Kunstturnen für alle – auch für Menschen mit Beeinträchtigung
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Kunstturnen für alle – auch für Menschen mit Beeinträchtigung

Simon Keller
Fotos zvg/Special Olympics Switzerland

An den National Games 2026 wagt Special Olympics einen Schritt in eine inklusive Zukunft: Menschen mit Beeinträchtigungen sollen langfristig den Zugang zu einer Sportart erhalten, die bisher kaum für sie geöffnet war: Kunstturnen. Co-Geschäftsführerin Cristiana Fiacco erklärt, wie aus einer ersten Idee eine schweizweite Bewegung entstehen könnte.

Wenn im Mai 2026 die National Games in Zug stattfinden, wird auch eine Premiere gefeiert: Erstmals zeigen Athlet*innen mit Beeinträchtigung in einer zweitägigen Demonstration ihr Können im Kunstturnen – und setzen damit ein Startzeichen für eine neue inklusive Sportbewegung. «Wir möchten den Athlet:innen die Chance geben, an den National Games teilzunehmen, und den Wettkampf gleichzeitig als Kick-off nutzen, um andere Organisationen und Vereine zu motivieren, ihre Angebote zu öffnen», sagt Cristiana Fiacco, Co-Geschäftsführerin von Special Olympics Switzerland.

Kein Zufall

Dass gerade Kunstturnen als Demonstrationssportart gewählt wurde, ist kein Zufall. International ist «Artistic Gymnastics» längst Teil von Special Olympics. «Auch im Tessin gibt es bereits eine Gruppe, die seit Jahren an internationalen Wettkämpfen teilnimmt», so Fiacco. Und der Blick geht noch weiter: 2027 soll Kunstturnen auch an den World Games in Chile vertreten sein – erstmals möchte die Schweiz dort eine Turnerin und einen Turner stellen. Die Teilnahme an Zug 2026 zählt bereits zu den Selektionskriterien.

National Games

Ein Sportfest, das Menschen zusammenbringt, Begeisterung schafft und Raum bietet, dass es zu Begegnungen zwischen den Sportler*innen, den Volunteers und der Zuger Bevölkerung kommen wird. Der Fokus liegt auf Freude, Begegnung und dem Sichtbarmachen sportlicher Leistungen von Athlet*innen mit Beeinträchtigung. Die National Summer Games von Special Olympics Switzerland sind der grösste Sportevent der Schweiz für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung. Rund 1600 Athlet:innen treten in insgesamt 16 Sportarten an.

Wann:
28. – 31. Mai 2026

Wo:
Diverse Sportstätten im Kanton Zug, u. a. Wiesentalhalle Baar, Sporthalle Zug, Zugersee und weitere Austragungsorte mit optimalen Bedingungen je Sportart.

Sportarten:
Basketball, Boccia, Bowling, Fussball, Golf, Handball, Judo, Leichtathletik, Petanque, Rad, Reiten, Schwimmen, Segeln, Tennis, Tischtennis – und als Demonstration: Kunstturnen.

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Diskrepanz zwischen Geräte- und Kunstturnen

National jedoch zeigt sich ein anderes Bild: Während in der Schweiz das Geräteturnen dominiert, orientiert sich das internationale Reglement klar am Kunstturnen. Diese Diskrepanz stellt Special Olympics Switzerland vor Herausforderungen. «Nach einem ersten Austausch mit dem STV wurde klar, dass das Geräteturnen besser in die Schweizer Strukturen passen würde. Nun müssen wir herausfinden, wie wir zukünftig das internationale Reglement für die Schweiz adaptieren können», erklärt Fiacco. Entscheidend sei jedoch zunächst, eine Bewegung auszulösen: «Wir müssen merken, dass es Turner*innen gibt, die langfristig interessiert sind, an Wettkämpfen teilzunehmen. Unsere Vision ist, dass es regelmässig Wettkämpfe gibt, an denen Menschen mit Beeinträchtigung starten können.»

Im Ausland erfolgreich

Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt: In Grossbritannien und den USA existieren schon starke Special-Olympics-Bewegungen im Kunstturnen. Auch in Europa pflegt die Schweiz bereits einen engen Austausch – etwa mit Italien, Deutschland oder Norwegen. Für Fiacco ist aber besonders wichtig, dass die Entwicklung künftig eng mit den Regelsportstrukturen verzahnt wird: «Wir möchten nicht losgelöst davon etwas aufbauen. Ohne den STV geht ein langfristiger Aufbau nicht. Turner*innen sind Turner*innen – und sollen Teil des STV sein.»

Die Demonstration in Zug wird nach einem klar strukturierten Wettkampfformat durchgeführt. Turnerinnen starten in Sprung, Stufenbarren, Balken und Boden, Turner in Boden, Pauschenpferd und Sprung – bewusst reduziert, um den materiellen Aufwand zu minimieren. Nach einer Vorrunde folgt das sogenannte Divisioning, bei dem möglichst homogene Leistungsgruppen gebildet werden. «Das gibt allen eine faire Chance auf Erfolg», betont Fiacco.

Cristiana Fiacco, Co-Geschäftsführerin von Special Olympics Switzerland

Das gibt allen eine faire Chance auf Erfolg.

Für Cristiana Fiacco ist klar: Die National Games sind kein einzelner Event, sondern ein Ausgangspunkt. Special Olympics selbst will keine getrennte Wettkampfserie aufbauen. Stattdessen soll das Turnen innerhalb der bestehenden Verbandsstrukturen wachsen. «Die Coaches kommen aus dem J+S- oder Verbandsbereich. Wir bieten keine Trainings an – wir möchten eine Bewegung lancieren.»

Zug 2026 bringt damit nicht nur Athlet*innen aus der ganzen Schweiz zusammen, sondern öffnet Türen in einen neuen Bereich des Turnsports. Ein Bereich, der bislang kaum zugänglich war – und nun das Potenzial hat, eine inklusive Erfolgsgeschichte zu werden.

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