Aigle und am Abend wieder im Zirkus. Obwohl ich erst spĂ€t mit dem Trampolinturnen angefangen habe, konnte ich mit meinen Teamkollegen gleichziehen. Mit 21 Jahren wurde ich ins Nationalkader aufgenommen», erzĂ€hlt Progin. FĂŒr ihn ist Trampolinspringen eine andere Art der Akrobatik und seine Ergebnisse zeigen, dass er den richtigen Weg eingeschlagen hat. So gewann er 2014 bei den Europameisterschaften in GuimarĂŁes (POR) die Bronzemedaille im Synchron.

Simon Progin kam durch den Zirkus zum Trampolinturnen.

Das GefĂŒhl zu fliegen

So unterschiedlich die LebenslĂ€ufe der beiden Athleten auch sind, das Trampolinspringen lieben beide sehr, vor allem wegen der LuftsprĂŒnge. «Die Flugelemente sind berauschend. Ich habe Angst, von einem 10-Meter-Brett zu springen, aber ich habe keine Angst, wenn ich acht Meter ĂŒber dem Boden springe», lacht Alves. «Wenn man in der Luft ist, hat man das GefĂŒhl zu fliegen, man fĂŒhlt sich frei. Trampolinspringen ist ein wunderbarer Sport und schön anzusehen. Ich liebe es, in der Luft meiner KreativitĂ€t freien Lauf lassen zu können, wĂ€hrend ich mich an die strengen Regeln des Sports halte», ergĂ€nzt Progin.

Ich liebe es, in der Luft meiner KreativitÀt freien Lauf lassen zu können.
Simon Progin

Erstmals fĂŒr die Schweiz

An den Weltmeisterschaften 2023 wird Gonçalo Alves zum ersten Mal die Schweiz bei einem internationalen Wettkampf vertreten. Der junge Athlet hat erst vor kurzem die Schweizer StaatsbĂŒrgerschaft erhalten. «FrĂŒher musste ich fĂŒr die QualifikationswettkĂ€mpfe in mein Heimatland reisen und bin dann fĂŒr Portugal an den WettkĂ€mpfen gestartet», erklĂ€rt er. Jetzt ist er offiziell Schweizer und kann fĂŒr unser Land antreten. «Ich freue mich sehr, die Schweiz vertreten zu dĂŒrfen. FĂŒr mich ist es auch eine Möglichkeit mein Können zu zeigen und diesem Land all das zurĂŒckzugeben, was es mir bisher gegeben hat», so der 19-JĂ€hrige. Und weiter: «Das Trampolinturnen hat mir im Laufe der Jahre viel gegeben. Durch diesen Sport habe ich Französisch gelernt und mich hier eingelebt.» Ein Sport, der Alves einen Ausgleich zum Alltag bietet und ihn ĂŒber sich hinauswachsen lĂ€sst. «Mein Fernziel ist es, die Schweiz eines Tages an den Olympischen Spielen zu vertreten", erklĂ€rt der Freiburger.

Vom Trampolinspringen zum Laufen

Mit 33 Jahren kann Simon Progin auf eine Karriere mit Höhen und Tiefen zurĂŒckblicken. Vor allem im Jahr 2022 hatte er eine schwierige Phase und erreichte seine Ziele bei den grossen WettkĂ€mpfen nicht. «Mental war das sehr schwierig», sagt er. Deshalb entschied er sich, seine Karriere zu beenden. Diogo Ganchinho, sein jetziger Trainer, schlug Progin vor, zurĂŒckzukommen. «Er ĂŒberzeugte mich, nicht wegen einer Niederlage aufzugeben.» Ein kluger Rat, denn 2023 erzielte Progin bei den Schweizer Meisterschaften gute Resultate und wurde fĂŒr die WM selektioniert. 2024 will er mit seinem Teamkollegen Gonçalo Alves an den Europameisterschaften teilnehmen. «Dann schliesst sich fĂŒr mich der Kreis, wie man so schön sagt. An den Europameisterschaften 2014 war ich erfolgreich und nun möchte ich mit Gonçalo bei der EM 2024 erneut eine Medaille gewinnen.»

Danach will er mit dem Trampolinspringen aufhören. Aber nicht mit Sport. Der WaadtlĂ€nder ist ein begeisterter LĂ€ufer und bereitet gerade einen 45-minĂŒtigen Dokumentarfilm mit dem Titel «Boundless» ĂŒber einen Ultramarathon vor. Neben dem Training ist der WaadtlĂ€nder im Coachingbereich tĂ€tig: «Ich coache vor allem Skifahrer und seit kurzem auch Freerider», erklĂ€rt der 30-JĂ€hrige. Eine Welt, die er durch seinen Freund Pat Burgener, einen Snowboardprofi, entdeckt hat. Doch zunĂ€chst gilt seine ganze Aufmerksamkeit den Weltmeisterschaften im November. «Ich habe mich in meiner Karriere noch nie so erfĂŒllt gefĂŒhlt wie jetzt», strahlt Progin.

Simon Progin

Geburtsdatum: 8. September 1990

Zivilstand: ledig

Wohnort: Aigle (Waadt)

Verein: FSG Aigle-Alliance (RLZ Aigle)

Beruf: Sportcoach

Hobbys: Laufen

Gonçalo Alves

Geburtsdatum: 12. Februar 2004

Zivilstand: ledig

Wohnort: Courtepin (Freiburg)

Verein: FSG Aigle-Alliance (RLZ Aigle)

Ausbildung: Gymnasium im Fachbereich Gesundheit

Hobbys: In der Natur sein, Musik, Lesen, mit Freunden ausgehen

Wiedersehen in Birmingham

 Â«Diese WM bietet mir die Möglichkeit, in meiner Trampolinkarriere voranzukommen und Erfahrungen auf internationaler Ebene zu sammeln. Ich liebe diese WettkĂ€mpfe. Sie ermöglichen es einem, als Sportler, aber auch als Mensch zu wachsen», sagt Gonçalo Alves. Auch Progin ist motiviert: «Ich freue mich darauf, die Wettkampfhalle zu erkunden und meine Trampolinfreunde wieder zu treffen. Im Laufe der Jahre sind wir alle eng zusammengewachsen und es ist immer ein VergnĂŒgen, sich an WettkĂ€mpfen zu begegnen.» Was die Ziele angeht, so sind sich beide einig, dass es vor allem darum geht, Spass zu haben, die bestmöglichen Übungen zu zeigen und das gleiche GefĂŒhl wie beim Training zu haben. «Wir versuchen, uns nicht unter Druck zu setzen, es wird eine schöne Erfahrung werden», sagt Gonçalo Alves abschliessend.

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