Hintergrund-Informationen zur Medien-Berichterstattung vom 8. und 9. Oktober 2023 in der Sportart Rhythmische Gymnastik

  • 8. Oktober 2023

  • STV

  • NZZ

Am 8. und 9. Oktober 2023 wurde von der NZZ am Sonntag ein Bericht √ľber zwei Athletinnen der Sportart Rhythmische Gymnastik publiziert. Nachfolgend finden Sie weitergehende Informationen zu den Themen Ethik und Integrity sowie zur Organisation in der Sportart Rhythmische Gymnastik.

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Allgemeine Informationen zu den Themen Ethik und Integrity

Werteversprechen des STV

Gem√§ss seinem Werteversprechen ¬ęWir erm√∂glichen schweizweit Sport, Bewegung und Erlebnisse f√ľr alle, um Gemeinschaft und Wohlergehen zu schaffen.¬Ľ steht der Schweizerische Turnverband (STV) f√ľr Respekt und einen ethisch korrekten Turnsport. Der STV setzt sich ein f√ľr den Schutz der physischen und psychischen Integrit√§t und f√ľr eine gesunde, pers√∂nliche Entwicklung seiner Turnerinnen und Turner.

Untersuchungen Rudin Cantieni, Pachmann und der Ethikkommission des STV

In den Jahren 2020 und 2021 gab es mehrere, sehr umfangreiche Untersuchungen im Umfeld des STV und seiner Sportarten. Diese wurden durch externe Anwaltskanzleien (Rudin Cantieni im Auftrag des VBS (alle Turnsportarten) und Pachmann im Auftrag des STV (Rhythmische Gymnastik) sowie durch die STV-Ethikkommission (Kunstturnen, Trampolin) durchgef√ľhrt. Diese Untersuchungen gaben dem STV eine umfassende und unabh√§ngige Beurteilung seines Handels in der Vergangenheit sowie eine Vielfalt von Handlungsempfehlungen f√ľr die Zukunft des Turnens in der Schweiz. 

Der STV arbeitet seither mit Hochdruck daran, diese Empfehlungen schrittweise umzusetzen. Stets mit dem Ziel, seinen Turnerinnen und Turnern ein Umfeld zu erm√∂glichen, das die Athletinnen und Athleten sowie deren Wohl und pers√∂nliche Entwicklung ins Zentrum stellt. Mit der Umsetzung der Empfehlungen hat der STV einen Kulturwandel eingel√§utet. Dieser Wandel stellt einen Prozess dar, welcher sehr umfangreich ist und Zeit ben√∂tigt. Auch wird der Prozess mit der Umsetzung der Empfehlungen nicht abgeschlossen sein, sondern er wird dar√ľber hinaus auf die stetige Mitarbeit in diesen Themen durch alle beteiligten Personen und Organisation im Turnen in der Schweiz angewiesen sein.

Ethikkommission und Bereich ¬ęEthik & Recht¬Ľ des STV

Anfang des Jahres 2021 - noch vor der Gr√ľndung von Swiss Sport Integrity - nahm die verbandseigene Ethikkommission ihre Arbeit auf. Ende 2021 wurde innerhalb der Gesch√§ftsstelle des STV neu der Bereich Ethik & Recht geschaffen. Mit diesen beiden Kompetenzzentren st√§rkt der STV seine Pr√§ventionsarbeit, bietet Beratungen an und erm√∂glicht die Umsetzung der Handlungsempfehlungen sowie die Entwicklung weiterer Massnahmen, um f√ľr gute Rahmenbedingungen und eine gute Atmosph√§re in den Hallen und auf Sportpl√§tzen zu sorgen. Zudem unterstreicht er damit den Anspruch, in Zukunft eine f√ľhrende Rolle im Schweizer Sport in dieser wichtigen Thematik zu √ľbernehmen.

Aktive Mitarbeit im Schweizer Sport und im internationalen Turnsport

Dar√ľber hinaus hat sich der STV zum Ziel gesetzt, sich aktiv einzubringen und mitzuarbeiten, wenn es darum geht, neue Standards f√ľr den Schweizer Sport und f√ľr die internationale Turnfamilie zu definieren. So arbeitet der STV eng mit Turnverb√§nden anderer Nationen zusammen und hat unter anderem auch Einsitz genommen in der Begleitgruppe des Projektes ¬ęEthik im Sport¬Ľ des BASPO und von Swiss Olympic.

