Der Mann fĂŒr die GrossanlĂ€sse

  • 30. August 2023

  • Fabio Baranzini

  • zvg

  • Erschienen im GYMlive 3/2023

Genau zehn Jahre nach dem Eidgenössischen Turnfest in Biel organisiert FrÀnk Hofer (57) mit den Schweizer Meisterschaften im Vereinsturnen einen weiteren Grossanlass. Was motiviert ihn und was hat sich in den letzten zehn Jahren verÀndert? Wir haben nachgefragt.

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Zur Person

Geburtsdatum: 2. Dezember 1965
Zivilstand: Verheiratet, drei Kinder
Wohnort: Eichberg (St. Gallen)
Verein: in keinem Verein
Beruf: Sportmanager
Ausbildung: Primar- und Sportlehrer
Hobbys: Ausdauersport, vor allem Radfahren

Im Herzen ist FrĂ€nk Hofer ein Turner. Als Kind war er zuerst als Kunstturner – Â«ohne wahnsinnig viel Talent», wie er sagt – und danach als GerĂ€teturner aktiv. Im TV Spiez hat er mehrere Jahre die GerĂ€teturnriege geleitet. Im Alter von 25 Jahren war dann aber Schluss. Hofer, der dank seines Vaters zum Turnsport gefunden hatte, widmete sich fortan anderen Projekten: seinem Sportstudium an der UniversitĂ€t Bern, seiner Surfschule in Faulensee am Thunersee, mit der er sich sein Studium finanziert hatte, und spĂ€ter seiner eigenen Firma, mit der er Sportveranstaltungen und Sportcamps organisierte.

FĂŒrs Turnen blieb keine Zeit. Einem Turnverein gehört er seither nicht mehr an und aktiv Turnen ist lĂ€ngst kein Thema mehr. Wenn FrĂ€nk Hofer heute Sport treibt, dann widmet er sich mit Vorliebe dem Ausdauersport. Vor allem dem Radfahren – egal ob mit dem Rennrad auf der Strasse oder mit dem Mountainbike im GelĂ€nde. Und trotzdem: Der Turnsport spielt noch immer eine wichtige Rolle im Leben von FrĂ€nk Hofer.

Ich habe unglaublich viel Support aus der Turnfamilie erhalten.

Viel Support aus der Turnfamilie

Grund dafĂŒr ist das Eidgenössische Turnfest 2013 in Biel. Obwohl er damals schon seit rund 20 Jahren nicht mehr im Turnsport aktiv war, sprang er als Direktor ein, als sein VorgĂ€nger Lorenz Ursprung den Job aufgab. «Ich kam wie die Jungfrau zum Kind», blickt Hofer lachend zurĂŒck. Bereut hat er es nicht, dass er diese Aufgabe ĂŒbernommen hat. Als «sein MeisterstĂŒck» bezeichnet er das Eidgenössische Turnfest in Biel noch heute, auch wenn es direkt im Anschluss ein langwieriges juristisches Nachspiel gab, weil wĂ€hrend des Unwetters am ETF ein Zelt davonflog und eine Person so schwer verletzte, dass sie den Verletzungen erlag. Gegen Hofer wurde deshalb wegen fahrlĂ€ssiger Tötung ermittelt. Erst nach ĂŒber drei Jahren hatte die Staatsanwaltschaft entschieden, den Fall nicht zu eröffnen, und das Kapitel «ETF Biel» konnte abgeschlossen werden. «Dass es diese Strafuntersuchung gab, war fĂŒr mich und vor allem fĂŒr mein Umfeld sehr speziell. Ich habe aber unglaublich viel Support aus der Turnfamilie erhalten. Und genau das war der Grund, weshalb ich mir damals gesagt habe, dass ich dem Turnsport die Treue halten und weitere Events organisieren werde», sagt Hofer.

Erster Grossevent in der Ostschweiz

Und Hofer hat Wort gehalten. Schon kurz nachdem er das ETF in Biel definitiv abschliessen konnte, nahm er das nĂ€chste Grossprojekt an: Er organisierte das Regionalturnfest Biel-Seeland 2018, ein Jahr spĂ€ter folgte die Hauptprobe des Schweizer Abends der Gymnaestrada ebenfalls in Biel und jetzt – genau zehn Jahre nach dem ETF in Biel – folgt mit der Schweizer Meisterschaft im Vereinsturnen der vierte Turn-Grossanlass, den FrĂ€nk Hofer als Hauptverantwortlicher stemmt.

