Zwei HĂŒnen, die keine halben Sachen machen

  • 26. Juli 2022

  • Thomas Ditzler

  • Thomas Ditzler

  • Diesen Beitrag findet ihr auch im GYMlive 3/2022

Christian prĂ€sidiert mit dem Appenzellischen Turnverband den grössten Sportverband im Kanton. Samuel ist der derzeit erfolgreichste Schwinger im Land. Die Giger-BrĂŒder sind mit Leib und Seele mit ihrer Sportart verbunden.

Zur Person

Christian Giger

Geburtsdatum: 31. August 1990
Wohnort: Gais
Beruf: Fachspezialist fĂŒr Zoll- und Grenzsicherheit
Hobby: Kochen, Turnsport
Verein: TV BĂŒhler

Christian prĂ€sidiert seit Ende 2020 den Appenzellischen Turnverband. Davor war er 11 Jahre PrĂ€sident des TV BĂŒhler.

Samuel Giger

Geburtsdatum: 24. MĂ€rz 1998
Wohnort: Ottoberg
Beruf: Lastwagen-Chauffeur
Hobby: Schwingen
Verein: Schwingklub am Ottenberg, Turnverein MĂ€rstetten

Samuel ist unter anderem Sieger der Jahrespunkteliste 2021 des eidgenössischen Schwingerverbandes. 2021 siegte er am Kilchberger Schwinget. 50 KrÀnze und 25 Kranzfestsiege hat er bislang gewonnen (Stand: Redaktionsschluss).

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Sie sind gross, so richtig gross. Zwei HĂŒnen aus der Ostschweiz. WĂ€hrend Samuel Gigers Körper 1,94 Meter misst, ĂŒberragt ihn sein acht Jahre Ă€lterer Bruder Christian gar noch um einen Zentimeter. «Ein wichtiges Detail», wie Christian mit einem LĂ€cheln hinzufĂŒgt. Die beiden Ostschweizer – Christian lebt im appenzellischen Gais, Samuel im thurgauischen Ottoberg – passen so gar nicht in das weitverbreitete gĂ€ngige Klischee, das Appenzeller eher kleingewachsen sind.

Die Grösse, sie ist nur eine von vielen Gegebenheiten, welche die beiden BrĂŒder verbindet. «Der Sport hatte in unserem Leben schon frĂŒh einen wichtigen Stellenwert», sagt Samuel Giger. WĂ€hrend er sich dem Schwingsport verschrieben hat, zieht es Christian zum Turnen. Mit bislang 25 Kranzfestsiegen, 50 gewonnenen KrĂ€nzen (Stand: Redaktionsschluss) und dem Sieg am Kilchberger Schwinget 2021 hat der 24-jĂ€hrige Samuel den Schwingsport in den vergangenen Jahren massgeblich geprĂ€gt.

Vom Verein zum Verband

Eine prĂ€gende Rolle hat seit Ende 2020 auch Christian inne. Nach elf Jahren als VereinsprĂ€sident beim TV BĂŒhler, hat der 31-JĂ€hrige an die Verbandsspitze des Appenzellischen Turnverbandes gewechselt. «Ich bin frĂŒh ins ehrenamtliche Engagement gerutscht. Dieses hat in mir grosse Begeisterung geweckt», blickt Christian auf seine AnfĂ€nge zurĂŒck.

Bei Samuel wurde hingegen schon frĂŒh das Talent fĂŒrs Schwingen entdeckt. «Bereits ein grosser Teil der Verwandtschaft hat einst selbst geschwungen oder tut es immer noch», erzĂ€hlt er. Grossen Anteil habe Vater Emil gehabt, der unter anderem zweifacher Eidgenössischer Kranzschwinger ist. Es lag auf der Hand, dass der Giger-Nachwuchs in die Zwilchhosen steigt. Die Giger-Familie besteht aus sechs Geschwistern. Vier  Buben und zwei MĂ€dchen.  Auch Christian versuchte in jungen Jahren, ein Böser zu werden: «Mir fehlte als Schwinger aber der letzte Biss. Ich musste öfters SĂ€gemehl â€čfressenâ€ș.» Nach einer Saison war bei Christian Schluss.

Schweizer Meister im Nationalturnen

Ganz anders bei Samuel, der neben dem Schwingen auch Erfolge als Nationalturner des Turnvereins MÀrstetten feiern konnte und vierfacher Schweizer Meister bei den Aktiven (2014/15/16/18) ist. «Irgendwann kam ich aber an den Punkt, an dem ich nicht mehr beide Sportarten mit demselben Ehrgeiz betreiben konnte», sagt Samuel. Der Entscheid fiel so aufs Schwingen: «Hier sah ich mehr Potenzial.»

WĂ€hrend Samuel im Schwingkeller blieb, fand Christian ĂŒber die Jugendriege die Begeisterung zum Turnen. «Das gemeinsame Trainieren, WettkĂ€mpfe bestreiten und Erfolge feiern sind drei Aspekte, die mich ĂŒber all die Jahre im Turnen gehalten haben», erklĂ€rt Christian seine Faszination. Auch wenn die beiden BrĂŒder sportlich einen anderen Weg eingeschlagen haben, so verbindet sie in ihrer Art und beim AusĂŒben ihres Sports einiges. «Samuel ist ehrgeizig, sehr diszipliniert und hat einen eisernen Willen», beschreibt Christian seinen jĂŒngeren Bruder. Dieser erwidert: «Christian hat die Ă€hnlichen CharakterzĂŒge.» Seinen Ehrgeiz zeige sich zwar nicht im aktiven Sport wie bei ihm. «Was Christian anpackt, hat Hand und Fuss. Wille und Ehrgeiz sowie das Pflichtbewusstsein benötigt er fĂŒr seine ehrenamtlichen Ämter ebenfalls», so Samuel weiter. Beide setzen sich mit viel Herzblut fĂŒr ihren Sport ein. «Wir machen keine halben Sachen», betont Samuel.

