Holzkl√∂tzchen, Br√ľcke, Verbindung

Konflikte zwischen Verein und Eltern bewältigen und vorbeugen

  • 16. November 2023

  • Ursula Laasner, Kinder√§rztin und Mitglied der Ethikkommission des STV

  • Adobe Stock

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In der Regel stehen Trainer*innen und Funktionär*innen im Fokus von Meldungen wegen eines Verdachts einer möglichen Verletzung von Bestimmungen des Ethik-Statuts des Schweizer Sports. Es tauchen aber auch immer wieder Konflikte zwischen Vereins- oder Verbandsverantwortlichen und Eltern von Athlet*innen auf, welche die Frage aufwerfen, ob nicht auch Eltern durch ihr Verhalten gegen Bestimmungen des Ethik-Status des Schweizer Sports verstossen können.

Im Ethik-Bulletin von Dezember 2022 handelte der Pr√§sident der EK STV, Daniel M√§gerle, diese Frage bereits ab. Er hielt dabei fest, dass Vereins- und Verbandsverantwortliche grunds√§tzlich unter gewissen Voraussetzungen die M√∂glichkeit h√§tten, gegen einen Elternteil Meldung bei Swiss Sport Integrity zu erstatten. Die Bestimmungen des Ethik-Statuts lassen darauf schliessen, dass dem zumindest f√ľr Eltern von Swiss Olympic-Card Inhaber*innen so ist. Als Ethikverstoss durch einen Elternteil k√§men etwa die Verletzung der psychischen Integrit√§t (etwa durch herabw√ľrdigendes Verhalten oder entsprechende √Ąusserung gegen√ľber einer Trainerin oder einem Trainer, Ziff. 2.1.2 Abs. 3), ein unsportliches Verhalten (Ziff. 2.3) oder eine wissentlich falsche, offensichtlich unbegr√ľndete oder missbr√§uchliche Meldung (Ziff. 5.12 i.V.m. Ziff. 5.3 Abs. 3) in Frage.

Ebenfalls gibt es Situationen, in denen Eltern bei Meinungsverschiedenheiten mit Trainer*innen und Funktion√§r*innen die Contenance verlieren und dem Gegen√ľber mit einer Meldung an Swiss Sport Integrity drohen. Ein solcher Missbrauch ist nicht nur ethisch unw√ľrdig, sondern schadet der ¬ęSache Ethik¬Ľ in einem nicht unrelevanten Masse.

Eine Meldung an SSI ist dann erforderlich, wenn ein Konflikt eskaliert ist. Im besseren Fall k√∂nnen die Vereins- und Verbandsverantwortlichen einen Konflikt fr√ľhzeitig l√∂sen oder daf√ľr sorgen, dass ein solcher gar nicht erst entsteht. Die EK STV empfiehlt diesbez√ľglich folgende Massnahmen:

  • Erarbeiten eines Eltern-Kodex, in welchem die Einhaltung des Ethik-Statuts festgehalten wird und von Eltern unterzeichnet wird,
  • gute Kommunikation und Transparenz mit den Eltern mit dem Ziel Eltern und Trainer als ein Betreuungsteam,
  • fr√ľhzeitige Einbindung der Vereinsleitung bei schwierigen Situationen mit Eltern,
  • niederschwellige Kontaktaufnahme und Kl√§rung von Meinungsverschiedenheiten,
  • Einbezug der EK STV oder des Bereiches Ethik & Recht zur Unterst√ľtzung bei komplexeren Sachverhalten.

Eltern haben zu Recht die Erwartung, dass die Bestimmungen des Ethik-Statuts im Schweizer Sport eingehalten werden, umgekehrt darf erwartet werden, dass auch die Eltern die Werte des Schweizer Sports im Sinne des Ethik-Statuts einhalten. Unz√§hlige freiwillige und engagierte Trainer*innen und Funktion√§r*innen sind Woche f√ľr Woche f√ľr den Turnnachwuchs im Einsatz und erm√∂glichen den Kindern und Jugendlichen eine Freizeitbesch√§ftigung, sportliche Perspektiven und Erfahrungen, die sie ihr Leben lang pr√§gen werden. Dieses freiwillige Engagement wird teilweise durch zus√§tzliche Herausforderungen wie Konflikte stark strapaziert. Gegenseitiger Respekt und Wertsch√§tzung sind angebracht und wichtig. Dies schafft Vertrauen und ein positives Umfeld, nicht zuletzt auch f√ľr die Athlet*in, und hilft im Konfliktfall eine L√∂sung zu finden.

Q&A zum Thema ¬ęKonflikte mit Eltern¬Ľ

Was kann ich als Pr√§sident*in tun, um meine Trainer*innen und Funktion√§r*innen zu sch√ľtzen vor ungerechtfertigter Kritik / vor verbalen Angriffen durch Eltern bzw. sie im Fall der F√§lle zu unterst√ľtzen?

Es empfiehlt sich ein grossz√ľgiger Einbezug einer 3. Person bei schwierigen Situationen/Gespr√§chen.

In welchen Situationen gibt es die meisten Konflikte mit Eltern?

Wenn es um die Beurteilung von Leistungen der Athlet*innen geht bzw. im Rahmen von Qualifikationen/Entscheiden √ľber Teilnahmen an Wettk√§mpfen (national und/oder international) und/oder Selektionen f√ľr eine Kaderzugeh√∂rigkeit.

Wo ist der Einbezug der Eltern wichtig, wo kann ich direkt mit den Kindern und Jugendlichen kommunizieren (Disziplinarmassnahmen, Selektionsentscheide etc.)

Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche Selektionsentscheide und Disziplinarmassnahmen nachvollziehen können. Gerade schwierige Entscheide sollten Kindern und Jugendlichen deshalb in altersgerechter Weise erklärt werden. Idealerweise findet ein solches Gespräch gemeinsam mit den Athlet*innen und deren Eltern statt.

Wie unterst√ľtzt die EK STV Vereine und Verb√§nde konkret bei diesen Themen? Welche Hilfsmittel stellt der STV zur Verf√ľgung?

Die EK STV steht bei schwierigen Situationen im Bereich Ethik gerne beratend zur Verf√ľgung.

Wie holt man aufgebrachte Eltern am besten ab?

Verst√§ndnis zeigen f√ľr die Sorgen und einen separaten Gespr√§chstermin im ruhigen Umfeld, ggf. mit einer 3. Person organisieren.

Wie reagiere ich professionell auf ungerechtfertigte schriftliche Kritik, die an einen grossen Verteiler geschickt wurde?

Wir empfehlen, das Gespräch mit dem Absender zu suchen sowie deeskalierende Massnahmen zu ergreifen.

Welche Möglichkeiten haben Vereins- und Verbandsverantwortliche, um Konflikte zu bewältigen? Ab wann ist eine Meldung an SSI erforderlich?

Konflikte werden am besten durch gemeinsame Aussprachen in einem ruhigen Rahmen bew√§ltigt. Daf√ľr kann bei Bedarf im Vorfeld auch eine Beratung der EK STV in Anspruch genommen werden. Bei einem Verdacht auf Verstoss gegen das Ethik-Statut muss eine Meldung an SSI gemacht werden.

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