Projektziele und Hintergrund
Der Kinder- und Jugendsport sieht sich stetig neuen Herausforderungen gegenüber: veränderten Freizeitgewohnheiten, neuen gesellschaftlichen Ansprüchen und der Notwendigkeit, alle Kinder unabhängig von Herkunft oder Leistungsniveau zu fördern. Der STV stellte fest, dass immer mehr Kinder zwischen acht und elf Jahren den Turnsport verlassen. «Ein Grund dafür sind der Fokus auf Wettkämpfe und der damit verbundene Leistungsdruck», so Jérôme Hübscher, Abteilungsleiter Sportförderung. «Der Spass beim Sport gerät dadurch zum Teil in den Hintergrund. Dem will der STV mit dem Projekt ‹Getu-Kutu› entgegenwirken.»
Die Langzeitstudie SOPHYA zeigt: Kinder, die sich früh viel bewegen, bleiben auch später eher aktiv. Aktive Eltern und ein bewegungsfreundliches Wohnumfeld fördern dies zusätzlich. Kinder, die wenig aktiv sind, finden hingegen seltener den Weg in Sportvereine oder steigen früher wieder aus.
Geräteturnen oder Kunstturnen?
Getu und Kutu sollen nicht verschmolzen, sondern strategisch miteinander verbunden werden. Die zentrale Frage ist nämlich: «Ist eine Stütze wirklich etwas anderes, je nach Sportart?» Die Antwort lautet klar: «Nein.» Beide teilen dieselben Basisbewegungen (Rollen, Drehen, Schwingen, Stützen, Handstand usw.). Nur der spätere Fokus unterscheidet sich. «Deshalb ist das Ziel, eine gemeinsame methodische und technische Basis für Kinder und Jugendliche zu entwickeln. Egal, ob sie später im Getu oder im Kutu weitermachen», so Damien Bidlingmeyer, Projektleiter «Getu-Kutu».
Das Ergebnis: Die Kinder starten gemeinsam, bauen die gleichen Grundlagen auf und wählen erst später ihren sportartspezifischen Weg. Dadurch wird ein Wechsel zwischen «Getu und Kutu einfacher, da sich beide Sportarten auf dieselben Grundkompetenzen stützen. «Gleichzeitig bleibt mehr Zeit, um herauszufinden, in welcher Sportart sich ein Kind am besten entfalten kann», erläutert Bidlingmeyer. Auch die Wettkampfformate werden künftig sportübergreifend harmonisiert. Getrennt wird erst nach der Spezialisierung – nicht bereits im frühen Kindesalter.
Beide Sportarten nutzen ähnliche Geräte, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte: Im Geräteturnen steht die saubere Ausführung im Vordergrund, im Kunstturnen wird zusätzlich die Schwierigkeit der Elemente stärker gewichtet. Kunstturnen folgt internationalen Wertungsrichtlinien, Geräteturnen einem vereinfachten, breitensportorientierten System. Beide Disziplinen fördern Kraft, Koordination und Körperbeherrschung – einfach mit unterschiedlichen Akzenten.
Auflösung: Auf dem linken Bild ist ein Geräteturner zu sehen, auf dem rechten ein Kunstturner.
Der STV hat nicht den Anspruch, das zu ersetzen, was schon funktioniert. Er möchte das, was wir gemeinsam als Turnverband schon gut können, optimieren.






