Giulia Steingruber war 2011 die letzte Schweizer Turnerin, nach der ein Turnelement offiziell benannt wurde. Steingruber zeigte an den Weltmeisterschaften in Tokio am Schwebebalken als Abgang einen Auerbach-Salto gestreckt mit ganzer Drehung. Nun wird Christian Baumann es ihr wahrscheinlich gleich tun und sich ebenfalls in den Turn-Geschichtsbüchern verewigen. In der Qualifikation des Weltcups in Doha turnte der 22-jährige Aargauer ein neues Barren-Element, welches noch nie zuvor an einem internationalen Wettkampf präsentiert wurde: eine Riesenfelge mit einer 3/4-Drehung auf einen Barrenholmen, gefolgt von einer 3/4-Drehung in den Stütz. Ein sehr anspruchsvolles Element, welches wahrscheinlich als sogenanntes «F-Element» eingestuft werden wird, was einem Schwierigkeitswert von 0,6 Punkten entspricht.
Im zweiten Anlauf hat es geklappt
Die Anspannung war sichtbar gross bei Baumann, als er sich am Barren bei den Kampfrichtern anmeldete. Und prompt misslang die Premiere des Elements gleich zu Beginn der Übung. Der Turner des TV Lenzburg liess sich jedoch nicht beirren und nahm einen zweiten Anlauf – dieses Mal mit Erfolg. Er turnte die schwierige Bewegungsabfolge flüssig durch. Wegen eines zweiten Fehlers in der Barrenübung verpasste Baumann die Qualifikation für den Finaldurchgang zwar, aber für einmal wird er sich deswegen nicht allzu sehr ärgern. Die Freude über die gelungene Premiere überwiegt.
Angepasstes Reglement
Die FIG hatte Ende des vergangenen olympischen Zyklus das Reglement für neue Elemente angepasst. Während sich die Turnerinnen und Turner früher nur an Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen den Namen eines Elements sichern konnten, ist dies neu auch an Weltcups oder Europameisterschaften möglich. Von dieser Änderung könnte nun Baumann profitieren. Ganz sicher kann sich der Aargauer aber noch nicht sein. Die definitive Entscheidung, ob das neue Element in Zukunft „Baumann“ genannt wird, wird das Technische Komitee im Kunsturnen Männer der FIG fällen. Da das Komitee in der Regel mehrere Elemente zusammen beurteilt, können durchaus noch einige Wochen bis sogar Monate vergehen, bis Christian Baumann Gewissheit haben wird.
Text: Thomas Greutmann
Video: <link https: youtu.be _blank>Der «Baumann»
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Kunstturnen: Christian Baumann präsentiert neues Element als Weltpremiere
Der Kunstturner Christian Baumann turnte am Weltcup in Doha ein neues Element, welches vor ihm auf internationalem Parkett noch kein anderer Turner gezeigt hatte. Die Chancen stehen gut, dass das Element von der International Gymnastics Federation (FIG) den Namen „Baumann“ erhalten wird.