Doris Zürcher: «Schöne Aufgabe»

8. Oktober 2020

Sie betreut seit bald 20 Jahren die Ehrengarde des Schweizerischen Turnverbandes (STV). Als verdiente Funktionärin hat Doris Zürcher auch den GYMlive-Stafettenlauf drauf. Auf die Plätze. – Fertig. – Los.

 
Doris Zürcher, wie charakterisierst du dich als Mensch selbst, stell dich doch bitte den GYMlive-Lesenden vor.

Doris Zürcher: Ich bin ein positiver und aufgestellter Mensch und verbringe die Zeit gerne mit fröhlichen Menschen. Zudem mag ich es ordentlich. Von mir selbst erwarte ich saubere und genaue Arbeit.
 

Du engagierst dich seit Jahrzehnten an verschiedenen Fronten für das Turnen. Erinnerst du dich noch an deinen ersten Berührungspunkt mit dem Verband?

Als wir 1972 nach Warth zogen, gab es noch keine Turnhalle. Das Schulturnen fand draussen und nur bei schönem Wetter statt. Eigentlich wären drei Turnstunden pro Woche obligatorisch gewesen. Ich beschwerte mich beim Schulpräsidenten. Drei Tage später stand der Schulinspektor vor unserer Haustüre. Er meinte, ich dürfe gerne das Schulturnen übernehmen. Von diesem Moment an war ich für viele Jahre Ersatz-Turnlehrerin in Warth. Ich bin immer weiter hineingerutscht, wurde Mitglied der Thurgauer Frauenturnkommission. Schliesslich habe ich die technische Leitung im Thurgauischen Frauenturnverband übernommen. In dieser Funktion kam ich durch Zentralkurse und Konferenzen in Kontakt mit dem Schweizerischen Turnverbandes, dem STV.
 

Welche Funktionen hattest du bereits inne?

Nach 20 Jahren und diversen Funktionen im Thurgauischen Frauenturnverband übernahm ich 1995 die erste Tätigkeit im Schweizerischen Turnverband – als Kursleiterin im Ressort Seniorinnen. Kurz nach meinem Amtsantritt wurde das Ausbildungssystem angepasst. Das Bundesamt für Sport wollte eine verbandsübergreifende Seniorensportausbildung aufbauen. Auch in dieser Kommission war ich tätig. Einige Jahre später änderte der STV seine Struktur. Neu gab es Abteilungen über den Ressorts. Unterdessen war ich Ressortchefin Seniorinnen und wurde neu zur Abteilungschefin gewählt. Dadurch hatte ich automatisch im STV-Zentralvorstand Einsitz.
 

Seit 18 Jahren betreust du die STV-Ehrengarde. Wie bist du zu dieser eher aussergewöhnlichen Tätigkeit gekommen?

Ich wurde sozusagen ins kalte Wasser geworfen. Im April 2002 starb Rita Elsener-Canepa, die bis dahin für die Ehrengarde zuständig war. Das Ehrenmitglieder-Treffen sollte im Mai stattfinden. Ich übernahm die Organisation. Da ich Ende 2002 aus dem Zentralvorstand ausschied und durch meine verschiedenen Funktionen bereits viele Leute kannte, fragte man mich, ob ich übernehmen würde.
 


Dein Stafettenvorläufer Christian Blandenier möchte wissen, ob du an deinem Geburtstag viele Glückwunschkarten bekommst?

Nicht ganz so viele, wie ich verschicke, aber auch eine ganze Menge. Mein Besuch staunt über die vielen aufgestellten Karten.
 

Du hast die Entwicklung des Turnens in der Schweiz miterlebt. Wie hat es sich deiner Meinung nach verändert?

Durch den Zusammenschluss des Schweizerischen Frauenturnverbandes und des Eidgenössischen Turnvereins zum STV 1985 hat sich viel verändert, aber vor allem zum Positiven. Das Turnen hat sich enorm entwickelt. Es ist farbiger und abwechslungsreicher geworden. Beide Verbände haben voneinander profitiert. Natürlich gab es auch von vielen Seiten Gegner, aber die hat man bei Veränderungen immer.
 

Das Ehrenamt verliert immer mehr an Anhängern. Wie könnte man wieder mehr Leute dazu bewegen, sich ehrenamtlich zu engagieren?

Ehrenamtliche zu finden, war noch nie einfach. Ich denke aber, dass es heutzutage schwieriger ist. Viele Junge sind – auch vom Beruf her – mehr gefordert als früher. Für mich sind zwei Dinge wichtig: Wenn man jemanden für ein Amt anfragt, muss man dem Kandidaten vermehrt das Positive vermitteln. Zum Beispiel, was man in den Jahren als Ehrenamtliche alles gelernt hat. Diesen Aspekt sollte man mehr in den Vordergrund stellen und erst dann die ganzen Aufgaben erklären. Klar gehört das auch dazu. Man muss ehrlich sein und nichts schönreden. Wichtig ist auch, bereits frühzeitig mögliche Nachfolger zu suchen. Dann kann man die Kandidaten bereits vor Amtsantritt an Kurse und Konferenzen mitnehmen, damit sie sehen, was auf sie zukommt. Ausserdem lernen sie so bereits die Leute kennen, mit denen sie später zusammenarbeiten.
 

Nun noch zu dir als Person. Wenn du nicht gerade für dein Ehrenamt tätig bist, wie verbringst du am liebsten deine Zeit?

Ich bastle viel, auch die Geburtstagskarten für die Ehrenmitglieder. Das sind in etwa 500 Geburtstags- und 80 Weihnachtskarten pro Jahr. Ansonsten unternehmen mein Mann und ich gerne etwas Kulturelles wie Theater- oder Konzertbesuche.
 

Christian Blandenier interessiert es, ob er dich 2022 als Zuschauerin bei der ‹EUROGYM› in Neuenburg begrüssen darf?

(lacht) Ja, warum nicht. Die Chance ist gross, da ich eigentlich immer an solchen turnerischen Veranstaltungen teilnehme.


Interview: Simona Stöckli/ahv
Foto: Alexandra Herzog


Bildlegende ganz oben: «Ich wurde sozusagen ins kalte Wasser geworfen.», sagt Doris Zürcher.

Das ganze Interview gibt es im GYMlive 5/2020 (erscheint am 8. Oktober2020).

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