Sicher turnen – gemeinsam Verantwortung übernehmen
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Sicher turnen – gemeinsam Verantwortung übernehmen

Simon Keller
Fotos: STV

Das Verstellen der Schaukelringe während einer Vorführung – das sogenannte «chettelen» – begleitet das Vereinsgeräteturnen seit vielen Jahren. Es ist ein sensibles Thema, das Vereine, Veranstaltende und Wertungsrichtende betrifft. Wir alle verfolgen dasselbe Ziel: sichere, faire und attraktive Vorführungen. Umso wichtiger ist ein bewusster, verantwortungsvoller Umgang mit diesem Bereich.

Warum das «chettelen» so wichtig ist

Das Verstellen der Ringe während einer laufenden Vorführung birgt Risiken: Wird ein Kettenglied zu früh gelöst oder nicht korrekt gesichert, kann dies zu gefährlichen Situationen führen – bis hin zu schweren Rückenverletzungen. Deshalb gilt die zentrale Regel der Fachgruppe Vereinsgeräteturnen VGT:

Die Sicherung darf erst geöffnet und die Ringe dürfen erst dann verstellt werden, wenn die turnende Person sicher gelandet ist und die Übung abgeschlossen hat.

«Zusätzlich wurde aus Versicherungssicht festgelegt, dass die verstellende Person mindestens 18 Jahre alt sein muss. Diese Vorgaben dienen einzig dem Schutz der Turnenden – und damit dem Kern unseres sportlichen Handelns», sagt Sandra Gianfreda, STV-Fachgruppenleiterin Vereinsgeräteturnen VGT.

Erfahrungen aus der Praxis

In den vergangenen Jahren führten Verstösse gegen diese Regeln immer wieder zu Diskussionen: Abzüge wurden als hart empfunden, Wertungsrichtende fühlten sich unter Beobachtung gesetzt, und teilweise entstand eine spürbare Verunsicherung. An Wettkämpfen wurde gefilmt, fotografiert und hinterfragt, ob das Regelwerk konsequent angewendet wird.

Sandra Gianfreda, STV-Fachgruppenleiterin VGT

Die Fachgruppe VGT ist überzeugt, dass ein Verbot erst die allerletzte Konsequenz wäre.

Warum man am bewussten Umgang festhält

Immer wieder stand zur Diskussion, ob Abzüge sinnvoll seien, ob ein Haftgeld eine Alternative darstellen könnte oder ob das «chettelen» aufgrund von Grössenunterschieden unvermeidbar sei. Auch die Möglichkeit eines generellen Verbots wurde in manchen Momenten in Betracht gezogen.

Sandra Gianfreda sagt: «Die Fachgruppe VGT ist überzeugt, dass ein Verbot erst die allerletzte Konsequenz wäre.» Sicherheit entsteht nicht durch strikte Repression, sondern durch Zusammenarbeit, Bewusstsein und gute Vorbereitung.

Neuer Ansatz: Verantwortung zurück zu den Vereinen

Damit der Fokus weg von Sanktionen und hin zu Eigenverantwortung geht, wurde das Thema «chettelen» aus den Weisungen bezüglich Wertung entfernt. Sandra Gianfreda erklärt: «Die Verantwortung liegt neu vollständig bei den Vereinen. Wertungsrichtende und Veranstaltende beurteilen das «chettelen» nicht mehr.» Dies eröffne auch Chancen, sagt Gianfreda weiter: «Das Vertrauen in die Vereine wird gestärkt, es gibt weniger Konflikte um Abzüge und es bietet Raum für Vorführungen, die Sicherheit und Attraktivität vereinen.» Sandra Gianfreda ist überzeugt, dass gut geplante Programme korrektes «chettelen» problemlos integrieren können – ohne Einbussen bei Ausdruck und Dynamik.

Nicht nur ein guter Anfangsschwung ist wichtig im Schaukelringturnen.
Auch die Höhe der Ringe ist entscheidend.
Die Höhe wird mit dem Seil und der Kette oder mit Matten reguliert.
Der sichere Umgang beim "chettele" hat Priorität.
Wer die Höhe verstellt und die Kette sichert, trägt grosse Verantwortung.

Gemeinsam weiterdenken

Sandra Gianfreda meint abschliessend: «Wir möchten Vereine ausdrücklich ermuntern, das Thema im engen Dialog mit ihren Turnerinnen und Turnern zu behandeln. Denn Sicherheit ist kein technisches Detail – sie ist ein gemeinsames Verständnis und eine gemeinsame Haltung.»

Nur im Austausch entstehen Lösungen, die von allen getragen werden und wirklich wirken.

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