Unterst√ľtzung f√ľr die Schaffung von Swiss Sport Integrity (SSI)

Der STV hat die Schaffung einer unabh√§ngigen, nationalen Melde- und Untersuchungsstelle f√ľr den Schweizer Sport bef√ľrwortet und unterst√ľtzt. Die zentrale Meldestelle und das √ľbergeordnete Ethik-Statut sind ein wichtiges Zeichen f√ľr den gesamten Schweizer Sport und verst√§rken den Schutz - nicht nur von Athletinnen und Athleten, sondern auch von Trainerinnen und Trainern sowie Funktion√§ren und Funktion√§rinnen. Gleichzeitig zeigt die vorliegende Thematik, wie komplex Untersuchungen sind.

Aufgaben und Verantwortlichkeiten im Turnen, dezentrale Strukturen in der Rhythmischen Gymnastik

Als Nationaler Dachverband hat der STV eine Vielzahl von Aufgaben und Verantwortlichkeiten.

  • Aus- und Weiterbildung von Leitenden, Richter*innen und Funktion√§r*innen, mit dem Ziel seine rund 3000 Turnvereine zu unterst√ľtzen und weiterzuentwickeln.  
  • Bei der Ausbildung von Leitenden erfolgt die Ausbildung in engem Zusammenspiel mit Jugend+Sport, Erwachsenensport esa und der Trainerbildung Schweiz. 
  • Der STV verantwortet den Betrieb der nationalen Kader in den Sportarten Kunstturnen, Rhythmische Gymnastik (RG) und Trampolin.
  • In der Rhythmischen Gymnastik und im Trampolin trainieren alle Kaderathlet*innen dezentral in Regionalen Leistungszentren (RLZ). Diese werden durch kantonale Turnverb√§nde oder regionale Tr√§gerschaften betrieben. Die RLZ sind u.a. verantwortlich f√ľr das Bereitstellen der Infrastruktur, die Anstellung von Trainer*innen und die Umsetzung ethischer Standards im Trainingsbetrieb. Der STV unterst√ľtzt die RLZ dabei mit entsprechenden Unterst√ľtzungsbeitr√§gen. 
  • Nur in der Sportart Kunstturnen betreibt der STV ein eigenes, nationales Verbandszentrum f√ľr die Nationalkaderathlet*innen. 
  • Der gr√∂sste Aufgabenbereich des STV betrifft jedoch das Sicherstellen der Durchf√ľhrung von Wettk√§mpfen und Anl√§ssen sowie die Ausbildung im Bereich Breitensport, in welchem die grosse Mehrheit der STV-Mitglieder zu Hause ist.  
  • Im Austausch mit der verbandseigenen Ethikkommission unterst√ľtzt und ber√§t der STV weiter bei der Umsetzung der Vorgaben des Ethik-Statuts. Er setzt sich zudem f√ľr Angebote in der Pr√§vention und der Ausbildung in Zusammenarbeit mit Swiss Olympic und dem BASPO ein. 
  • Der STV ist zust√§ndig f√ľr die Finanzierung des Verbandes sowie den Einsatz und die Verteilung von F√∂rdergeldern. 
  • √úbergeordnet zeichnet sich der STV verantwortlich f√ľr eine Good Governance im Schweizer Turnsport.

Informationen zur Organisation in der Rhythmischen Gymnastik

Organisation
Bis 2020 fokussierte sich der STV in der Rhythmischen Gymnastik auf Stufe Nationalkader ausschliesslich auf die Gruppe. Diese trainierte dazumal zentralisiert im nationalen Verbandszentrum in Magglingen.

2021 wurde die Nationalkadergruppe aufgelöst und der Betrieb der Rhythmischen Gymnastik im nationalen Verbandszentrum eingestellt, um die Rhythmische Gymnastik von Grund auf neu aufbauen und den Athletenweg in der Basis stärken zu können.

Seither wird diese Sportart in der Schweiz komplett dezentral in den regionalen und kantonalen Trainingszentren sowie in den Vereinen ausge√ľbt und dort durch den STV gef√∂rdert und finanziell unterst√ľtzt.

Ab 2021 ermöglichte es der STV, dass Einzelgymnastinnen erstmals nach 20 Jahren wieder an internationalen Titelkämpfen teilnehmen und Mitglied des Nationalkaders werden können. Wie schon zuvor erfolgte das Training der Einzelgymnastinnen weiterhin dezentral unter der Verantwortung der Regionalen Leistungszentren.

