Die 21-jährige Luzernerin lieferte einen nahezu perfekten Wettkampf ab, wenn man in Betracht zieht, dass sie – nach eigenen Aussagen – im Moment ihre Olympia-Hochform von Peking nicht aufweist. Beim Sprung, ihrem letzten Gerät, bewies sie Mut und Nervenstärke. Sie wusste, dass sie mit dem Tschussowitina, einem gestreckten Überschlagsalto mit Eineinhalbschraube, eine Medaillen gewinnen würde, vorausgesetzt, sie würde diesen schwierigsten Sprung der ganzen Veranstaltung stehen. Das Risiko lohnte sich: Mit ihrem wahrscheinlich besten Sprung der Karriere erzielte sie mit 15,30 die höchste Note aller 96 Übungen des Mehrkampffinals und überholte damit eine Spanierin, die nach drei Disziplinen noch vor ihr lag.
Zuvor hatte Ariella Kaeslin vor allem auf dem Balken brilliert – wie schon der Qualifikation die schwierigste Übung aller Finalistinnen –, und am Boden konnte sie kleinen Standunsicherheiten auf ein Minimum beschränken.
Im Schatten von Ariella Kaeslin turnte – aus Schweizer Sicht – die 16-jährige Bernerin Yasmin Zimmermann. Sie hielt sich in ihrem ersten grossen Auftritt hervorragend und wurde 13. „Ich hatte mir als Ziel den 15. Rang gesetzt, diesen habe ich übertroffen. Ich bin total glücklich.“
Erwin Hänngi / rr



