Not macht Turnvereine erfinderisch
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Not macht Turnvereine erfinderisch

Ben Schumacher
Fotos: zvg

In diesem Jahr reichten die Startplätze an Turnfesten leider nicht für alle Vereine. Da ein Turnfest für die meisten Turner*innen der Saisonhöhepunkt ist, nahmen einige Vereine die Sache selbst in die Hand und organisierten kurzerhand ihr eigenes Turnfest. Manche gingen sogar noch weiter und richteten für ihre ganze Region ein Turnfest aus – und boten so trotzdem vielen Turnenden ihren Saisonhöhepunkt. Im Folgenden stellen wir einige dieser selbst organisierten Turnfeste genauer vor.

Für viele Turnende haben Turnfeste eine besondere Bedeutung und einen hohen Stellenwert. Sich mit anderen Turnenden und Vereinen zu messen, sich auszutauschen oder abends gemeinsam zu feiern – all das macht ein Turnfest so einzigartig. Eine Saison ohne Saisonhöhepunkt ist somit für viele Vereine unvorstellbar, wurde jedoch bei einigen kurzzeitig zur Realität. Das führte dazu, dass sich manche Vereine zum Handeln gezwungen sahen und in kürzester Zeit mit wenig Ressourcen ein eigenes Turnfest auf die Beine stellten. Dafür brauchte es viele engagierte Turner*innen sowie freiwillige Helfer*innen, die mit anpackten, sodass an unzähligen Orten trotzdem ein Turnfest stattfinden konnte. Gewisse Vereine hatten nur die Kapazität ein vereinsinternes Turnfest zu organisieren, andere hingegen verspürten so viel Unmut in der Region, dass sie viele umliegende Vereine in ihr Vorhaben integrierten und so auch den Zusammenhalt in der Region stärkten. 

Trotzdem Cup

Hinter dem «Trotzdem Cup» stand der Turnverein Egg, der sich wegen den Kapazitätsengpässen dazu entschied, ein eigenes Turnfest zu organisieren. Für den Turnverein Egg war es besonders wichtig, dass ihre jungen Mitglieder ebenfalls Turnfest-Erfahrungen sammeln dürfen. Das motivierte Organisationskomitee begann mit ihrer Planung schon im November 2025 und bis zum Ende des Jahres wurden bereits die ersten Anmeldeformulare verschickt. 

An seinem Turnfest nahmen rund 50 Vereine und 1500 Turner*innen aus dem gleichen Verband teil, die keine Zusage für ein reguläres Turnfest erhalten hatten. Die Dankbarkeit bei den Teilnehmenden war riesig, die teilnehmenden Vereine haben ebenfalls mit angepackt, sowie Helfende für das Festzelt, die Bar und das Aufräumen gestellt. 

Am «Trotzdem Cup» wurden Titelkämpfe in folgenden Disziplinen ausgetragen: Fit+Fun, Fachtest Allround, Pendelstafette, 800-m-Lauf, Gymnastik, Team-Aerobic und Geräteturnen. Die Wettkämpfe waren aber nicht der einzige Höhepunkt: Dank den teilnehmenden Vereinen wurde im Barzelt mit DJ ordentlich gefeiert und um Mitternacht fand sogar noch ein spontanes Unterhosenrennen statt.

TORNFESCHT

Mit dem Motto: «Nicht gross, aber FESCHT», stellt der TV Brittnau in knapp einem halben Jahr sein eigenes Turnfest auf die Beine. Alle Wettkampfplätze lagen dicht beieinander und abends verwandelte sich das Zentrum von Brittnau in den Schauplatz einer grossen, typischen Turnfest-Party. 

Über 30 Vereine aus verschiedene Kantonen meldeten sich an, die Nachfrage war sogar noch grösser. In besonderer Erinnerung blieb dem Turnverein Brittnau die unglaubliche Unterstützung. Das ganze Dorf packte mit an, unzählige Dorfvereine halfen mit und die allgemeine Dankbarkeit der Teilnehmenden war riesig. 

Am «TORNFESCHT» in Brittnau war von Vereinsgymnastik über Aerobic, Bodenturnen, Reck, Schaukelringe und Fachteste für alle etwas dabei. Am Abend nach den Wettkämpfen wurde der Gymnastikrasen kurzerhand zum Zeltplatz umfunktioniert. Ein weiteres Highlight waren die Störche aus Brittnau, sie waren nicht nur präsent auf dem Logo des Turnfests, sondern sie tauften auch einige Turner*innen auf dem Schulhausplatz von oben. 

Turnfest «Light»

Der Turnverein Frenkendorf wollte unbedingt verhindern, dass ihren Turnerinnen und Turner der Saisonhöhenpunkt weggenommen wird. Da die Turngemeinschaft von Solidarität und gegenseitigen Unterstützung geprägt ist, integrierte der Turnverein Frenkendorf ebenfalls betroffenen Vereine in der Region. So organisierte das vierköpfige «OKäli» innert knappen sechs Monaten das Turnfest «Light».

Am Turnfest «Light» nahmen knapp 400 Turnende und 15 Vereine teil. Da der Anlass am Ende trotzdem einiges grösser wurde als vorgesehen, halfen auch einige externe Helfer*innen mit. Jedoch hatten alle Turnende des Turnverein Frenkendorf ein «Jöbli», das er übernehmen musste. Diese Jobs gingen von Aufbau, Abbau, Wertungsgericht, Musikmanagement, Abfall, Fotografie, First-Responder, WC-Kontrollen bis zum Platzchef. Somit wurde die Arbeitslast aber gut verteilt und jeder Turnende konnte das Turnfest trotzdem geniessen. 

