Eine Biathletin in der Rhythmischen Gymnastik

  • 31. Mai 2023

  • Thomas Ditzler

  • Christian Danuser

Neun Jahre nach dem Gewinn ihrer Olympia-Silbermedaille in Sotschi wirkt die ehemalige Biathletin Selina Gasparin an den diesj√§hrigen Schweizer Meisterschaften in der Rhythmischen Gymnastik in Ems im Organisationskomitee mit. Die 39-J√§hrige freut sich auf ihre OK-Aufgaben in einer f√ľr sie neuen Sportart und sieht zwischen der RG und dem Biathlon auch Parallelen.

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¬ęIch bin ein Mensch mit hundert Projekten. In mir sprudelt es st√§ndig nach Ideen¬Ľ, sagt Selina Gasparin, angesprochen auf ihr Engagement an den Schweizer Meisterschaften Rhythmische Gymnastik. Bis zu ihrem R√ľcktritt vom Spitzensport im M√§rz 2022 war die heute 39-j√§hrige B√ľndnerin als Biathletin √§usserst erfolgreich unterwegs. Unvergessen ihre Silbermedaille an den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi. Neun Jahre nach ihrem gr√∂ssten Erfolg amtet Gasparin diesen Sommer im Organisationskomitee der SM Rhythmische Gymnastik, die am 10. und 11. Juni 2023 in Domat-Ems ausgetragen wird. Vom Biathlon zur Rhythmischen Gymnastik ‚Äď wie kommt es dazu? ¬ęZur Rhythmischen Gymnastik bin ich durch meine Tochter gekommen, die seit rund zwei Jahren diese Sportart betreibt¬Ľ, erkl√§rt Gasparin.

F√ľr die ehemalige Spitzen-Biathletin ist der SM-Job jedoch nicht ihr erster dieser Art. Beim B√ľndner Adventscup der RG Ems im vergangenen Dezember war sie bereits f√ľrs Sponsoring mitverantwortlich. Das eine ergab das andere und so ist Gasparin an der SM RG nun f√ľr die Medien und die Infrastruktur zust√§ndig. ¬ęDa ich die lokalen Medien bereits aus meiner Zeit als Biathletin kannte, lag es fast schon auf der Hand¬Ľ, sagt sie und erg√§nzt, ¬ęfr√ľher wollten die Medien von mir als Spitzensportlerin etwas. In meiner OK-Funktion bin ich es nun, die den Kontakt zu den Medien sucht. Diese neue Perspektive der Medienarbeit ist f√ľr mich sehr spannend.¬Ľ

Dank Google zur Rhythmischen Gymnastik

Dass Gasparins Tochter √ľberhaupt auf die Rhythmische Gymnastik aufmerksam wurde, sei eher einem Zufall geschuldet. Wohnhaft in der N√§he von Lenzerheide war der Gasparin-Nachwuchs zuerst im Ballett-Training. ¬ęMeine Tochter hat von Natur aus ein gutes Musikgeh√∂r und tanzt gerne. Da habe ich mich mit Google schlau gemacht, was es in unserer Region sportlich alles in diese Richtung gibt¬Ľ, erkl√§rt Selina Gasparin. So sei sie auf die Rhythmische Gymnastik und die RG Ems gestossen. ¬ęDie RG verbindet Beweglichkeit und K√∂rperhaltung. Als Mutter ist es mir ein Anliegen, dass meine Kinder eine gute K√∂rperhaltung haben¬Ľ, sagt Gasparin und spricht dabei ihre eigene Schulterstellung an, die durch die jahrzehntelange Biathlon-Karriere gelitten habe. ¬ęDie Kombination der t√§nzerischen und musikalischen Elemente, verbunden mit der K√∂rperkontrolle, finde ich an der Rhythmischen Gymnastik spannend¬Ľ, sagt sie.

Ihre Tochter wird an den diesj√§hrigen Schweizer Meisterschaften zwar noch nicht selbstturnen, dennoch freut sich Gasparin auf diesen Anlass: ¬ęDass ich mit meiner OK-Arbeit etwas f√ľr den Sport und den Verein beisteuern kann, freut mich.¬Ľ Ihr gehe es mit ihrer Mitarbeit auch darum, den M√§dchen und dem Sport etwas zur√ľckgeben zu k√∂nnen. Zudem freue sie sich darauf, die besten Gymnastinnen der Schweiz in Ems turnen zu sehen. Denn f√ľr die einstige Biathletin sei diese Sportart nach wie vor Neuland: ¬ęBevor ich auf der Google-Suche auf die RG Ems gestossen bin, hatte ich von der Rhythmischen Gymnastik kaum Kenntnis genommen.¬Ľ

