Mithelfen gehört zur Vereinskultur

  • 6. Dezember 2023

  • Fabio Baranzini

  • Fabio Baranzini

  • Erscheint auch im GYMlive 5/2023

Der Verein Gym Center Emme gehört zu den fleissigsten Organisatoren von Turnsport-AnlĂ€ssen. Wir haben mit OK-PrĂ€sidentin Sarah HĂŒsler ĂŒber die GrĂŒnde fĂŒr das grosse Engagement des Vereins, die Vor- und Nachteile der regelmĂ€ssigen Event-Organisation und die verĂ€nderten Herausforderungen fĂŒr Veranstalter von Turnsport-AnlĂ€ssen gesprochen.

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Zur Person

Sarah HĂŒsler war frĂŒher als Kunstturnerin aktiv und gehört seit mittlerweile rund zwanzig Jahren dem permanenten OK-Team des Gym Center Emme an. Viele Jahre hatte sie dabei die Wettkampfleitung unter sich. Seit drei Jahren ist sie OK-PrĂ€sidentin. Sarah HĂŒsler ist verheiratet, hat drei Kinder und wohnt in MĂŒnchenbuchsee. 

Sarah, in den letzten drei Jahren hat euer Verein vier Schweizer Meisterschaften im Kunst- und GerĂ€teturnen organisiert. Schon allein eine SM zu organisieren, ist ein enormer Aufwand – ihr habt vier durchgefĂŒhrt. Wie schafft ihr das?

Sarah HĂŒsler: Ich glaube, unser Erfolgsrezept ist das permanente OK, das wir bei uns im Verein seit vielen Jahren installiert haben. Diese Gruppe von 12 bis 14 Leuten organisiert jedes Jahr zwei grössere Events in unserem Verein. Entsprechend ist in diesem OK sehr viel Erfahrung und Know-How vorhanden, wenn es ums Organisieren von Events geht. 
 

Das klingt nach einem interessanten Konzept. Aus welchen GrĂŒnden ist dieses «permanente OK» denn entstanden?

Kunst- und GerĂ€teturnen leben davon, dass es Vereine gibt, die AnlĂ€sse organisieren, damit der Nachwuchs daran teilnehmen kann. Bei uns in der Region Bern gab und gibt es aber leider nicht so viele Vereine, welche dieser Aufgabe nachkommen können. Als wir im Jahr 2000 eine eigene Kunst- und GerĂ€teturnhalle gebaut hatten, haben wir es zu einem Teil unseres Konzepts gemacht, dass wir sehr regelmĂ€ssig AnlĂ€sse durchfĂŒhren wollen. Um dieses Ziel umzusetzen, haben wir damals das permanente OK ins Leben gerufen und organisieren seither zwei AnlĂ€sse pro Jahr.
 

Was ist eure Motivation, jedes Jahr mindestens zwei grössere WettkÀmpfe wie kantonale Meisterschaften, VerbandswettkÀmpfe oder auch Schweizer Meisterschaften zu organisieren.

Die Hauptmotivation ist, dass wir unseren Turnerinnen auf diese Weise die Möglichkeit bieten wollen, «zuhause» an WettkĂ€mpfen teilzunehmen. Das ist immer etwas ganz Besonderes und bleibt in Erinnerung. Allerdings ist es schon auch so, dass die Organisation dieser AnlĂ€sse fĂŒr uns als Verein eine wichtige Einnahmequelle ist, um den Trainingsalltag mit professionellen Leitenden und vor allem auch unsere eigene Halle zu finanzieren. 
 

Die Organisation dieser AnlÀsse gibt sehr viel zu tun. Da reicht ein permanentes OK noch lange nicht aus. Wie habt ihr bei euch im Verein das Helferwesen aufgebaut?

Wer bei uns im Verein Mitglied ist, der weiss, dass er nicht einfach nur Mitglied ist und die Trainings besuchen kann, sondern dass er auch an den beiden AnlĂ€ssen, die wir organisieren, mithelfen muss. Das Mithelfen gehört seit mehr als zwanzig Jahren zu unserer Vereinskultur und hat sich mittlerweile gut etabliert. 
 

Was heisst das genau?

Das heisst, dass bis auf ganz wenige Ausnahmen alle unsere 80 Mitglieder zwei HelfereinsĂ€tze pro Jahr Ă  mindestens zehn Stunden an den beiden Veranstaltungen leisten, die wir organisieren. So können wir kantonale Veranstaltungen ohne externe Hilfe durchfĂŒhren. Speziell in unserem Verein ist, dass er ausschliesslich aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen besteht – ohne eigentliche Aktivriege. Wir sind deshalb stark auf die tatkrĂ€ftige Hilfe der Eltern angewiesen. Auch das OK besteht zu 100 Prozent aus Eltern und nicht aus Turnerinnen. Dies ist in der Schweiz sicher eher die Ausnahme.
 

FĂŒr die Schweizer Meisterschaften reichen die helfenden Eltern aber nicht.

Nein, da brauchen wir deutlich mehr Support. Unsere Mitglieder helfen tatkrĂ€ftig mit, in ihrem Umfeld weitere Helferinnen und Helfer zu rekrutieren – Freunde, Nachbarn, Kollegen und Familienmitglieder. Alle helfen mit. Auch unsere ehemaligen Mitglieder und unsere Ehrenmitglieder packen mit an. Die Schweizer Mannschaftsmeisterschaften sind ein Anlass in einer bisher nie erreichten Grösse. Deshalb suchten wir fĂŒr den Wettkampf vom 11./12. November auch ausserhalb des Vereins Helferinnen und Helfer. Erstmals haben wir deshalb auch Turnvereine aus der Region, die uns unterstĂŒtzen. 
 

