Wie Frauen den Turnsport in der Schweiz geprägt haben
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Wie Frauen den Turnsport in der Schweiz geprägt haben

Alexandra Herzog

Heute ist es selbstverständlich: Frauen trainieren, coachen, richten, führen Vereine und prägen den Turnsport auf allen Ebenen. Doch der Weg bis hierhin war lang – und wurde von engagierten Turnerinnen über Generationen hinweg erkämpft. Am 8. März, dem Internationalen Frauentag, erinnern wir uns zurück.

Vor 30 Jahren, 1996, traten am Eidgenössischen Turnfest in Bern zum ersten Mal Frauen und Männer gleichzeitig und gemeinsam an. Dieses Turnfest markierte einen gesellschaftlichen und sportlichen Durchbruch. Frauen waren damit nicht länger Teil eines separaten Systems – sondern vollwertiger Bestandteil des Turnfests.

Doch diesem Ereignis war ein langer, steiniger Weg voraus gegangen. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war Frauenturnen in der Schweiz alles andere als gern gesehen. Moralische Bedenken, politische Widerstände und männliche Vorurteile legten Frauen regelrecht Steine in den Weg.  Und trotzdem: Sie turnten. Sie gründeten. Sie organisierten. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in grossen Städten. 1908 folgte die Schweizerische Damenturngesellschaft, später der Schweizerische Frauenturnverband. Ein Wermutstropfen: Bis 1946 wurde dieser Verband von Männern geführt – ein Bremsklotz für die Weiterentwicklung, die Frauen längst selbst in die Hände nehmen wollten.

Internationaler Frauentag

Der Internationale Frauentag findet jährlich am 8. März statt und steht für Gleichstellung der Geschlechter sowie die Anerkennung der Leistungen von Frauen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Er entstand Anfang des 20. Jahrhunderts aus der Arbeiterinnenbewegung in Europa und den USA, als Frauen für bessere Arbeitsbedingungen, soziale Gerechtigkeit und das Wahlrecht kämpften.

Mehr Sichtbarkeit für eine wachsende Bewegung

Trotz aller Hindernisse entwickelte sich das Frauenturnen beharrlich weiter. 1932, im Jubiläumsjahr des ETV, fanden – bewusst getrennt vom Männerturnfest – die ersten Schweizerischen Frauenturntage in Aarau statt. Diese Anlässe wurden schnell zu wichtigen Treffpunkten für Turnerinnen aus dem ganzen Land. Sie boten nicht nur sportliche Plattformen, sondern auch Sichtbarkeit, Austausch und ein starkes Gemeinschaftsgefühl.

Erster Frauenturntag 1932 in Aarau

Erst ab Ende der 1960er-Jahre wurde das Frauenturnen in der Schweiz breiter akzeptiert. Ab 1972 erhielten Turnerinnen an den Frauenturntagen erstmals offizielle Bewertungen und Ranglisten – ein bedeutender Schritt Richtung sportlicher Anerkennung. Nochmal 13 Jahre später kam es zum Zusammenschluss des Schweizerischen Frauenturnverbandes und des Eidgenössischen Turnvereins zum heutigen Schweizerischen Turnverband (STV).

Bis heute prägend

Die Pionierinnen von damals haben den Boden bereitet für das, was heute selbstverständlich erscheint. Frauen gestalten Trainings, führen Vereine, entscheiden in Gremien, stehen an Wettkampfplätzen in vorderster Reihe und prägen den Sport im Breiten- wie im Spitzensport.

Der Internationale Frauentag erinnert uns daran: Diese Selbstverständlichkeit ist keine zufällige Entwicklung. Sie ist das Vermächtnis von Frauen, die Ausdauer bewiesen, Überzeugungen lebten und sich ihren Platz im Turnsport erkämpften – Schritt für Schritt, Generation für Generation.

Und genau dieses Engagement verdient es, sichtbar und gefeiert zu werden. Heute und mindestens an jedem 8. März.

Eidgenössisches Turnfest 1996 in Bern

Heute ist es selbstverständlich, dass Frauen zusammen mit Männern Wettkämpfe bestreiten.

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