Der Kopf zählt – Sportpsychologie im Turnsport
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Der Kopf zählt – Sportpsychologie im Turnsport

Simon Keller
Foto/Video: Luna Pauli

Im Turnsport entscheidet nicht nur die körperliche Vorbereitung über Erfolg, sondern auch der Kopf. Der Schweizerische Turnverband (STV) entwickelt deshalb sportpsychologische Angebote weiter, um Athletinnen und Athleten in ihrer Leistung, ihrer persönlichen Entwicklung und ihrer mentalen Gesundheit zu unterstützen.

Professionelle sportpsychologische Begleitung

Die sportpsychologische Arbeit im STV wird zentral koordiniert und befindet sich in einer Phase der Weiterentwicklung. Ziel ist es, sportpsychologische Kompetenzen schrittweise stärker in die bestehenden Trainings- und Betreuungssysteme zu integrieren.

Die sportpsychologische Verantwortliche koordiniert die sportpsychologischen Themen im Verband. Dabei wird die Zusammenarbeit mit den Nationaltrainerinnen und Nationaltrainern, dem Medical Team sowie den regionalen Leistungszentren zunehmend ausgebaut.

«Ein Schwerpunkt liegt auf sportpsychologischen Interventionen innerhalb der Trainingsgruppen sowie auf der Vernetzung mit qualifizierten Fachpersonen an den Stützpunkten», sagt Viviane Scherler, sportpsychologische Verantwortliche des STV.

Athletinnen und Athleten können im Rahmen von Workshops, Trainingsinterventionen oder sportpsychologischen Inputs erste Zugänge zu mentalen Kompetenzen erhalten. Auch Trainerinnen und Trainer greifen vereinzelt bereits auf entsprechende Ansätze zurück und werden zunehmend in diesen Themenbereich einbezogen.

Scherler ergänzt: «Bei Bedarf besteht zudem die Möglichkeit, individuelle sportpsychologische Unterstützung über entsprechende Fachpersonen in Anspruch zu nehmen.»

Mentaltraining als fester Trainingsbestandteil

Mentale Techniken wie Visualisierung, Atemregulation oder positive Selbstgespräche können Athletinnen und Athleten dabei unterstützen, Nervosität zu regulieren, die Konzentration zu stabilisieren und Bewegungsabläufe mental vorzubereiten.

Solche Methoden werden in verschiedenen Trainingssettings bereits punktuell eingesetzt und zunehmend in sportpsychologischen Workshops oder Inputs aufgegriffen. Ziel ist es, Athletinnen und Athleten Werkzeuge an die Hand zu geben, um anspruchsvolle Elemente mental vorzubereiten und unter Wettkampfbedingungen sicherer abrufen zu können.

Viviane Scherler, sportpsychologische Verantwortliche STV

Mentale Stärke ist heute ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Leistungsentwicklung. Gleichzeitig geht es darum, Athletinnen und Athleten auch in ihrer persönlichen Entwicklung zu begleiten und ihre mentale Gesundheit langfristig zu stärken.

«Den Athletinnen steht es grundsätzlich frei, dieses Angebot zu nutzen und sich psychologische Unterstützung zu holen», sagt Rolf Thalmann, Teammanager Kunstturnen und Olympische Mission STV. «Ich und die Trainer*innen sind Türöffner, falls ein Athlet oder eine Athletin ein Mentalcoaching in Anspruch nehmen möchte. Sie können dies aber auch selbständig abmachen.» Aufgrund des Arztgeheimnisses wisse er auch nicht genau, wer alles psychologisch und mental betreut werde, ergänzt Thalmann.

Dies, so Thalmann, ist ein entscheidender Faktor: «So ist die Niederschwelligkeit gewährleistet und die Athletinnen und Athleten können sich unbeschwert melden, wenn sie Bedarf haben.»

Entwicklung über den Sport hinaus

Der STV verfolgt eine ganzheitliche Förderung – nicht nur im Hinblick auf sportliche Leistung. Themen wie Motivation, Selbstwert, Stressregulation, Zeitmanagement und der konstruktive Umgang mit Druck können wichtige Bestandteile der sportlichen Entwicklung sein.

Auch soziale Kompetenzen, Kommunikation und die persönliche Identitätsentwicklung spielen dabei eine wichtige Rolle. Diese Fähigkeiten können junge Menschen sowohl im Sport als auch im Alltag unterstützen.

Zusammenarbeit über Fachbereiche hinweg

Der STV arbeitet mit verschiedenen Fachbereichen zusammen. Viviane Scherler betont: «Sportmedizin, Physiotherapie, Ernährung und sportpsychologische Aspekte können sich ergänzen, um Athletinnen möglichst ganzheitlich zu begleiten.»

Sportpsychologische Themen werden dabei zunehmend stärker in bestehende Strukturen integriert und im Austausch mit den beteiligten Fachpersonen weiterentwickelt.

Offenheit im Umgang mit psychischer Gesundheit

Der Verband setzt sich dafür ein, dass psychische Belastungen im Sport offen angesprochen werden können. Herausforderungen im mentalen Bereich gehören zum Sportler- und Menschsein dazu und sind kein Zeichen von Schwäche.

Unterstützung in Anspruch zu nehmen – ob präventiv oder im akuten Fall – wird entsprechend gefördert. Partnerschaften wie jene mit CONCORDIA tragen dazu bei, das Thema mentale Gesundheit sichtbar zu machen.

Unterstützung im Nachwuchs

Auch im Nachwuchsbereich können sportpsychologische Themen eine Rolle spielen. Erste Ansätze bestehen bereits in einzelnen Trainingsumfeldern und sollen künftig weiterentwickelt werden.

Dabei wird angestrebt, die Zusammenarbeit zwischen Trainerinnen, Stützpunkten und Familien weiter zu stärken.

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