Die Ehrenamtlichkeit hat schon frĂŒh meine Begeisterung geweckt.
Christian Giger

Verpflichtung fĂŒr mehrere Jahre

Dass war auch bei Christian klar, als er sich Ende 2020 als neuer VerbandsprĂ€sident des Appenzellischen Turnverbandes wĂ€hlen liess. «Wenn man in diesem Amt etwas bewirken will, reichen nicht nur drei Jahre», meint er und ergĂ€nzt: «Es ist ein Amt, in dem ich mich ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum verpflichtet fĂŒhle.» Neben dem grossartigen Team, das er im Verband vorgefunden habe, sei es auch die Chance, einen anderen Aspekt im sportlichen Engagement sehen zu dĂŒrfen. Dies habe ihn zur Zusage bewogen. «Das PrĂ€sidialamt hat eine sehr hohe Bedeutung», sagt der 31-JĂ€hrige.

Wie wichtig ihm dieses Engagement ist, zeigt sich darin, dass Christian in seinem Beruf als Fachspezialist fĂŒr Zoll- und Grenzsicherheit zurĂŒckgesteckt hat und sich so mehr Zeit fĂŒr sein Ehrenamt geschaffen hat. «Besuche auf dem Wettkampfplatz sind mir sehr wichtig und benötigen Zeit. Die Verbandsarbeit darf nicht vernachlĂ€ssigt werden», betont er. Gleichzeitig betont er auch das VerstĂ€ndnis und die FlexibilitĂ€t seines Arbeitgebers.

Christian (weisses Shirt) und Samuel Giger: Zwei BrĂŒder, die sich seit Jahren stark fĂŒr ihre Sportart engagieren.
Die Giger-BrĂŒder sind mit Leib und Seele mit ihrer Sportart verbunden.
Der 24-jÀhrige Samuel gehört derzeit zu den besten Schwingern im Land.

80 Prozent als Zauberformel

Die Zauberformel, nicht mehr 100 Prozent zu arbeiten, wie es Christian nennt, hilft auch seinem Bruder, um im Schwingen weiterhin zu den Besten des Landes zu gehören. Wie Christian, arbeitet auch Samuel in einem 80-Prozent-Pensum: «Dadurch kann ich mich intensiver dem Schwingen widmen.» Der Lastwagen-Chauffeur hat dadurch den Kopf frei fĂŒr seinen Sport. Denn: «Dem Schwingsport ordne ich alles unter.»

Das grosse Engagement der beiden hinterlĂ€sst auch im Familienleben seine Spuren. «Wir sehen uns nicht so oft, da wir beide sehr beschĂ€ftigt sind», sagt Samuel. Die gemeinsame Zeit, die sich ergibt, bestens zu nĂŒtzen, haben die Giger-BrĂŒder schon frĂŒh gelernt. Durch die Scheidung ihrer Eltern, sind sie die grösste Zeit ihrer Kindheit nicht gemeinsam aufgewachsen. Samuel zog es mit der Mutter nach Ottoberg, wĂ€hrend Christian beim Vater im Appenzellerland blieb. «Auch wenn wir nicht als typische Geschwister aufgewachsen sind, haben wir unter allen Geschwistern eine super Beziehung», schwĂ€rmt Samuel.

Die Familie, sie ist ein wichtiger RĂŒckhalt. Gerade in diesem Sommer, der sowohl fĂŒr Turner Christian als auch fĂŒr Schwinger Samuel nach der Corona-Pause wieder zahlreiche sportliche Höhepunkte liefert. Die Freude auf die Turnfeste ist gross, sagt Christian: «Ich habe sie vermisst. An den Festen will man sich mit anderen Vereinen messen. Diese WettkĂ€mpfe sind es, die uns Turnende antreibt.» Die Turnfeste seien fĂŒr ihn immer der Schlusspunkt einer langen Trainingsphase. «Diesen Schlusspunkt wollen wir im Sommer setzen und danach auch feiern. Dass ist es doch, was das Turnen auszeichnet», so Christian weiter.

Am ESAF möchte ich die bestmögliche Leistung abrufen.
Samuel Giger

Wieder eine «normale» Saison

Grund zum Feiern möchte Ende August auch Samuel haben. Mit dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Pratteln (ESAF) steht sein Höhepunkt unmittelbar bevor. Gegen aussen wirkt der Mitfavorit auf den Königstitel noch gelassen. Viel mehr betont er, dass er nach zwei speziellen Jahren froh sei, dass die Schwinger wieder eine «normale» Saison erleben: «NatĂŒrlich freue ich mich riesig aufs ESAF. Ziel ist es, die bestmögliche Leistung abzurufen – aber auch gesund zu bleiben. Wir werden sehen, was am Ende dabei herausschaut.»

Christian betrachtet das Jahr nach der Pandemie noch etwas globaler: «Es ist das Wichtigste, dass wir den Sport, welchen wir so gerne betreiben, auch wieder dem Publikum prĂ€sentieren können.» Sich vor Zuschauenden zu zeigen, bedeutet auch Werbung fĂŒr den Nachwuchs zu machen.

«Das A und O ist es die Freude zu teilen und diese an die nÀchste Generation weiterzugeben. Damit sie sehen, was im Sport möglich ist», betont der VerbandsprÀsident. Emotionen, welche am 28. August auch Samuel mit den rund 50'000 Schwingfans in der ESAF-Arena teilen will. Durchaus möglich, dass der 24-JÀhrige in Pratteln dann nicht nur wegen seiner Körpergrösse die ganze Konkurrenz in den Schatten stellen wird.

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