Auch an diesem regnerischen SM-Sonntag wurden ganz viele asiatische Toulistengluppen durch die Leuchtenstadt geführt. Vor dem Löwendenkmal, der Kapellbrücke mit dem imposanten Wasserturm (gibt es übrigens auch als Süssigkeit, lecker …) und/oder dem Pilatus im Hintergrund, wurden die Speicherkarten mit Bildmaterial gefüllt was das Zeug hält. In den vielen Läden mit den goldenen, kleinen, teuren Zeitanzeigen, sassen die Geldbeutel locker. Die Edelmetalle Gold, Silber und Bronze wurden aber auch in der Maihof-Turnhalle verteilt. Nicht an Toulisten, nein, an gut aussehende, motivierte und austrainierte Geräteturner/-innen aus den Schweizer Turnvereinen. Auch da hätte es ganz viel zum Fotografieren gegeben, aber sicher noch viel mehr zum Staunen: «Ganz sön dieses Gelätetulnen, ganz sön».
Die Ausgangslage vor den Gerätefinals war, das ist immer so, offen. Alle waren sie Favoritinnen und Favoriten, die sich via Mehrkampf-SM die Luzern-Reise sicherten. Es sind die Besten eben. Fehler mag es in diesem Feld nicht leiden. Sofort ist ein anderer da, der gerne profitiert. Klar ist: Die Podest-Turner/-innen aus den K7-Mehrkämpfen (Ti/Tu) werden bei der Vergabe der Gerätemedaillen mitreden wollen – was am SM-Sonntag dann auch geschah.
Die mit 1500 Zuschauenden besetzte «Getu-Arena» bekam von den Finalisten insgesamt 66 Turnübungen (Boden, Ring, Sprung, Barren, Reck) vorgesetzt. Der K7-Meisterin Sandra Garibay (BTV Luzern) und dem K7-Meister Christoph Schärer (TV Orpund, 11. November, Wettingen) bot sich in Luzern die Chance, weitere SM-Medaillen zu erturnen.
Die Besten 2017 sind …
Die stärksten Geräteturner/-innen 2017 an den Einzelgeräten sind: Boden/Christoph Schärer 9,8 Punkte (TV Orpund), Schaukelringe/Andreas Gasser 9,7 (TV Belp), Sprung/Justin Deley 10,0 (Yverdon AG, Tageshöchstnote), Barren/Gasser 9,7 und Reck/Schärer 9,7. – Turnerinnen: Boden/Paciane Bo Studer 9,75 (TZN Nidwalden), Schaukelringe/Nicole Strässle 9,7 (BTV Luzern), Sprung/Sandra Garibay 9,75 (BTV Luzern) und Reck/Garibay 9,75. Bei Garibay kamen Sprung- und Reck-Gold (zum dritten Mal in Folge) hinzu und beim Schärer «Chrigu» Boden- und Reck-Gold. Die Luzernerin und der Berner kommen so auf insgesamt drei SM-Goldmedaillen 2017. Am Schärer-Hals baumelte auch noch Barren-Silber. Garibay (Reck) und Andreas «Memme» Gasser (Ring) konnten als einzige ihre 2016-Titel von Sion verteidigen.
Die Verbandsdominanz aus dem Mehrkampf von Luzern, Ob- und Nidwalden (Gold, Silber, Bronze) spiegelt sich auch in den Ergebnissen der Einzelgeräte. Alle Goldmedaillen verbleiben im gleichen Verband. Mit viermal Gold müssen sich aber auch die Berner Bären nicht verstecken und das Waadtland darf auch jubeln.
Die Gerätefinals verkamen zur Leistungsschau, die das Publikum mitriss. Das Beste, was das nationale Geräteturnen zu bieten hat, präsentierte sich in der vom BTV Luzern bestens hergerichteten Maihofhalle. Taktieren gab es nicht. Es wurde losgeturnt, was die Barrenholme, Reckstangen und Ringe hergaben und das Zeug hielt. Die Turnenden durften zudem ihre Begleitmusik selber wählen – na ja, die Geschmäcker sind halt verschieden.
Am Schluss Natalie Buschor
Vor den Gerätefinals, standen die K5- und K-Damen-Entscheidungen an. In der Damen-Klasse wechselte die (knappe) Führung nach jedem Gerät. Der Wettkampf verlief rangmässig dynamisch. Elodie Fleuri (Uvrier Sport), Martina Marti (TV Lyss) und Larissa Kurmann (TZN Nidwalden) tauchten je einmal ganz vorne auf. Nach vier Geräten und da ist es eben dann siegentscheidend, lag Natalie Buschor (STV Kriessern) mit fünf Hundertsteln vorne: Viel Jubel und KD-Sieg 2017.
An der Mannschafts-SM vom 28./29. Oktober lieferten die K5-Turnerinnen aus dem Verband Jura die höchsten Notenwerte ab. Die Bestätigung erfolgte (teilweise) in Luzern. Flavie Beuchat (FS Glovelier) führte das Rennen nach zwei Geräten mit 19 Punkten an. Erine Pugin (Uvrier-Sports, Jg. 2003) hatte da etwas dagegen. Mit der zweithöchsten Ringnote (9,45) und dem 9,6-Sprungknaller (K5-Tageshöchstwert) am Schluss, zog die Walliserin an Beuchat (Silber) vorbei und jubelte von der obersten Podeststufe.
Die OK-Präsi-Stimme
«Während zwei Tagen erlebten wir hier begeisternde Wettkämpfe. Ich bin beeindruckt. Wir hatten ein volles Haus und eine geniale Stimmung sowie keine Unfälle. Das ist mir wichtig. Ich erlebte eine grosse und breite Unterstützung vom BTV Luzern und aus der Region. Unser Ziel war es, einen ‹SM-Wow-Effekt› zu erzielen. Alle sollten die SM spüren, sie sollte Emotionen auslösen und alle sollen gerne an die SM 2017 in Luzern zurückdenken», so ein zufriedener Christof Strässle (SM-OK-Präsident) nach der letzten Siegerehrung.
Das warʼs …
Mit der SM in der Zentralschweiz schloss der attraktive Reigen der Schweizer Geräteturnmeisterschaften 2017, der Turner/-innen. Bern, Wettingen und Luzern waren die Stationen, wo sich an den jeweiligen Wochenenden Magnesiawolken bildeten und die stärksten nationalen Geräteturner/-innen zu sehen waren. – Der Winter 2017/18 ist im Anzug, die Saisonplanung 2018 kann starten. Neue Elemente, eventuell neue Ring- und Reckleder sowie Kategorienwechsel werden zum spannenden Thema für die neue Saison.
Text: Peter Friedli
Weitere SM-Infos:www.smluzern2017.ch sowie im GYMlive 6/2017.