Aus der Turnhalle an die Olympischen Winterspiele
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Aus der Turnhalle an die Olympischen Winterspiele

Simon Keller
Fotos: zvg/Swiss Olympic

Olympische Winterspiele – Der Wettkampf, wovon alle Sportler*innen träumen und nur wenige dabei sein können. Anfang Februar ist es wieder soweit und die Besten der Besten kämpfen um das begehrte Edelmetall. An den olympischen Winterspielen vom 6. bis zum 22. Februar in Milano und Cortina d’Ampezzo sind die olympischen STV-Disziplinen Kunstturnen, Rhythmische Gymnastik und Trampolin zwar nicht direkt vertreten. Aber so mancher olympische Traum begann irgendwo in einer Turnhalle in der Schweiz.

Der Verband Swiss Olympic hat insgesamt 175 Athletinnen und Athleten selektioniert. So viele wie noch nie. Davon sind 91 Männer und 84 Frauen. Darunter hat es auch einige, die ihre Sportkarriere in der Turnhalle gestartet haben und zum Teil immer noch aktiv in einem Turnverein eingetragen sind.

Via Kunst- und Geräteturnen in die Halfpipe

Einer von ihnen ist Jonas Hasler. Der 20-Jährige wird an den Spielen auf dem Snowboard in den Disziplinen Slopestyle, Big Air und Halfpipe antreten. Die Grundlagen dafür holte er sich unter anderem auch in der Halle «Turnfabrik Frauenfeld», wo er immer noch als aktiver Turner registriert ist.

Vereinspräsident Roger Zuber erzählt: «Zum Turnen ist er glaube ich mit ungefähr sieben Jahren gekommen. Er hat bei uns bis ins P2 Kunstturnen wettkampfmässig geturnt. Danach ist er ins Geräteturnen umgestiegen und hat dort auch Wettkämpfe bestritten. In den letzten Jahren kam Jonas im Sommer zu uns in die Turnfabrik ins Training. Da er aber nun Profisnowboarder ist, ist das nur noch selten möglich.»

Patrik Hasler, Vater von Jonas Hasler

Turnen ist eine der besten Grundlagen für viele andere Sportarten.

Er habe bei ihnen viele Dinge am Trampolin gelernt. «Wobei er natürlich schon früher ein ausserordentliches Talent für Bewegungen in der Luft hatte. Als Grundlage war das Turntraining auch eine sehr gute Basis für seine körperliche Entwicklung», so Zuber weiter.

Auch sein Vater Patrik Hasler, selbst einst auf dem Snowboard an Olympia 1998 in Nagano dabei, sagte 2014 in einem Interview mit dem Zofinger Tagblatt: «Turnen ist eine der besten Grundlagen für viele andere Sportarten.»

33 Athlet*innen in 10 Disziplinen

Neben dem Snowboarden sind die Turnerinnen und Turner in 9 weiteren Diszplinen unterwegs. Dazu gehören Bob, Ski Freestyle, Biathlon, Curling, Eiskunstlauf, Eishockey, Langlauf, Ski Alpin und Skispringen.

Im Bob am Start ist unter anderem Andreas Haas. Der Menznauer hat dank seiner Schnelligkeit auf sich aufmerksam gemacht und darf nun nach Peking 2022 schon zum zweiten Mal an Olympischen Spielen teilnehmen. Als Anschieber bei Pilot Michael Vogt tritt er im Viererbob an.

Roland Christen, Chef Sport beim STV Willisau, dem Stammverein von Haas, sagt, dass er vor allem im Sprint punktete: «Fabienne Meyer, die ebenfalls im STV Willisau gross geworden ist und später im Bob als Pilotin unterwegs war, wurde auf Andreas aufmerksam und nahm ihn dann unter ihre Fittiche.» Sie trainierte ihn und ebnete ihm sozusagen den Weg in den Eiskanal, ergänzt Christen.

Für Körpergefühl und Beweglichkeit

Für die Skirennfahrerin Janine Schmitt war es entscheidend, dass sie vor allem vielseitig trainiert hat, bevor sie Spitzensportlerin wurde: «Ich glaube das Polysportive, was wir gemacht haben mit Turnen, Ballett, Gymnastik und Ski fahren, half für die Koordination, die Spannung, die Beweglichkeit und allgemein für ein gutes Körpergefühl.» Alles, was sie heute auf der Skipiste bei den Rennen eben auch brauche. Dazu kommt: «Wir konnten vor allem mit Spass trainieren, ohne mit dem Gedanken, einmal Spitzensportlerin zu werden», sagt sie.

Der ehemalige Trainer von Skiakrobat Pirmin Werner, Erich Wanner, erinnert sich: «Er war schon als Kunstturner koordinativ sehr stark. Das machte sich bei den Reck-Ausgängen bemerkbar. Er war schon da ein Flieger.»

Pirmin mit seinem ehemaligen Trainer Erich Wanner.

Diese Beobachtung teilt sein ehemaliger Teamkollege Fabio Strauss: «Er verfügt über ein ausgeprägtes Körpergefühl im Raum, das sich insbesondere in der Bodenakrobatik, bei Abgängen sowie in der Vorbereitung auf dem Trampolin widerspiegelte.» Er sei stets ein Freigeist gewesen, der sich immer dafür interessierte, neue Elemente auszuprobieren und zu lernen. «Für das Krafttraining hatte er allerdings weniger übrig», ergänzt Fabio Strauss mit einem Schmunzeln. «Deshalb entwickelte er vermutlich seine athletischen Fähigkeiten nicht im gleichen Mass wie seine akrobatischen».

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