Wenn ein Rhönrad ins Rollen kommt, verstummt die Halle: Eine Rhönradkür beeindruckt durch die Kombination aus Körperkraft und anmutiger Leichtigkeit. Doch was macht diese Sportart so faszinierend? In der Schweiz hat sich das Rhönradturnen in den letzten Jahrzehnten zu einer festen Grösse im Turnsport entwickelt. Und auch das Interesse ist gewachsen. Viele Vereine haben eine Wartefrist von ein bis zwei Jahren.
An Einzelwettkämpfen haben wir mittlerweile fast 200 Startende pro Wochenende. Das ist für eine kleine Sportart, wie wir es sind, sehr viel.
So würden auch einige Wettkampfausrichtende an ihre Kapazitätsgrenzen stossen. Deshalb würde im Moment ein Umdenken stattfinden, wie man gerade im Nachwuchsbereich mehr Wettkämpfe anbieten könnte, damit die Masse etwas besser verteilt wird. «Das Geheimnis liegt im perfekten Gleichgewicht zwischen Mensch und Stahl. Das Rhönrad wird nicht durch Motoren bewegt, sondern nur durch die Kraft, das Gewicht und die Körperspannung der Athletinnen und Athleten. Diese unmittelbare Verbindung macht jede Bewegung so besonders», so die Rhönrad-Ressortleiterin
des STV, Jacqueline Tschann. Mit jeder Gewichtsverlagerung, jedem Zug und jeder Drehung wird das Rad gelenkt, gebremst oder beschleunigt.
Die Sportart
Im Mittelpunkt steht die intensive Beziehung zwischen Turner*in und Gerät. Für das Publikum sieht es oft spielerisch und mühelos aus. Aber in Wahrheit fördert Rhönradturnen eine Vielzahl körperlicher und geistiger Fähigkeiten: Gleichgewicht, Kraft, Beweglichkeit, Mut und Konzentration.
Die drei Disziplinen – Vielfalt auf Rädern
Das Rhönradtraining ist abwechslungsreich und fordernd. Es beginnt oft mit einfachen Basisübungen: dem sicheren Ein- und Aussteigen, den ersten Rollbewegungen, dem Halten der Balance. Schritt für Schritt arbeiten sich Anfängerinnen und Anfänger zu komplexeren Elementen vor – unterstützt von erfahrenen Trainerinnen und Trainern, die Sicherheit und Technik in den Vordergrund stellen. Die STV-Ressortleiterin hat seit ihrer Kindheit selbst Rhönrad geturnt und weiss, wie herausfordernd eine komplette Kür ist: «Es ist körperlich anspruchsvoll und erfordert viel Kraftausdauer sowie eine konstante Körperspannung über die gesamte Übung hinweg. Gleichzeitig bleibt auch die mentale Seite eine grosse Herausforderung. Eine Wettkampfsituation verlangt Fokus und Ruhe.»
Am ETF 2019 hat die Moderatorin des ETF TV, Dara Masi, das auch gleich beim TV Untersiggenthal ausprobiert:
Kurz gesagt: «Die Vorbereitung wird mit jedem Schritt intensiver. Von der Detailarbeit bis zur vollständigen Kür wächst der Anspruch kontinuierlich – körperlich, technisch und mental. Ich denke, hier unterscheiden wir uns nicht gross vom Geräte- und Kunstturnen», so die STV-Ressortleiterin Rhönrad, Jacqueline Tschann. Das Rhönradturnen ist reich an Variationen und fordert die Turnenden in unterschiedlichen Disziplinen:
- Geradeturnen:
Das Rad rollt auf beiden Reifen aufrecht über die Bodenfläche. Akrobatische Elemente wie Handstände, Stützsprünge oder Drehungen werden zu einer harmonischen Kür verbunden. Hier zählen Technik, Ausführung und Schwierigkeit.
- Spiraleturnen:
Das Rad wird gekippt und bewegt sich spiralförmig scheinbar schwerelos nur noch auf einer Reifenseite. Balancegefühl und Feinkoordination sind hier entscheidend. Der Wechsel zwischen grosser und kleiner Spirale, das gezielte kurze Stoppen, Kippen und Weiterrollen machen den Wettkampf besonders anspruchsvoll.
- Sprung:
In der Sprungdisziplin bringen die Turnenden das Rad in Schwung, rennen hinterher und springen dann, meistens in
einer Bückstützhaltung, auf das Rad. Sobald die Turnenden oben auf dem Rad stehen, springen sie anschliessend herunter auf eine dicke Matte.





