Jede Sportart hat die Chance, sich weiterzuentwickeln

  • 20. Juni 2022

  • Alexandra Herzog

  • zvg

Seit dem 1. Mai 2022 ist der Sport im Schweizerischen Turnverband (STV) neu organisiert. Was das genau bedeutet und warum diese Umstrukturierung vollzogen wurde, erklärt Jérôme Hübscher, Abteilungsleiter Sportförderung.

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JĂ©rĂ´me HĂĽbscher, was sind die HauptgrĂĽnde fĂĽr die Neustrukturierung?

Erstens haben sich die Aufgaben der Abteilung Breitensport in den vergangenen Jahren verändert. Zweitens wurde es nach 15 Jahren, wie in jeder Organisation nötig, die bestehenden Strukturen zu überprüfen.

Und drittens wollten wir den Sport mehr ins Zentrum stellen. Sprich, die Basis vertieft zu stärken.
 

Wie seid ihr vorgegangen?

Wir haben uns überlegt, wie wir das Ziel vom Sport unter einem Dach auch in der Struktur abbilden können. Wir wollten, dass alle vom Gleichen sprechen – egal ob im Breiten- oder Spitzensport. Die beiden Bereiche sollen näher zusammenrücken. Denn auch im Breitensport gibt es Leistungssport.
 

Was heisst das konkret?

Wir haben uns am FTEM-Modell von Swiss Olympic und dem Bundesamt für Sport orientiert. Dieses bildet den Athletenweg ab. Jedes unserer Mitglieder befindet sich darauf. Es spielt keine Rolle, ob der Weg nach einer oder nach drei Stufen aufhört. Genau dies soll auch die neue Verbandsstruktur abbilden: Auf der einen Seite gibt es nun die Abteilung «Sportförderung». Darin sind alle Sportarten abgedeckt, egal ob olympisch oder nicht. Denn der Athletenweg beginnt immer in der Sportförderung – also an der Basis. Auf der anderen Seite steht die Abteilung «Olympische Mission». Darin befinden sich Athletinnen und Athleten der Sportarten Kunstturnen, Trampolin und Rhythmische Gymnastik, sobald sie auf der Stufe F3/T1 ankommen.

Wir wollten, dass alle vom Gleichen sprechen.
Jérôme Hübscher Abteilungsleiter Sportförderung

Welche Vorteile erhofft man sich durch die Neuorganisation?

Viele Synergien können genutzt, Ressourcen gebündelt und Knowhow übergreifend transferiert werden. Die Personen und Sportarten, welche sich mit den gleichen oder ähnlichen Themen beschäftigen, wurde nun das zusammengefasst, was zusammengehört. Es gibt die Bereiche «Kompositorische Sportarten» sowie «Messbare und Spielsportarten».

Vorher, als alles unter der Abteilung Breitensport lief, war es schwierig, Themen tiefgehend zu bearbeiten. Die Interessengruppen haben unterschiedliche BedĂĽrfnisse. Ich als Abteilungsleiter konnte mich zu wenig um die Sportartenentwicklung kĂĽmmern. Nun gibt es zwei Bereichsleiter, die sich nur darauf konzentrieren. Somit fliessen mehr Ressourcen in die Entwicklung. Es ist enorm wichtig, dass jetzt dieser Schritt gemacht wurde.
 

Wo liegen die Herausforderungen?

Bei allen das Bewusstsein zu festigen, dass der Sport nun unter einem Dach läuft – auch wenn es schlussendlich wieder zwei Abteilungen sind. Dass am Ende alle vom Gleichen sprechen und die Idee vom FTEM-Modell allen klar ist. Und schliesslich, es zu schaffen, dass diese Verständnis bis an die Basis kommt.

Weiter ist die Neuorganisation personell wie strukturell eine Challenge. Die bisherigen Fachgruppen werden zu einem Ressort. Dadurch bekommen sie mehr Gewicht und mĂĽssen sich neu aufstellen.

Wenn jetzt alle kompositorischen Sportarten zusammenarbeiten, dann können wir sehr viel voneinander profitieren.
Funda Birrer Ressortchefin Aerobic

Was sollten unsere Vereine dazu wissen?

Die Vereine müssen keine Detailkenntnisse haben von der neuen Struktur. Womit sie sich sicher früher oder später auseinandersetzen müssen, ist das FTEM-Modell. Dieses soll auch in der Basis, im Verein, angewendet werden. Ausserdem sollten sie wissen, dass mehr Ressourcen in die Entwicklung jeder einzelnen Sportart und Anlässe investiert werden. Für jede Sportart erstellt der STV anhand des FTEM-Modells ein Förderkonzept. Ausserdem wird jede Wettkampf-Sportart neu eingestuft. Mit dem neuen Einstufungsmodell machen wir transparent, wo welche Gelder hinfliessen und warum. Die Gewichtung der Sportarten kann besser nachvollzogen werden. Es gibt faktenbasierte Kriterien, an denen man sich orientieren kann. So bekommt jede Sportart die Chance, sich weiterzuentwickeln. Das soll spürbar sein.

Gruppenbild mit 10 Personen
Die gewesene Abteilung Breitensport (hinten v. l.): Bernhard Meyer, Christian Heiss, Marianne Vogt, Nicole Lutz, Roman Brägger, Markus Thomi ; (vorne v. l.: Markus Speiser, Funda Birrer, Stefanie Imfeld, Jérôme Hübscher
Ich erhoffe mir eine noch direktere Zusammenarbeit auf dieser Ebene. Wir dĂĽrfen aber nie vergessen, dass die Turnfeste an der Basis stattfinden.
Bernhard Meyer Ressortchef Datenzentrale

Am 16. Mai 2022 wurde die Abteilung Breitensport offiziell aufgelöst beziehungsweise in die Abteilung Sportförderung überführt. Einige der bisherigen Ressorts werden neu zu Bereichen, andere werden zu einem Teilbereich und Fachgruppen werden zu Ressorts. Die bisherigen Ressortverantwortlichen sehen die Neuorganisation als grosse Chance für die Weiterentwicklung der Sportarten und die Stärkung der Basis.

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