Hauptsache Bewegung

Wenn aber die Mutter erfolgreiche Biathletin und der Vater erfolgreicher Langl√§ufer waren, w√§re es da nicht naheliegend gewesen, dass der eigene Nachwuchs auf die Karte Wintersport gesetzt h√§tte? ¬ęMeine T√∂chter k√∂nnen beide sehr gut Skifahren und standen bereits im Alter von zwei Jahren auf den Brettern.¬Ľ Skifahren sei im Kinderalter aber nicht mit Langlaufen zu vergleichen, denn ¬ęLanglaufen bei Kindern bedeutet eher st√§ndiges Umfallen¬Ľ, sagt Gasparin und lacht. In diesem Alter sei das klassische Skifahren und so die Piste herunterzufahren noch spannender, anstatt in der Loipe zu stehen. Zudem betont Gasparin: ¬ęMeine Kinder m√ľssen wegen uns Eltern auf keinen Fall auch Spitzensportlerinnen werden.¬Ľ Ihr sei viel wichtiger, dass sie sich bewegen: ¬ęWie diese Bewegung aussieht, spielt mir keine Rolle.¬Ľ Sie selbst habe die Bewegung in der Natur geliebt und ihre beiden T√∂chter sind nun happy, wenn sie auf dem Teppich turnen k√∂nnen.

Auch wenn sie ihre gr√∂ssten Erfolge im Biathlon gefeiert hat, habe sie das Turnen schon immer fasziniert, sagt Gasparin. ¬ęW√§re ich dem Turnsport treu geblieben, dann w√§re es Kunstturnen gewesen¬Ľ, sagt sie und spricht dabei die Eleganz an, die diese Sportart mit sich bringt. Bevor sie mit 16 Jahren ins Swiss-Ski-Kader aufgenommen wurde, war Gasparin sehr polysportiv unterwegs. Von Skifahren, Eiskunstlauf √ľber Ballett bis zum Ger√§teturnen f√ľhrte ihr sportlicher Weg letztendlich in jene Sportart, in der sie mitunter neunmal auch Schweizer Meisterin wurde.

Während Selina Gasparin im OK im Einsatz ist, turnt Ariana Dell (links) als eine von vier RG-Ems-Gymnastinnen an der Heim-SM.

Präzision als Gemeinsamkeit

Vielleicht weil sie selbst nicht so ein gutes Musikgeh√∂r habe, sei RG f√ľr sie nie ein Thema gewesen. Dennoch sieht Selina Gasparin in ihrer und in jener Sportart ihrer Tochter auch Gemeinsamkeiten. Allen voran die Pr√§zision. ¬ęBeim Schiessen im Biathlon sind es Millimeter, die √ľber einen Treffer entscheiden. √Ąhnlich ist es bei der RG mit den Handger√§ten, bei denen ebenfalls Millimeter dar√ľber entscheiden, ob das Ger√§t gefangen wird oder nicht¬Ľ, so Gasparin. Zudem ben√∂tige es in beiden Sportarten eine perfekte K√∂rperposition, sei es im Schiesstand oder beim Werfen der Handger√§te.

Seit ihrem R√ľcktritt vom Biathlon-Zirkus ist erst rund ein Jahr vergangen. ¬ęDer Spitzensport fehlt mir heute schon noch¬Ľ, gesteht Gasparin. Vor allem die teils monotonen Trainings auf den Rollski oder in der Loipe seien es, die sie aus ihrer Biathlon-Zeit misse. ¬ęBei diesen endlosen Einheiten hast du viel Zeit f√ľr dich, f√ľr deine Gedanken und um das eigene K√∂rpergef√ľhl besser kennenzulernen¬Ľ, begr√ľndet die 39-J√§hrige. Aber auch die vielen Stunden, die sie dadurch in der Natur verbringen durfte, habe sie immer sehr gesch√§tzt: ¬ęJetzt besteht mein Arbeitstag aus dem B√ľroalltag.¬Ľ Ganz vom Biathlonsport weg sei sie aber auch heute noch nicht: ¬ęDiesen Winter habe ich sieben Rennen absolviert ‚Äď nat√ľrlich alle plauschm√§ssig.¬Ľ

Positive RG-Welle auslösen

Im Alltag der zweifachen Mutter ist aber auch so einiges los. Gasparin arbeitet unter anderem Teilzeit beim Zoll in Chur, ist bei Swiss Ski f√ľr die Biathlon-Weiterentwicklung im U18-Nachwuchs t√§tig und auch als Botschafterin unterwegs. In diesen Tagen gilt ihr Augenmerk aber der bevorstehenden RG SM. ¬ęIch hoffe, dass wir mit der Durchf√ľhrung eine positive RG-Welle ausl√∂sen und in der Region Werbung f√ľr diese Sportart machen k√∂nnen. Die Organisation der SM kann auch einen positiven Effekt f√ľr den Zusammenhalt im Verein sein¬Ľ, glaubt Gasparin. Vor allem aber hoffe sie, dass der Heim-Wettkampf f√ľr die vier qualifizierten Gymnastinnen der RG Ems tolle Emotionen wecken wird. Denn eines weiss Selina Gasparin aus eigener Erfahrung als Sportlerin zu gut: ¬ęSport kann Emotionen wecken, die du sonst im Alltag nicht erleben kannst.¬Ľ

Bild ganz oben: Vom Biathlon zur Rhythmischen Gymnastik: Olympia-Medaillengewinnerin Selina Gasparin ist Teil des SM-OK 2023 und hofft dabei auf ein gutes Abschneiden der RG-Ems-Gymnastinnen. Eine von vier Ems-Gymnastinnen ist Ariana Dell.  Bild: Christian Danuser

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