Cosmos: 130 Waadtländer Turnende auf dem Weg nach Lissabon
News

Cosmos: 130 Waadtländer Turnende auf dem Weg nach Lissabon

Emilie Lambiel
Fotos und Video: STV

In einem Jahr, am 12. Juni 2027, wird die Gymnaestrada mit der Premiere des «Schweizer Abend» für die Schweizer Delegation eröffnet. Nur wenige Wochen danach verwandelt sich Lissabon (POR) in die Bühne des weltweit grössten Turnfests – mittendrin: die Waadtländer Gruppe «Mission Cosmos».

Jean-Luc Monney, Präsident Gymnaestrada-Kommission 2027

Wir sind überzeugt, dass wir einen wunderbaren Schweizer Abend in einer fantastischen Arena und einer turnbegeisterten Region erleben werden.

Premiere «Schweizer Abend»

Heute in einem Jahr geht es offiziell los: Am 12. Juni wird der Auftritt für den «Schweizer Abend» zum ersten Mal gezeigt, bevor er an der Gymnaestrada am Länderabend aufgeführt wird. Die Länderabende sind ein wichtiger Programmpunkt. In einer rund 90‑minütigen Show zeigen Turngruppen aus der ganzen Schweiz die Vielfalt und Qualität des Schweizer Turnens – von Geräteturnen über Gymnastik und Tanz bis hin zu kreativen Showelementen. 

Dieses Jahr wird die Premiere vom BTV Luzern organisiert. Die Veranstaltung findet in der neu erbauten Pilatus-Arena in Kriens/Luzern statt.

Alle weiteren Premieren-Termine

Premiere Schweizer Abend 2023

Ein gemeinsames Universum erschaffen

Auch die Gruppe «Mission Cosmos» wird am Samstag, 15. Mai 2027 eine Stadtaufführung in Morges VD haben. Sie haben am Auffahrtswochenende in Sumiswald im Kanton Bern sich auf die Gymnaestrada vorbereitet. Turner*innen, Leiter*innen sowie Trainer*innen der Gruppe Cosmos verbrachten vier intensive Tage im Lager – geprägt von Proben, dem Einstudieren von Choreografien, dem Testen neuer Geräte und gemeinsamen Momenten.

Das Projekt vereint rund 130 Teilnehmende im Alter von zehn bis 32 Jahren aus 22 Waadtländer Vereinen. Etwa hundert von ihnen kommen aus dem Geräteturnen, einige aus dem Kunstturnen und rund dreissig sind in der Gymnastik bzw. im Tanz oder in der Rhythmischen Gymnastik aktiv.

An der Spitze des Projekts stehen Manon Rochat und Gilles Racine, unterstützt von sieben Trainer*innen. Gilles Racine, der bereits bei der Gymnaestrada in Amsterdam für «Gymnasticus Circus» verantwortlich war, wagt in Lissabon ein neues Abenteuer. Das Thema Cosmos ergab sich dabei ganz natürlich: «Ein Musiker hat mich daran erinnert, dass meine Inspiration oft aus meiner Kindheit stammt. Da ich mich für Sterne und Planeten begeistere, lag das Thema Kosmos schnell auf der Hand.»

Ziel ist es nicht, eine konkrete Botschaft zu vermitteln, sondern das Publikum auf eine Reise mitzunehmen. «Ich möchte, dass sich das Publikum in dieses Universum entführen lässt und für einen Moment die Zeit vergisst», erklärt Racine.

Zusammenhalt schaffen

Das Projekt begann im November 2025 und läuft bis zum Sommer 2027. Insgesamt sind rund 192 Stunden Vorbereitung vorgesehen, mit monatlichen Trainingseinheiten an Sonntagen in verschiedenen Turnhallen des Kantons. Die grösste Herausforderung: trotz unterschiedlicher Altersgruppen und Disziplinen einen starken Zusammenhalt zu schaffen. Dazu setzen die Verantwortlichen bewusst auch auf Aktivitäten ausserhalb des Trainings – gemeinsame Essen, Spiele, Themenabende sowie ein Patensystem zwischen Jüngeren und Älteren. «Die grösste Herausforderung besteht darin, so viele Turnerinnen und Turner für ein gemeinsames Ziel zu begeistern – abseits der üblichen Wettkämpfe», so Racine.

Stetige Verschmelzung von Turnen und Tanz

Die Inszenierung umfasst unter anderem Minitrampoline, AirTracks und Reckanlagen, von denen einige – mit Unterstützung eines Ingenieurs – vom Bruder einer Turnerin speziell für die Show entwickelt wurden. Für Gilles Racine bleibt der magischste Moment jener, «in dem das, was auf dem Papier entstanden ist, auf der Fläche zum Leben erwacht.»

