Bleibenden Eindruck hinterlassen

  • 4. Oktober 2023

  • Thomas Ditzler

  • Janis Fasser

Auf eine besonders geglĂŒckte Kunstturn-WM können im Schweizer Team insbesondere Lena Bickel und Luca Giubellini zurĂŒckblicken. Beide standen in Antwerpen zum ersten Mal in einem WM-Kader und hatten mit ihren Leistungen massgeblichen Anteil am erfolgreichen Ausgang um die beiden Schweizer Olympia-Tickets. Die WM-Neulinge blicken auf ihre erste WM zurĂŒck.

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An der Kunstturn-EM diesen FrĂŒhling in Antalya (TUR) feierten Lena Bickel und Luca Giubellini ihre Feuertaufe auf der internationalen BĂŒhne. Ein halbes Jahr spĂ€ter hinterliessen die 18-jĂ€hrige Tessinerin und der 20-jĂ€hrige Aargauer zum ersten Mal auch an Weltmeisterschaften ihre Spuren – und diese könnten grösser nicht sein. Mit dem 39. Rang in der Qualifikation sicherte sich Bickel als Einzelturnerin einen Olympia-Startplatz fĂŒr die Schweiz. Sie setzt so die 20-jĂ€hrige Erfolgsgeschichte der Schweizer Kunstturnerinnen an Olympia fort. Giubellini sicherte sich gemeinsam mit seinen Teamkollegen nicht nur einen Startplatz fĂŒr das MĂ€nnerteam an den Olympischen Spielen in Paris, sondern sorgte zwei Tage spĂ€ter im Teamfinal mit dem fĂŒnften Schlussrang mit der Mannschaft fĂŒr ein «historisches» Schweizer WM-Ergebnis. Entsprechend positiv blicken die beiden Neulinge auf ihre Premieren-WM zurĂŒck. «Es war sehr gut», sagt Bickel und lacht und Giubellini ergĂ€nzt: «Die Stimmung und die AtmosphĂ€re in Antwerpen waren mega cool.» 

Die Stimmung und die AtmosphÀre in Antwerpen waren mega cool.
Luca Giubellini

Trotz vielem Positiven sieht Giubellini in seinen persönlichen Leistungen auch Verbesserungspotenzial: «Turnerisch ist es mir nicht ganz so gelaufen, wie ich es mir gewĂŒnscht habe.» Er spricht dabei seine Pferd-Übung in der Qualifikation, sowie den Sturz am Boden im Teamfinal an. «Am Ende zĂ€hlt aber das Resultat und dieses hat aus Team-Sicht gestimmt. Also passt es so», ergĂ€nzt Giubellini. Zurecht freuen kann sich auch Lena Bickel. Nach einer Vorbereitung, bei der sie immer wieder mit kleineren Blessuren zu kĂ€mpfen hatte, seien es sehr viele positive GefĂŒhle, die sie an ihre ersten WM-Tage hat: «Wettkampf und Training waren fĂŒr mich wirklich super.» Gemischter sind derweil wenige Stunden nach dem Teamfinal Luca Giubellinis GefĂŒhle: «Momentan ist es deshalb gerade ein wenig ein Hin und Her in meinem Kopf.» 

«Keiner von uns erwartet»

Der Aargauer gewinnt zu Recht aber viel Positives ab. «Dass es fĂŒr uns in den Teamfinal gereicht hat und wir dort als Mannschaft eine solche Leistung abliefern konnten, hatte keiner von uns erwartet», freut er sich. Umso schöner seien deshalb diese Resultate. «Ein fĂŒnfter Rang in einem WM-Teamfinal lĂ€sst sich sehr wohl zeigen», sagt er und schmunzelt. Zeigen lĂ€sst sich auch die Olympia-Qualifikation als Einzelturnerin von Lena Bickel. Nach Melanie Marti (2004), Ariella Kaeslin (2008) und Giulia Steingruber (2012, 2016 und 2021) wird die Tessinerin die vierte Schweizer Kunstturnerin innert zwei Jahrzehnten sein, welche die Schweiz, sofern sie von Swiss Olympic selektioniert wird, olympisch vertreten darf.  

Lena Bickel lÀsst nach dem Wettkampf den Emotionen freien Lauf.
Luca Giubellini (2. von rechts) lobt den tollen Teamgeist im Schweizer Team.
TrÀnen der Erleichterung und auch der Freude, als die Olympia-Qualifikation von Lena Bickel feststand.
«Die AtmosphÀre in der Halle war unglaublich», sagt Luca Giubellini.
Lena Bickel klatscht mit Trainer Frank Kistler nach der geglĂŒckten Sprung-Übung ab.
Zuerst einmal tief durchatmen: «Ich realisiere wohl erst zu Hause, was wir mit dem Team geschafft haben», sagt Giubellini.