Dann war das Finden der Helferinnen und Helfer also kein Problem fĂŒr euch.

Das tĂ€uscht. Es ist die wohl grösste Herausforderung fĂŒr uns, genĂŒgend Helferinnen und Helfer zu finden, um einen Event wie die Schweizer Meisterschaften durchfĂŒhren zu können. Aber letztlich haben wir es bisher immer geschafft – auch ohne die Helfenden mit Geschenken zu locken. 
 

TatsÀchlich?

Ja, wer bei uns mitanpackt, der tut das, weil es bei uns im Verein dazugehört. Wir bieten unseren MĂ€dchen und Turnerinnen eine tolle Turninfrastruktur in einer 50 Meter langen Trainingshalle sowie einzigartigen Leiterinnen und Leitern und freuen uns, wenn unsere Turnerinnen viele regionale und nationale Erfolge erzielen können. Dies wiederum spornt auch die Eltern und das Umfeld an, AnlĂ€sse fĂŒr unsere Turnerinnen mitzuorganisieren. Und dank den AnlĂ€ssen erleben unsere Turnerinnen tolle HeimwettkĂ€mpfe, die wiederum unseren Turnbetrieb mitfinanzieren.

Es schweisst einen Verein zusammen, wenn man derartige Events auf die Beine stellt.
Sarah HĂŒsler PrĂ€sidentin Permantentes OK Gym Center Emme

Nach so vielen Events, die ihr in den letzten Jahren durchgefĂŒhrt habt – wie hat sich die Organisation dieser Veranstaltungen verĂ€ndert? Gibt es heute Dinge, die wichtiger sind als frĂŒher oder umgekehrt?

GrundsĂ€tzlich kann man festhalten, dass die Anforderungen an die Veranstalter gestiegen sind. Das merkt man beispielsweise an der Infrastruktur. Die muss wenn möglich Platz fĂŒr mehr Zuschauer bieten als frĂŒher und vor allem mĂŒssen die GerĂ€te im Kunstturnen normiert sein. FrĂŒher sah man das noch viel entspannter. Entsprechend sind Aufwand und Kosten fĂŒr den Aufbau der Infrastruktur deutlich gestiegen. Dasselbe gilt auch fĂŒr die Eventtechnik. Mittlerweile reicht es nicht mehr, einfach ein paar coole Scheinwerfer zu haben, die fĂŒr gutes Licht sorgen. Die Zuschauer erwarten, dass der gesamte Event eine Show ist. Kommt hinzu, dass auch ein Livestream mittlerweile fast schon Pflicht ist. Das bieten wir in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit dem STV auch zum ersten Mal an. Der gesamte Technikbereich ist also auch aufwĂ€ndiger und teurer geworden. Und dann gibt’s noch eine Herausforderung, mit der wir besonders zu kĂ€mpfen haben. 
 

Welche ist das?

Das Sponsoring. FĂŒr uns wird es immer schwieriger, genĂŒgend Sponsoren zu finden, weil wir so viele Events organisieren. Das ist vermutlich der einzige Nachteil, den wir haben, weil wir so aktiv sind (lacht). 
 

Trotz der gestiegenen Anforderungen – wĂŒrdest du anderen Vereinen die Organisation von solchen Veranstaltungen empfehlen?

Ja, auf jeden Fall! Einerseits ist es mega wichtig fĂŒr unsere Sportart, dass es genĂŒgend Veranstalter gibt. Und andererseits «fĂ€gt» es einfach, als Verein eine solche Veranstaltung zu organisieren. NatĂŒrlich sind es «sauanstrengende» Weekends, da mĂŒssen wir uns nichts vormachen. Aber es sind immer auch einmalige, unvergessliche Erlebnisse, auf die man stolz zurĂŒckschauen kann. Es schweisst einen Verein zusammen, wenn man derartige Events auf die Beine stellt. 
 

Hast du ein paar Tipps fĂŒr Veranstalter, die noch nicht ganz so viel Erfahrung mitbringen? Worauf sollen sie besonders achten?

Ich kann zukĂŒnftigen Veranstaltern empfehlen, eine langfristige Planung der AnlĂ€sse vorzunehmen und vielleicht auch mit repetitiven regionalen AnlĂ€ssen zu beginnen, sodass eine Lernkurve entstehen kann. Zudem kann ich das System «permanentes OK» sehr empfehlen, wobei die Aufgaben im OK auf möglichst viele Schultern verteilt werden sollen. Wir fĂŒhren auch diverse Co-Ressorts, damit die Arbeitslast nicht zu viel wird und sich die Ressort-Chefs vertreten können. FĂŒrs Material spannen wir jeweils mit den verschiedenen Vereinen und Organisatoren aus der Umgebung zusammen, damit die Ressourcen sinnvoll eingesetzt werden und ein Teil des Materials fĂŒr die AnlĂ€sse gleich gemeinsam angeschafft werden kann.
 

Wie siehts bei euch im Gym Center Emme aus – geht eure Serie von Schweizer Meisterschaften, die ihr organisiert, noch weiter?

Ja, ein Jahr geht sie noch weiter (lacht). 2024 organisieren wir die Schweizer Meisterschaften GerÀteturnen Turnerinnen Einzel. Danach folgt wieder eine Serie von kantonalen AnlÀssen.
 

Warum?

Einerseits ist der Aufwand deutlich geringer und andererseits – und das ist der Hauptgrund – können bei den kantonalen WettkĂ€mpfen alle unsere Turnerinnen antreten. Bei der SM waren es auch immer ein paar, aber natĂŒrlich nie alle.

Das System «permanentes OK» kann ich sehr empfehlen, wobei die Aufgaben im OK auf möglichst viele Schultern verteilt werden sollen.
Sarah HĂŒsler

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