«Getu-Kutu»: Bewährtes und neue Impulse
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«Getu-Kutu»: Bewährtes und neue Impulse

Carolina Estibeira
Fotos: Martin Fröhlich/STV/Markus Aeschimann/Hansruedi Lüthi/Laura Hauswirth

Sport fördert die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Für den STV ist es zentral, den Nachwuchssport weiterzuentwickeln. Mit «Getu-Kutu», der Verbindung von Geräte- und Kunstturnen, wird das Ausbildungssystem für junge Turnende gezielt gestärkt.

Projektziele und Hintergrund

Der Kinder- und Jugendsport sieht sich stetig neuen Herausforderungen gegenüber: veränderten Freizeitgewohnheiten, neuen gesellschaftlichen Ansprüchen und der Notwendigkeit, alle Kinder unabhängig von Herkunft oder Leistungsniveau zu fördern. Der STV stellte   fest, dass immer mehr Kinder zwischen acht und elf Jahren den Turnsport verlassen. «Ein Grund dafür sind der Fokus auf Wettkämpfe und der damit verbundene Leistungsdruck», so Jérôme Hübscher, Abteilungsleiter Sportförderung. «Der Spass beim Sport gerät dadurch zum Teil in den Hintergrund. Dem will der STV mit dem Projekt ‹Getu-Kutu› entgegenwirken.» 

Studie SOPHYA

Die Langzeitstudie SOPHYA zeigt: Kinder, die sich früh viel bewegen, bleiben auch später eher aktiv. Aktive Eltern und ein bewegungsfreundliches Wohnumfeld fördern dies zusätzlich. Kinder, die wenig aktiv sind, finden hingegen seltener den Weg in Sportvereine oder steigen früher wieder aus. 

Immer mehr Kinder zwischen acht und elf Jahren kehren dem Turnsport den Rücken.

Geräteturnen oder Kunstturnen?

Getu und Kutu sollen nicht verschmolzen, sondern strategisch miteinander verbunden werden. Die zentrale Frage ist nämlich: «Ist eine Stütze wirklich etwas anderes, je nach Sportart?» Die Antwort lautet klar: «Nein.» Beide teilen dieselben Basisbewegungen (Rollen, Drehen, Schwingen, Stützen, Handstand usw.). Nur der spätere Fokus unterscheidet sich. «Deshalb ist das Ziel, eine gemeinsame methodische und technische Basis für Kinder und Jugendliche zu entwickeln. Egal, ob sie später im Getu oder im Kutu weitermachen», so Damien Bidlingmeyer, Projektleiter «Getu-Kutu». 

Das Ergebnis: Die Kinder starten gemeinsam, bauen die gleichen Grundlagen auf und wählen erst später ihren sportartspezifischen Weg. Dadurch wird ein Wechsel zwischen «Getu und Kutu einfacher, da sich beide Sportarten auf dieselben Grundkompetenzen stützen. «Gleichzeitig bleibt mehr Zeit, um herauszufinden, in welcher Sportart sich ein Kind am besten entfalten kann», erläutert Bidlingmeyer. Auch die Wettkampfformate werden künftig sportübergreifend harmonisiert. Getrennt wird erst nach der Spezialisierung – nicht bereits im frühen Kindesalter.

Welcher von beiden ist der Geräteturner und welcher der Kunstturner?

Geräteturnen und Kunstturnen

Beide Sportarten nutzen ähnliche Geräte, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte: Im Geräteturnen steht die saubere Ausführung im Vordergrund, im Kunstturnen wird zusätzlich die Schwierigkeit der Elemente stärker gewichtet. Kunstturnen folgt internationalen Wertungsrichtlinien, Geräteturnen einem vereinfachten, breitensportorientierten System. Beide Disziplinen fördern Kraft, Koordination und Körperbeherrschung – einfach mit unterschiedlichen Akzenten.

 

Auflösung: Auf dem linken Bild ist ein Geräteturner zu sehen, auf dem rechten ein Kunstturner.

Damien Bidlingmeyer, Projektleiter «Getu-Kutu»

Der STV hat nicht den Anspruch, das zu ersetzen, was schon funktioniert. Er möchte das, was wir gemeinsam als Turnverband schon gut können, optimieren.

Ziel ist es, eine gemeinsame methodische und technische Basis zu entwickeln.

Im Projekt «Getu-Kutu» wachsen Geräteturnen und Kunstturnen zusammen – durch ein gemeinsames Ausbildungssystem, eine einheitliche Basistechnik und harmonisierte Wettkampfformen. 
 

Die Basis des «Getu-Kutu»-Projekt bilden diese drei Grundprinzipien: 

1. Partizipation – Teilnahme ermöglichen
Dieses Prinzip stellt sicher, dass möglichst viele Kinder und Jugendliche teilhaben können.
Dazu gehören:
— Anwesenheit und Zugang zu Wettkämpfen
— genügend Zeit für Aktivitäten
— Rücksicht auf die körperliche und mentale Gesundheit

Ziel: mehr Teilhabe und weniger Hürden, damit kein Kind ausgeschlossen wird.


2. Persönlichkeit – Entwicklung fördern
Im Zentrum stehen eine innere Motivation, eine langfristige Entwicklung und der Erwerb von Fähigkeiten, die über den Sport hinaus wirken.
Dazu gehören:
— Selbstvertrauen und Sozialkompetenz stärken
— Eigenmotivation fördern

Ziel: nachhaltige Entwicklung statt kurzfristiger Erfolgsdruck.


3. Performance – Leistung gesund entwickeln
Leistung bleibt ein Ziel – aber angepasst an das individuelle Tempo der Kinder und Jugendlichen.
Dazu gehören:
— disziplinspezifische Fähigkeiten Schritt für Schritt aufbauen
— langfristig denken statt überfordern
— Fokus auf eine gesunde Leistungsentwicklung

Ziel: Leistung ja — aber nachhaltig, kindgerecht und individuell.

Der STV möchte mit den drei Ps die Teilhabe stärken, die Persönlichkeitsentwicklung fördern und gleichzeitig eine nachhaltige sportliche Leistungsfähigkeit sichern.

Projekt «Smart Competitons»

«Smart Competitons» ist ein Projekt von Swiss Olympic, entwickelt in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen und Jugend+Sport. Ziel ist es, Wettkämpfe im Kinder­ und Nachwuchssport weiterzuentwickeln. Im Fokus stehen die drei Prinzipien Participation, Personality und Performance (3 Ps), die eine hohe Teilnahme, die Persönlichkeitsentwicklung und eine langfristige sportliche Leistungsentwicklung fördern sollen.

Bewährtes bleibt – gezielte Optimierung setzt Akzente

Die bestehenden und erfolgreichen Strukturen im Kinder- und Jugendsport bleiben erhalten. Gleichzeitig möchte der STV den Weg von der Grob- zur Feinmotorik klarer strukturieren.So können Kinder ihre grundlegenden motorischen Fähigkeiten zunächst festigen und diese dann Schritt für Schritt erweitern – zum  Beispiel bis hin zum Streuli, bei dem sie sich aus der Rolle rückwärts in den Handstand stossen.

Auch das Bewertungssystem soll entsprechend weiterentwickelt und auf das Niveau sowie die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen abgestimmt werden. Im Zentrum steht, dass individuelle Förderung, Freude  am Sport und Motivation in den Vereinen langfristig gesichert bleiben. 

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