«Ich habe die Qualifikation noch nicht realisiert. Ich weiss zwar, dass ich etwas Grossartiges geleistet habe, aber es ist fĂŒr mich immer noch surreal», lĂ€sst Bickel durchblicken. Ähnlich tönt es bei Giubellini: «Diese Leistung einzuordnen fĂ€llt mir schwer. Was wir als Team geleistet haben, ist immens. In Worte zu fassen ist schwierig.» Realisieren werde er es wohl erst, wenn er wieder zu Hause sei. 

OS-Gedanken machten Bickel nervöser

Im Wettkampf kĂ€mpften Bickel und Giubellini nicht nur um jeden Zehntelpunkt, sondern auch mit der NervositĂ€t. «Der Gedanke an Olympia war immer in meinem Hinterkopf und hat mich nervöser gemacht als die WM-Premiere an sich», gesteht Bickel. Unter Druck gesetzt habe sie sich selber wegen dieser Chance zwar nicht: «Ich wusste vor dem Wettkampf aber, dass meine Chancen intakt sind.» Sie habe sich deshalb immer eingeredet, sich einfach auf den Wettkampf zu konzentrieren und versuchte die Olympia-Gedanken zu verdrĂ€ngen. Der Rest sei die GrundnervositĂ€t gewesen, die sie wĂ€hrend eines Wettkampfes immer verspĂŒre. «Ich bin nicht so gut im Umgang mit NervositĂ€t», sagt sie und lacht. Ihr helfe es dabei Musik zu hören und sich so auf andere Gedanken zu bringen. 

Angespannter als sonst war auch Luca Giubellini. Dies habe aber damit zu tun, dass bei einem Team-Wettbewerb die Leistung nicht nur auf das eigene Abschneiden einen Einfluss hat, sondern die ganze Mannschaft darunter leiden könnte. «Da habe ich mir schon mehr Gedanken gemacht als sonst», sagt er und fĂŒgt hinzu: «Es war meine erste WM, da darf man schon nervöser sein als ĂŒblich.» Er selber habe zwar versucht möglichst cool zu bleiben. «Das ist mir aber anscheinend nicht wirklich gelungen», so sei jedenfalls die Meinung seiner Teamkollegen, ergĂ€nzt Giubellini. Die Erfahrungen, die er bereits an der EM in Antalya sammeln konnten, hĂ€tten ihm aber an dieser WM sehr geholfen: «So wurde ich in Antwerpen nicht ins kalte Wasser geworfen, sondern wusste, was mich erwarten wird.» 

«Konnte die TrĂ€nen nicht zurĂŒckhalten»

Sowohl Giubellini als auch Bickel nehmen von ihrer WM-Premiere viel mit. «Der Umgang mit einem Anlass in dieser Dimension hilft mir ganz sicher fĂŒr die Zukunft», sagt beispielsweise Lena Bickel und Giubellini spricht insbesondere den guten Teamgeist an, welchen sie in der Mannschaft wĂ€hrend dieser WM gehabt haben. 

Mit einer Olympia-Qualifikation habe ich nicht mehr gerechnet.
Lena Bickel

Angesprochen auf einen prĂ€genden Moment an den Weltmeisterschaften meinen beide den Moment, als klar war, welches Resultat sie erreicht haben, beziehungsweise die Olympia-Qualifikation sicher war. «Ich musste nach meinem Wettkampf noch zwei Subdivisionen abwarten, ehe es klar war. Ich war so nervös, da ich nach meinem Wettkampf eigentlich nicht mehr damit gerechnet hatte», blickt Bickel auf diese Stunden der Ungewissheit zurĂŒck. Plötzlich habe sie zahlreiche GlĂŒckwunsch-Nachrichten erhalten. «Als mich David Huser kontaktiert hat und erzĂ€hlte, dass es fĂŒr die Olympia-Qualifikation gereicht hat, konnte ich die TrĂ€nen nicht mehr zurĂŒckhalten», erzĂ€hlt Bickel und Giubellini meint: «Die Erleichterung nach den WettkĂ€mpfen war jeweils gross. Es war der Moment, bei dem wir zurĂŒckblicken konnten und uns bewusstwurde, dass unsere Leistungen gut waren.» 

Mit ihren Leistungen haben Bickel und Giubellini ein deutliches Zeichen gesetzt, dass Antwerpen zwar ihre ersten Weltmeisterschaften waren, aber wohl nicht die letzten in ihrer noch jungen Karriere. 

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