Olga verfolgt ihren Traum

  • 17. Oktober 2021

  • Emilie Lambiel/ahv

  • Ghislaine Heger/Gabrielle Denisse

  • Erschienen im GYMlive 4/2021

2013 in die Schweiz verbannt, versucht die fiktive Hauptfigur des Films, eine 15-jährige ukrainische Turnerin namens Olga, einen Platz im nationalen Leistungszentrum für Sport zu bekommen. Während die junge Frau sich an ihr neues Land anpassen und sich für die Europameisterschaften vorbereiten muss, bringt die ukrainische Revolution alles durcheinander.

«Olga» in Kürze

Anzahl Schauspieler: 30
Anzahl Statisten: 213
Total Mitwirkende: 609

Drehzeit: 37 Tage, verteilt auf 9 Monate
Produktionszeit: 16 Wochen
Drehorte: Magglingen (SUI), Stuttgart (GER), Kiew (UKR)

Jahr der Veröffentlichung: 2021

Sprachen: Französisch, Deutsch, Italienisch, Ukrainisch, Russisch und Englisch (Untertitel)

Auszeichnungen: Preis SACD der «Semaine de la Critique» 2021 in Cannes (bestes Drehbuch)
Der Film wird von der Schweiz ins Rennen um einen «Oscar» geschickt.

Bild: Die ukrainische Turnerin Anastasia Budiaschina spielt die Hauptrolle.

«Olga» ist der erste Spielfilm des Schweizer Regisseurs Elie Grappe. In diesem Film, der im Herbst 2021 in die Kinos kommt, schlüpft die ukrainische Turnerin Anastasia Budiaschina in die Rolle von Olga. Da ein Grossteil des Films in der Jubiläumshalle in Magglingen spielt, konnten auch einige Schweizer Turnerinnen einen ersten Schritt in die Kinowelt machen.

Wer ist Olga?

Die 15-jährige Turnerin Olga, die wegen der ukrainischen Revolution in die Schweiz ins Exil geht, tritt dem Nationalen Sportzentrum bei und versucht, sich einen Platz in ihrem neuen Team zu sichern. Als sie in ihrer Wahlheimat ankommt, läuft jedoch nicht alles nach Plan. Olga ist hin- und hergerissen zwischen der Schweiz und der Ukraine, wo ihre Mutter als Journalistin über die Ereignisse von «Euromaidan» berichtet. Trotzdem verliert Olga nie ihr Ziel aus den Augen: sich auf die Kunstturn-Europameisterschaften in Stuttgart vorzubereiten, um sich für die Weltmeisterschaften und Olympischen Spiele qualifizieren zu können – ihr absoluter Traum.

Im Zentrum dieser fiktiven Geschichte steht ein ständiger Dialog zwischen Turnen und Politik. Olga ist ununterbrochen daran, eine Balance zu finden und ihrer Leidenschaft für das Turnen nachzugehen. «Für mich lautet die zentrale Frage des Films ‹Wie man einen persönlichen Wunsch mit dem Lauf der Geschichte in Einklang bringen kann›. Olga wird, ungewollt, mit der Revolution konfrontiert. Auch wenn die politische Frage existiert, ist sie nicht zentral. Die Leidenschaft der Hauptfigur für das Turnen und die mit dem Sport verbundenen Emotionen stehen im Mittelpunkt des Films», erklärt Regisseur Elie Grappe.

Zum Regisseur Elie Grappe

Alter: 27 Jahre
Wohnort: Vevey

Werdegang:
10 Jahre Studium der Klassischen Musik am Konservatiorium in Lyon, 2011 – 2015 kantonale Kunstschule in Lausanne (ECAL)

Realisierte Filme:
Répétition (Kurzfilm 2014), Suspendu (Kurzfilm 2015), Hors-scène (Kurzfilm 2016), Olga (Spielfilm 2021)

Foto: Regisseur Elie Grappe (ganz rechts) wählte die Jubiläumshalle in Magglingen als Hauptdrehort.

Ein herzlicher Empfang

Im Film konnten einige Schweizer Turnerinnen mitwirken: Lou Steffen (FSG Lancy), Mitglied des erweiterten Nationalkaders und Caterina Barloggio (SFG Sementina), ehemalige Nationalkader-Turnerin, waren im Film Teil des Schweizer Nationalteams. Beide wurden vom Regisseur bei Besuchen in ihren Turnvereinen entdeckt. «Seit 2016 habe ich recherchiert. Ich stand mit dem Schweizerischen Turnverband, dem Bundesamt für Sport und mehreren Turnvereinen in Kontakt», erzählt Elie Grappe. «Alle waren sehr freundlich. Sie haben mir Zutritt zu den Trainingshallen gewährt. Ich konnte ausserdem an den Europameisterschaften in Bern 2016, an mehreren Swiss Cup Zürich und an Schweizer Meisterschaften dabei sein», so der Regisseur weiter. In den Wochen, die Grappe in den Hallen verbrachte, konnte er sich mit der Turnwelt vertraut machen. Einer Welt, die er vorher nicht gekannt hatte. «Ich war lange auf dem Musikkonservatorium in Lyon. Das Turnen war etwas komplett Neues für mich. Ich hatte Lust, diese Geschichte zu erzählen», sagt er. Dieses Rekrutieren bot auch Gelegenheit, Erfahrungen der Teams rund um die Athleten, Trainer und Ärzte zu sammeln sowie Olgas zukünftige Darstellerin kennenzulernen.