Diese regionalen Strukturen m√ľssen sich jetzt entwickeln. Der STV unterst√ľtzt sie dabei im Rahmen seiner M√∂glichkeiten.

STV-Strategie
Die Erkenntnisse und Lehren aus dem Bericht Pachmann flossen unter anderem direkt in die Erarbeitung der neuen Verbandsstrategie und der neuen Sportf√∂rderkonzepte ein. Zwei der sieben Handlungsfelder der neuen Strategie, deren Genehmigung am 22. Oktober an der Abgeordnetenversammlung auf der Tagesordnung steht und die daraufhin am 1. Januar 2024 in Kraft treten wird, widmen sich dem ¬ęSchweizer Weg¬Ľ (u.a. Leistung nur bei entsprechender Gesundheit) und der Infrastruktur (F√∂rderung lokaler Infrastrukturen).

Spitzensportförderkonzepte
Die Spitzensportf√∂rderkonzepte, von denen gewisse Aspekte auch zur Vernehmlassung in die Regionen gehen, werden ebenfalls auf den 1. Januar 2024 hin implementiert und definieren, wie die Olympischen Turnsportarten in der Schweiz k√ľnftig gef√∂rdert und entwickelt werden. Das betrifft unter anderem Kaderstrukturen, die Regionenf√∂rderung, den Athleten- und Trainerweg. Die Spitzensportf√∂rderkonzepte werden in diesen Bereichen Kriterien und Vorgaben enthalten, welche durch die verschiedenen Trainingszentren umgesetzt werden m√ľssen und welche in Zukunft direkten Einfluss auf die Einstufung der Trainingszentren haben. Der STV wird die Zentren bei der Umsetzung beraten und unterst√ľtzen.

Unterböden
Die Problematik, dass Training ohne Unterboden das Verletzungsrisiko erh√∂hen kann, ist nicht neu und ist beim STV bereits seit mehreren Jahren Thema. Der STV ist hier auch auf Eigeninitiative und Anstrengungen in den Regionen angewiesen. Die finanziellen Mittel, die der STV den regionalen Leistungszentren zur Verf√ľgung stellt, k√∂nnten auch f√ľr die Integration solcher speziellen Unterb√∂den eingesetzt werden.

Im RLZ Z√ľrich und im RLZ Ostschweiz gibt es bestehende Hallenprojekte, welche mit eigenen Unterb√∂den planen und voraussichtlich die Vorgaben des STV im Bereich der Infrastruktur erf√ľllen w√ľrden.

Der Unterboden, welcher fr√ľher im Verbandszentrum in Magglingen im Einsatz war, kann zudem seit 2021 von allen Trainingszentren aus der ganzen Schweiz gemietet werden.

Werte und Prävention
Pr√§ventiv f√ľhrt der STV bei der Rekrutierung von neuen Trainerinnen und Trainern standardm√§ssig Background-Checks durch. Zudem ist es dem STV wichtig, regelm√§ssig Wissen im Bereich Werte und Pr√§vention zu vermitteln. So wurde der Einf√ľhrungskurs f√ľr ausl√§ndische Trainerinnen inhaltlich um einen umfassenden Themenblock ¬ęEthik¬Ľ erweitert, in s√§mtlichen J+S Ausbildungsgef√§ssen wird ebenfalls sensibilisiert. Auch das J+S Manual ist derzeit in √úberarbeitung. Weiter wurden auch Gymnastinnen geschult, damit sie Grenzverletzungen besser erkennen und damit sie wissen, wohin sie sich diesfalls wenden k√∂nnen. Die neuen F√∂rderkonzepte sollen die Regionen dazu motivieren, in eine √§hnliche Richtung zu denken.

Zum Schutz der Athletinnen und Athleten sowie Trainerinnen und Trainer hat der STV zudem neue Medienrichtlinien formuliert. Diese werden an Events und Wettk√§mpfen vom STV umgesetzt und dienen als Grundlage der Akkreditierungsvoraussetzungen. Im Rahmen dieser Medienrichtlinien hat der STV zudem ein Foto-Manual mit Vorgaben f√ľr die Produktion und Verwendung von heiklen Fotografien herausgegeben, das auch international auf grosse Akzeptanz st√∂sst und die Athletinnen und Athleten vor der Ver√∂ffentlichung anz√ľglicher oder anderweitig ethisch heikler Bilder sch√ľtzen soll.

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