Bastien Bovey, Trainer «Mission Cosmos»

Da stehen unzählige Stunden dahinter, in denen Positionen angepasst, Gruppen koordiniert und Abläufe abgestimmt werden, damit alle zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind.

Ein kollektives Zusammenspiel

Zu den sieben Trainer*innen gehört auch Bastien Bovey vom Verein Vevey-Ancienne. Er kennt die Gymnaestrada bereits von früheren Teilnahmen, erlebt diesmal jedoch eine Premiere: die Betreuung einer so grossen Gruppe mit vielen jungen Turnenden. «Die grösste Schwierigkeit besteht darin, alles zusammenzuführen», erklärt Bovey. Die Choreografie wechselt zwischen Geräteeinsätzen, gymnastischen und tänzerischen Sequenzen sowie visuellen Momenten – etwa dem inszenierten Raketenstart. Hinter der finalen Darbietung steckt viel Arbeit in Recherche, Abstimmung und Koordination.

Zu den ersten sichtbaren Bildern gehört eine Sequenz, in der Turnerinnen und Turner mit Taschenlampen Sterne darstellen. Bereits diese kurzen Eindrücke lassen das für Cosmos entwickelte Universum erahnen – noch bevor die spektakuläreren Elemente mit Reck, Minitrampolin und AirTrack folgen. Ein grosser Teil der Arbeit bleibt für das Publikum unsichtbar: «Da stehen unzählige Stunden dahinter, in denen Positionen angepasst, Gruppen koordiniert und Abläufe abgestimmt werden, damit alle zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind», so Bovey.

Ein verbindendes Abenteuer

Für die Turnenden geht das Projekt weit über den sportlichen Rahmen hinaus. Besonders geschätzt werden die Begegnungen, die daraus entstehen. Für die 20-jährige Axelle Mann aus Lucens, die nach «Gymnasticus Circus» bereits ihre zweite Gymnaestrada erlebt, ist Cosmos eine Gelegenheit, «neue Leute kennenzulernen und Neues auszuprobieren». Als Turnerin und Tänzerin sammelt sie dabei auch Erfahrungen an den Geräten. Ähnlich sieht es der 22-jährige Geräteturner Paddy Derder aus Pully: «Man lernt unglaublich viele Leute kennen.»

Bei den Jüngsten begeistert sich die 10-jährige Romy Heanni von Amis-Gym Yverdon besonders für die Hebefiguren. «Ich bin eine der Kleinsten, deshalb werde ich in der Choreografie regelrecht ‹geworfen›», erzählt sie lachend. Einig sind sich alle über den Höhepunkt: den Moment, in dem Turnen und Tanz auf der Fläche zusammenfinden. Wie Paddy Derder es treffend formuliert: «Das Publikum sieht das Resultat – aber nicht die grosse Arbeit dahinter.»

Beim gemeinsamen Training ist der Teamgeist bereits deutlich spürbar. Während unseres Gesprächs kümmerten sich die beiden Ältesten spontan um Romy, unterstützten sie beim Antworten und achteten aufmerksam auf sie. Ein einfaches Bild, das den Geist von Cosmos gut widerspiegelt.

Vor der Reise nach Lissabon hat das Schweizer Publikum bereits die Möglichkeit, die Produktionen im Rahmen der «Premiere Gymnaestrada» zu entdecken – dem ersten Treffen aller Schweizer Gruppen, die in Lissabon dabei sind.

World Gymnaestrada 2027

Die World Gymnaestrada ist das weltweit grösste Turnfest ohne Wettkampfcharakter. Sie findet alle vier Jahre statt und vereint Tausende Turnerinnen und Turner aus aller Welt im Zeichen von Austausch, Kreativität und «Turnen für alle». Die Schweiz ist traditionell mit einer der grössten Delegationen vertreten.
 

  • Ort: Lissabon, Portugal
  • Datum: 11.–17. Juli 2027
  • Teilnehmende: rund 60 Länder und über 18’000 Personen bei der letzten Ausgabe in Amsterdam
  • Schweizer Delegation: 75 Gruppen und rund 3’600 Turnerinnen und Turner
  • Rhythmus: alle vier Jahre
     

Weitere Informationen zur Gymnaestrada

Sponsoren

Sponsoren

Platin Partner

Silver Partner

Bronze Partner