Sprung ins Kino

Für die mitwirkenden Turnerinnen war die Filmproduktion eine positive Erfahrung, welche noch lange in den Köpfen bleiben wird. «Daran werde ich mich mein ganzes Leben lang erinnern», sagt Lou Steffen. «Elie hatte mich in der Turnhalle entdeckt. Nach einem Casting bekam ich die Rolle», so die Genferin weiter. Um die Szenen authentischer wirken zu lassen, zog es der Regisseur vor, mit «echten» Turnerinnen, statt mit Schauspielerinnen zu arbeiten. «Das war absolut notwendig, denn nur sie können solche Tricks ausführen und haben Erfahrung vom Leben in einem Leistungszentrum. Oft genügte ein Gespräch, damit sie verstanden, was sie tun sollen», präzisiert Elie Grappe.

Der Film «Olga» erzählt die Geschichte einer ukrainischen Turnerin im Exil in die Schweiz.
Olga ist zwischen zwei Welten hin- und hergerissen.

Dreharbeiten verzögerten sich

Wegen Corona konnte der für 2020 geplante Film erst 2021 fertiggestellt werden. «Wir haben die Turnszenen in Magglingen hauptsächlich an Wochenenden oder in den Ferien gedreht, während die Hallen nicht besetzt waren», erinnert sich Grappe. Die Aufnahmen, die ganze 37 Tage dauerten, aufgeteilt auf neun Monate, haben die zwei Schweizer Turnerinnen geprägt. «Wir verbrachten mehrere Stunden, ja sogar Tage für eine Szene, die auf dem Bildschirm nur einige Sekunden dauert», so Steffen. Am DTB-Pokal in Stuttgart war geplant, die EM-Szenen zu drehen. Der internationale Wettkampf wurde jedoch wegen Corona abgesagt, so dass das Team die Dreharbeiten vor Ort umorganisieren musste.

Auf dem roten Teppich

Mitte Juli 2021 konnte «Olga» nun endlich am Filmfestival in Cannes präsentiert werden. Dazu wurden auch die mitwirkenden Turnerinnen sowie Regisseur Elie Grappe und sein Team eingeladen. «Die Filmpräsentation war ein emotionaler Moment und die Treppe in Cannes hinaufzusteigen eine einzigartige Erfahrung. Einfach magisch», erinnert sich Steffen. Gleich klingt es bei Caterina Barloggio: «Cannes war eine einzigartige Erfahrung. Ich erinnere mich speziell an die Fotografen, die um die Aufmerksamkeit der Prominenten buhlten.»

Das Erstlingswerk gefiel auch der Jury gut, denn der Film gewann den SACD-Preis fĂĽr das beste Drehbuch 2021. Ab diesem Herbst wird er in den Kinos der Westschweiz zu sehen sein.

Besetzung

Mit Bezug zum STV

Caterina Barloggio (ehem. Nationalkaderathletin — Steffi)
Thea Brogli (ehem. Nationalkaderathletin — Zoe)
Alicia Onomor (AGG Genève — Juliette)
Lou Steffen (AGG Genève — Andrea)
Stefanie Siegenthaler (Nationalkaderathletin — Zweitbesetzung/Russische Meisterin)
Jessica Diacci (ehem. Nationalkaderathletin — Team Schweiz)
Anina Enzler (Gym Center Emme — Team Schweiz)
Naomi Ingold (Gym Center Emme — Team Schweiz)
Stefanie Siegfried (TV Lenzburg — Team Schweiz)
Svenia Di Sarli (STV Bernhardzell â€” Team Schweiz)
Justine Dousse (GASF Fribourg — Team Schweiz)

Andrin Frey (Nationalkaderathlet â€” Team Schweiz)
Lamine Delorme (AGG Genève — Team Schweiz)
Christopher Tomcik (AGG Genève — Team Schweiz)
Michael Fulpius (AGG Genève — Team Schweiz)
Nils Lang (Turnwerkstatt Zentralschweiz â€” Team Schweiz)
Michael Fischer (Turnwerkstatt Zentralschweiz â€” Team Schweiz)

JĂ©rĂ´me Martin (Trainer Nationalkader — Adrien)
Natalia Mikhailova (Trainerin Nationalkader — Lise)

Weitere

Aus der Ukraine:
Anastasia Budiashkina (ukrainische Reservemannschaft — Olga)
Sabrina Rubtsova (ukrainische Reservemannschaft — Sasha)

Aus Deutschland:
Emma Höfele (ehem. Nationalkader Deutschland)
Carina Kröll (ehem. Nationalkader Deutschland)

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