FĂŒr den 57-JĂ€hrigen ist es der erste Event, den er in der Ostschweiz organisiert. Genauer in Oberriet im St. Galler Rheintal, nahe der österreichischen Grenze. In der Region lebt FrĂ€nk Hofer mit seiner Familie seit mittlerweile drei Jahren. «Meine Frau kommt aus dem Rheintal und ich habe ein paar sehr gute Freunde hier. Deshalb haben wir uns auf meine Initiative hin entschieden, von Biel ins Rheintal zu ziehen», erzĂ€hlt FrĂ€nk Hofer.

FrÀnk Hofer ist zwar nicht mehr aktiver Turner, aber dennoch sehr sportlich unterwegs.

Novum fĂŒr die SMV

Und was gibt es Besseres, als an einem neuen Wohnort bei der Organisation eines Grossanlasses mitzuwirken? «Das ist die perfekte Möglichkeit, um neue Leute kennenzulernen und ein Netzwerk aufzubauen», ist Hofer ĂŒberzeugt. Deshalb musste er nicht lange ĂŒberlegen, als er vor etwas mehr als einem Jahr vom Schweizerischen Turnverband angefragt wurde, ob er die Schweizer Meisterschaften im Vereinsturnen in der Ostschweiz organisieren möchte.

Obwohl die Zeit Ă€usserst knapp bemessen war – erst ein Jahr vor der SMV wurde der TrĂ€gerverein gegrĂŒndet – sind FrĂ€nk Hofer und sein Team auf Kurs. 5000 Besucher und 3000 Teilnehmende aus 120 Vereinen werden am Wettkampf-Wochenende erwartet. Und sie dĂŒrfen sich auf ein Novum freuen: Der Finaltag der SMV findet zum ersten Mal in einer einzigen Riesenhalle statt. «Wir organisieren die erste Industrie-Style-Schweizer-Meisterschaft in der riesigen Lagerhalle unseres Presenting Partners Jansen AG. Das ist eine absolute Traumlösung und wir wĂ€ren auch vor einem Unwetter geschĂŒtzt», meint FrĂ€nk Hofer mit einem Augenzwinkern.

Die administrativen HĂŒrden werden immer grösser.

BĂŒrokratie wird zum Problem

Womit wir wieder beim ETF in Biel wĂ€ren. Und da drĂ€ngt sich natĂŒrlich eine Frage auf: Was hat sich in den letzten zehn Jahren bei der Organisation von (Turn)-Sportevents verĂ€ndert? Hofer streicht zwei grosse VerĂ€nderungen heraus: die Technologie und die BĂŒrokratie. «Heute diskutieren wir nicht mehr darĂŒber, ob der FestfĂŒhrer elektronisch ist oder ob die Ranglisten auf Papier ausgedruckt werden. Auch Kommunikation und Sponsoring laufen fast ausschliesslich ĂŒber die digitalen KanĂ€le», so Hofer.

Angesprochen auf die BĂŒrokratie, findet FrĂ€nk Hofer klare Worte. «Die administrativen HĂŒrden werden immer grösser. Das ist krass. Ich musste ein 30-seitiges Dokument ausfĂŒllen, um einen Antrag auf UnterstĂŒtzung durch den Zivilschutz zu stellen. Auch der Aufwand fĂŒr die GebĂ€udeversicherung ist unglaublich hoch und völlig realitĂ€tsfremd. Da mĂŒssen wir grausam aufpassen, dass wir kĂŒnftig noch Organisatoren fĂŒr GrossanlĂ€sse finden», so Hofer, der auch den Schweizerischen Turnverband in die Pflicht nimmt. «Ich wĂŒnsche mir von Seiten des STV mehr FingerspitzengefĂŒhl und mehr FlexibilitĂ€t gegenĂŒber den lokalen Organisatoren und mehr Offenheit fĂŒr neue Ideen. Denn genau die brauchen wir, um auch kĂŒnftig tolle GrossanlĂ€sse fĂŒr die Turnfamilie auf die Beine zu stellen. Wenn sich das Ă€ndert, bin ich auch gerne bereit, weitere Events zu organisieren.»

Schweizer Meisterschaften Vereinsturnen

9./10. September 2023
Oberriet, SG

TrÀgervereine:
STV Oberriet-Eichenwies / STV Kriessern

Platin Partner

Gold Partner

Silber Partner

Bronze Partner

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