Es wurden Titelkämpfe in folgenden Disziplinen ausgetragen: Schaukelringe, Schulstufenbarren, Gerätekombination, Geräteturnen zu zweit, Hochsprung, Weitsprung, Pendelstafette, 800-m-Lauf, Kugelstossen, Steinstossen, Steinheben, Fachtest Unihockey, Fachtest Allround und Fit+Fun. Als Zugabe gab es zudem zwei Showacts zu bestaunen – einen in Gymnastik und einen in Team-Aerobic. Wie es sich für ein Turnfest gehört, durfte das Fest inklusive Festzelt danach auch nicht fehlen. 

Mini-Turnfest Dättlikon

Nach dem Motto «Mir turned gliich» organisierte der Turnverein Dättlikon sein eigenes Turnfest. Für den Verein war dies eine Premiere und zugleich eine spannende Herausforderung. Aufgrund der begrenzten Möglichkeiten des Dorfes wurde das Turnfest bewusst kleiner und kompakter gestaltet – dadurch entstand jedoch eine sehr familiäre Atmosphäre.

An den Start gingen rund 150 Personen aus der eigenen Turnfamilie sowie aus den umliegenden Turnfamilien Pfungen, Neftenbach und Buch am Irchel. Bei den Teilnehmenden standen trotz sportlichem Ehrgeiz vor allem die Gemeinschaft, die Freude am Turnen und der Austausch zwischen den Vereinen im Vordergrund.

Der sportliche Teil bestand aus einem Leichtathletik-Mehrkampf mit dreieinhalb Teilen – drei Disziplinen plus einer Plausch-Disziplin – sowie aus Geräteturnvorführungen der verschiedenen Vereine. Die einzelnen Gerätevorführungen wurden dabei nicht wie üblich von einem Wertungsgericht beurteilt, sondern per Publikumsvoting, was für zusätzliche Stimmung bei den Zuschauenden sorgte. Zusätzlich zum sportlichen Teil gab es eine Festwirtschaft, eine Aussenbar inklusive Public Viewing für die Fussball-WM sowie eine Indoorbar mit Tanzfläche und DJ.

Turnfest im Wegenstettertal

Das Turnfest im Wegenstettertal wurde von den Vereinen im Tal für die Vereine im Tal organisiert. Die Grundidee war es, dass die Vereine im Wegenstettertal zusammenhalten, sodass man trotz der Kapazitätsengpässe, turnen kann. 

Teilgenommen haben rund 110 Turnende aus den Vereinen Zeiningen, Hellikon und Wegenstetten, die alle auch an der Organisationen und Durchführung des Turnfestes beteiligt waren. Für den fairen und einwandfreien Ablauf, benötigte es rund 16 Kampfrichter, ein zweiköpfiges Wettkampfbüro, sowie zahlreiche Helfende, die im Hintergrund des Wettkampfes, an der Festwirtschaft und abends an der Bar arbeiteten.

Es gab Wettkämpfe in den Disziplinen Leichtathletik, Nationalturnen, sowie Fachtests und Fit+Fun. Das Turnfest im Weggenstettertal war nicht nur für alle Teilnehmenden ein riesengrosser Erfolg, sondern auch für die ganze Region. Durch die gegenseitige Unterstützung konnten alle Turnenden aus den drei Vereinen einen tollen Saisonabschluss erleben. 

Turnfest-Ersatzanlass STV Kaltbrunn

Weil auch der STV Kaltbrunn nicht an einem Turnfest teilnehmen konnte, entstand schon früh die Idee, kurzerhand einen eigenen Anlass zu organisieren. Es wurde ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt, bei dem Spass und Geselligkeit im Mittelpunkt standen. 

Mit rund 50 Personen aus verschiedenen Riegen, war der Anlass erfreulich gut besucht. Vom sportlichen Ehrgeiz bis zum gemütlichen Beisammensein war alles vertreten, was ein Turnherz begehrt. 

Der STV Kaltbrunn war sehr wahrscheinlich der erste Turnverein, der mit einem Airtrack auf der Linth unterwegs war – wohl eine der ungewöhnlichsten Turnfest-Disziplinen dieses Jahres. Die Linthfahrt war jedoch nicht der einzige Höhepunkt des Ersatzanlasses: Zusätzlich fand ein Turnier statt, das Faustball, Volleyball und Basketball vereinte und bei dem sich altersdurchmischte Gruppen messen konnten.

Fricktaler Turnfest

Da der STV Herznach die Nachricht, an keinem Turnfest teilnehmen zu können, nicht einfach so akzeptieren wollte, begann man schon bald, sich über eine Alternative den Kopf zu zerbrechen. Vielen anderen Vereinen aus der Umgebung erging es genauso. Somit stellte man kurzerhand ein OK zusammen und begann mit der Organisation eines eigenen Turnfestes.

Mit dem Velo ging es zur Wettkampfdestination nach Frick, und nach dem Aufbauen der Zelte standen bereits die ersten Wettkämpfe auf dem Programm. Neben dem Turnen wurden die Vereinskollegen natürlich auch lauthals angefeuert.

Am Fricktaler Turnfest konnte man in verschiedenen Disziplinen antreten – darunter Gerätekombination, Barren, Stufenbarren, Team-Aerobic, Fachtest und Leichtathletik. Als Turnfestsieger des Fricktaler Turnfests konnte der STV Herznach den Abend somit noch mehr geniessen.

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