Eine Achterbahnfahrt geht zu Ende
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Eine Achterbahnfahrt geht zu Ende

Anina Wildi tritt zurück
Simon Keller
Bilder: STV

Rund zehn Jahre lang gehörte Anina Wildi dem Schweizer Nationalkader im Kunstturnen an. Nun beendet die Athletin aus dem TV Lenzburg ihre Spitzensport-Karriere. Sie blickt auf eine intensive Zeit voller Emotionen, Entscheidungen und Entwicklungen zurück – und richtet den Blick mit Zuversicht auf das, was kommt.

Mit drei Jahren stand Anina Wildi zum ersten Mal in der Turnhalle. Während ihre Brüder in der Nachbarhalle Handball betrieben, entdeckte sie ihre Faszination für das Kunstturnen – und wusste früh, wo sie hinwollte. «Ich habe meiner Mutter die Hand weggezogen und gesagt: Ich will das dort unten auch machen», erinnert sie sich. Der Weg führte sie vom TV Lenzburg über das Regionale Leistungszentrum Aargau nach Magglingen – und 2018 schliesslich ins Schweizer Nationalkader.

Fast ein Jahrzehnt Spitzensport folgte. Jahre, die sie rückblickend mit einem einzigen Bild beschreibt: «Es war wirklich eine Achterbahnfahrt gewesen.»

Trainerwechsel, Verletzungen, intensive Trainingsphasen, internationale Wettkämpfe – und immer wieder Gefühlsextreme. «Ich habe alle Emotionen spüren dürfen», sagt Wildi. «Dafür bin ich sehr dankbar. Es hat mich nicht nur sportlich, sondern auch fürs Leben geprägt.»

Getragen wurde sie in dieser Zeit von einem engen Umfeld. Vom Trainerteam über Wegbegleiterinnen im Kader bis hin zu langjährigen Bezugspersonen wie Renato Gojkovic, Fabien und Natasha Martin, Wendy Bruce-Martin, Frank Kistler und Mireia Pont. Ebenso wichtig war für Wildi die schulische Unterstützung durch René Mettler und Susanna Lautenschlager von ProLern, die es ihr ermöglichten, Sport und Ausbildung miteinander zu verbinden.

Sportlich erlebte Wildi viele Höhepunkte – besonders in ihren letzten Jahren. Die Teilnahme an den World University Games 2025 beschreibt sie als etwas ganz Besonderes:

«Das war ein ganz neuer Wettkampf, ein anderes Umfeld. Dass wir dort als Team so zusammengewachsen sind und ich das in meiner letzten Saison noch erleben durfte, war für mich eine extreme Genugtuung.»

Aninas Karriere in Zahlen
  • Im Nationalkader: seit 2018
  • Drei Teilnahmen an Elite-Weltmeisterschaften
  • Sechs Teilnahmen an Elite-Europameisterschaften
  • University Games
    • 5. Rang Team
    • Mehrkampffinal
  • Silber (2013) und Bronze (2025) am ETF in Biel und Lausanne
  • Schweizer Meisterschaften Elite: 
    • 2022: 5. Rang Mehrkampf, 2. Rang Sprung
    • 2018: 3. Rang Mehrkampf
  • Schweizer Meisterschaften Mannschaften NLA: 
    • Mehrfache Goldgewinnerin (u.a. 20212024)

Der Entscheid, den Spitzensport zu beenden, reifte über längere Zeit. Ein Abwägen von Zielen, Energie und Zukunftsplänen.

«Ich habe gemerkt, dass Körper und Kopf nicht mehr zusammenarbeiten. Und wenn ich nicht 150 Prozent geben kann, dann ist das weder fair dem Team gegenüber noch mir selbst gegenüber.»

Trotz aller Entbehrungen bereut sie ihren Weg nicht:

Anina Wildi

Wenn man etwas so liebt, verzichtet man gerne.

Für David Huser, Abteilungsleiter Olympische Mission des STV, ist klar: «Wir verlieren mit Anina in erster Linie einen guten Menschen. Sie war zuverlässig, stand immer zur Verfügung, wenn wir sie brauchten, und stellte sich immer in den Dienst des Teams.»

Nun beginnt ein neues Kapitel. Parallel zu ihrer sportlichen Karriere studierte Anina Wildi Sozialwissenschaften – ein Studiengang, den sie bewusst wählte, weil er sich mit dem Spitzensport vereinbaren liess und ihr thematisch entsprach. Der Fokus lag dabei auf gesellschaftlichen und kommunikativen Fragestellungen. Gleichzeitig wuchs über die Jahre der Wunsch, einem lang gehegten Traum nachzugehen: der Medizin. Aktuell bereitet sich Wildi deshalb intensiv auf die medizinische Aufnahmeprüfung Numerus clausus vor. Ob ihr Weg tatsächlich ins Medizinstudium führen wird, ist offen – und genau darin liegt für sie die Ruhe:

«Es gibt mehrere Türen, die jetzt offen sind. Wenn es klappt, wäre das extrem cool. Und wenn nicht, weiss ich, dass es noch viele andere Wege gibt, die mich genauso erfüllen können.»

Dem Turnsport möchte sie dennoch verbunden bleiben. Vorerst bewusst mit Abstand, um auch noch andere Sportarten kennenzulernen. Später möglicherweise wieder näher – etwa als Trainerin oder Mentorin. «Meine Erfahrungen weiterzugeben, gerade an jüngere Turnerinnen, das kann ich mir sehr gut vorstellen.»

Zum Abschluss richtet Anina Wildi ihren Dank an all jene, die sie über Jahre begleitet haben: an ihren Verein TV Lenzburg, an Trainerinnen und Trainer, an schulische und private Unterstützer – und an den Verband, der sie auf ihrem Weg im Nationalkader getragen hat.

Der STV bedankt sich bei Anina Wildi für ihre Leistungen, ihr unermüdliches Engagement und wünscht ihr alles Gute für ihre Zukunft.

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