Trainingslager in China: Lernen auf höchstem Niveau
Ein zentraler Bestandteil der aktuellen Vorbereitung ist das Trainingslager in Peking. «Für die Schweizer Kunstturner ist das eine aussergewöhnliche Gelegenheit, sich frühzeitig auf die kommenden Herausforderungen einzustellen», erklärt der Männer-Nationaltrainer Claudio Capelli. Trainiert wird gemeinsam mit dem Nationalteam von China – einer der führenden Turnnationen weltweit. Im Fokus steht dabei nicht nur der Leistungsvergleich. Ebenso wichtig ist der Austausch zwischen Athleten und Trainern – fachlich wie kulturell.
Das Trainingslager in China hilft, uns frühzeitig auf internationale Bedingungen einzustellen – sportlich, organisatorisch und mental.
Das Trainingslager dient zudem der gezielten Akklimatisation. Klima, Zeitverschiebung und Tagesrhythmus werden bewusst in die Vorbereitung integriert, um Erkenntnisse im Hinblick auf die Weltmeisterschaften 2027 in Chengdu (CHN) zu gewinnen. Diese sind zentral für die Qualifikation für die Olympischen Spielen.
Die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles erfolgt in mehreren Schritten:
- Weltmeisterschaften 2026 in Rotterdam (NED):
Die drei bestplatzierten Nationen qualifizieren sich direkt mit einem Team.
- Weltmeisterschaften 2027 in Chengdu (CHN):
Weitere neun Nationen sichern sich einen Teamstartplatz.
- Einzelqualifikation:
Athlet*innen aus Nationen ohne Teamqualifikation können sich über Einzelresultate an Weltmeisterschaften oder über den Weltcup qualifizieren. Dabei gelten komplexe Regularien, insbesondere zur Nationenbereinigung.
Deshalb wird bereits im Vorfeld getestet, wie sich Schlaf- und Trainingszeiten optimal anpassen lassen. Ziel ist es, nach der Ankunft möglichst schnell leistungsfähig zu sein und von Beginn an fokussiert trainieren zu können. «Wir haben bereits für die WM in Jakarta den Schlafrhythmus angepasst und damit gute Erfahrungen gemacht», so Capelli.
Neben der physischen Anpassung spielt auch das Material eine entscheidende Rolle. Wenn möglich, trainieren die Athleten an jenen Geräten, die an künftigen Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen zum Einsatz kommen könnten. Im Turnzentrum in Biel stehen derzeit nahezu alle relevanten Modelle zur Verfügung. Dadurch lassen sich frühzeitig wertvolle Erfahrungen sammeln und im weiteren Verlauf gezielt nutzen.
Insgesamt ist das Trainingslager in China ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu den nächsten Grossanlässen – sportlich, organisatorisch und mental.
Code de pointage
Mit Beginn jedes olympischen Zyklus gibt es Änderungen im «Code de pointage» – dem Bewertungssystem im Kunstturnen – durch das Technische Komitee des internationalen Turnverbandes (FIG) angepasst. Für diesen Zyklus wurde zum Beispiel die Anzahl der Turnelemente bei den Männern von zehn auf acht reduziert. Das verändert die Anforderungen an die Athleten deutlich – die Nationen und Wertungen rücken noch näher zusammen.
Langfristige Planung über vier Jahre
Die Planung eines olympischen Vierjahreszyklus folgt im Kunstturnen einer klar definierten Struktur. Grundlage bilden die Anpassungen im «Code de pointage».
Jedes Jahr erfüllt eine spezifische Funktion:
- 2025 – Aufbau:
Anpassung an das neue Regelwerk sowie Erlernen neuer Elemente.
- 2026 – Integration:
Einbau der Elemente in die Übungen und Wettkampferprobung. Nicht stabile Elemente werden konsequent gestrichen.
- 2027 – Stabilisierung:
Fokus auf Präzision und Wettkampfsicherheit. Trainingslager wie jenes in China unterstützen diesen Prozess gezielt.
- 2028 – Selektion:
Qualifikation und finale Auswahl für die Olympischen Spiele.
Claudio Capelli betont, dass über den gesamten Zyklus hinweg vor allem eins im Zentrum steht: die Gesundheit der Athleten. Die Trainings und die Regeneration werden laufend individuell angepasst, um Überbelastungen und Verletzungen zu vermeiden.
Erfahrung und Fokus bei Olympischen Spielen
Claudio Capelli, selbst ehemaliger Olympiateilnehmer – 2008 in Peking (CHN) und 2012 in London (GBR) – betont die Bedeutung der mentalen Vorbereitung. Olympische Spiele unterscheiden sich deutlich von anderen Wettkämpfen – insbesondere durch die Vielzahl an Eindrücken und Ablenkungen. Entscheidend sei daher die Fokussierung auf die eigene Leistung. Capellis Empfehlung: volle Konzentration auf die Übungen im Wettkampf. Das Erlebnis Olympische Spiele solle bewusst wahrgenommen werden – jedoch erst nach dem Wettkampf.
Das Trainingslager in China steht exemplarisch für die langfristige und systematische Vorbereitung im Kunstturnen. Es verbindet technische Entwicklung, internationale Standortbestimmung und mentale Schulung – mit klarem Fokus auf das grosse Ziel: die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles.










