Schweizerischer Turnverband - STV

Geräteturnen: Angekommen – der Schärer

12.11.17 04:07

227 Schweizer Geräteturner (vier Kategorien) im Alter von 12 bis 49 Jahre haben sich für die nationalen Einzelmeisterschaften vom Samstag, 11. November 2017 in Wettingen qualifiziert. Im «Rüeblitorten»-Land ging es um die K7-Krone und drei Kategoriensiege. Das Titelrennen verkam zu einer spannenden Angelegenheit, die nach dem vierten und fünften Gerät aber dann doch ein klares Bild zeigte: Erster Sieg, erster Schweizer K7-Meistertitel für Christoph Schärer.

K7, stark, v. l.: Andreas Gasser (2.),
Christoph Schärer (1., Schweizer K7-
Meister) und Simon Stalder (3.).

KH, stark und gleicher Coiffeur, v. l.: André
Keller (2.), Olivier Bur (1., KH-Sieger)
und Remo Keller (2.).

K6, stark, v. l.: Marco Schwendimann (2.),
Lorenz Hirt (1., K6-Sieger) und
Grégoire Raboud (3.).

K5, jugendlich, v. l.: Fabian Heule (2.),
Simon Späni (1., K5-Sieger) und
Eric Frick (3.).

Marco Landolt (K5, SG), Marco Meyer (K6, Lu, Ow/Nw), Olivier Bur/Mathias Britschgi (KH, BE/Lu, Ow/Nw) und Andreas Gasser (BE, K7) waren die grossen Dominatoren der Getu-Meisterschaften 2016 in Solothurn. Diese Turner reisten als Titelverteidiger an die SM 2017 nach Wettingen. Für sie galt es, die Titel zu verteidigen oder neuen Siegern Platz zu machen. In der vom STV Wettingen zu einer Geräteturn-Arena möblierten Spiel- und Sporthalle Tägerhard war es dann einzig Olivier Bur (KH/TV Orpund), der den K-Herren-Titel aus dem Vorjahr wieder gewinnen konnte. In den anderen Kategorien zieren andere, neue Namen den Platz ganz an der Ranglistenspitze.

Die höchste, die K7-Klasse, hier geht es um den SM-Titel, bot in Wettingen alles, was die zahlreich angereisten Geräteturn-«Fäns» an einer SM suchen: tolle Turner, ausgefeilte Turnelemente, Maximalnoten und eine ausgelassene Hallenstimmung. Alle diese Attribute bekamen die Zuschauenden von den 62 K7-Turnern serviert.

Ein Führungswechsel und Zehnernoten
Was es in Wettingen nicht gab, waren zahlreiche Führungswechsel. Während den fünf K7-Gerätedurchgängen gab es lediglich einen, dies nach dem zweiten Gerät. Für diese Tatsache trug ein Turner die Schuld: Christoph «Chrigu» Schärer (TV Orpund), der Berner Bronze-Mann aus dem Vorjahr und gewesener Olympia-Kunstturner. Die Entschlossenheit für etwas Grosses war Schärer schon bei der Athletenpräsentation ins Gesicht geschrieben: «Wenn nicht heute, wann dann?», war da herauszulesen.

Der Emmentaler und aktuell für den TV Orpund Turnende hat am 14. Oktober 2017, im Rahmen der SM-Vorbereitung, bereits den «20. Gstaad-Saanenland-Geräte-Cup» vor Simon Stalder (STV Rickenbach) gewonnen. Ein ungeschriebenes Geräteturngesetz sagt: Wer sich in der rauhen und kargen Berglandschaft der Berner Alpen rund um Gstaad gegen 87 Gegner durchsetzt, hat längstens auch das Zeug, um im Flachland Schweizer K7-Meister zu werden. Der Schärer Chrigu hatte es – das Getu-Zeug an diesem SM-Samstag.

Kunstturnvergangenheit
Der gewesene Kaderkunstturner, mehrfache Schweizer Kunstturnmeister, Top-ten-Mehrkämpfer, Olympiastarter 2004 in Athen (GRE), zweimaliger Reck-EM-Bronze-Mann (2004 Ljubljana, SLN; 2006 Volos, GRE) ist «im Geräteturnen angekommen» (O-Ton Schärer). Der Start erfolgte nach dem Eidgenössischen Turnfest 2013 in Biel/Bienne. Seinen SM-Wettkampf im Kanton Aargau eröffnete Schärer mit einer Zehnernote (10,0) auf der Bodenbahn: «päng!»

Die Maximalpunktzahl gab Sicherheit, Motivation und war eine Ansage an die 61 K7-«Gegner». Zu Schärers Buchhaltung kamen dann noch 9,45 Ring-, 9,80 Sprung-, 9,85 Barren- und 9,90 Reckpunkte hinzu. Addiert ergab dies 49,0 Punkte und bedeutete den ersten Schweizer K7-Meistertitel mit 0,55 Zählern Vorsprung auf den sechsfachen Meister Andreas Gasser (TV Belp) und acht Zehntel auf Simon Stalder (2009-/2013-Meister, s. auch «20. Gstaad-Saanenland-Geräte-Cup» oben). Schärer ist, nicht nur auf dem Wettkampfplatz, kein Lautsprecher. Solches Verhalten kommt bei der Getu-Familie gut an. Für seinen ersten K7-Sieg durfte er lange, stehende Ovationen vom Publikum und seinen «Gegnern» empfangen. Waren da leicht glänzende Augen zu sehen? – Eben: Der «Chrigu» ist im Geräteturnen angekommen.

Weitere Sieg-Geschichten
Am SM-Samstag wurden in Wettingen auch die K-Herren, K6-, und K5-Kategoriensieger ermittelt. Bei den Herren (KH) holte sich der mit allen Getu-Wassern gewaschene Seeländer Olivier Bur (TV Orpund, 48,45) die Goldmedaille. Auf den Silberplatz, möglicherweise eine absolute, nationale STV-Getu-Premiere, turnte sich das Brüderpaar, André (Jahrgang 1976) und Remo Keller (1981) vom SM-organisierenden STV Wettingen. Die Kellers kamen auf das gemeinsame Total von 47,65 Punkten

In der K6-Klasse sah es vier Geräte lang nach einem möglichen Westschweizer-Sieg aus. Grégoire Raboud (FSG Lancy) hatte sich an der Spitze festgekrallt – bis, ja bis es ihn am letzten Gerät, den Schaukelringen (9,25), erwischte. Lorenz Hirt (TV Lyss), der K5-Sieger von 2014 (Rapperswil) und Marco Schwendimann (TV Neftenbach) zogen noch an Raboud vorbei.

Beim Nachwuchs in der K5-Kategorie musste sich Fabio Heule (TV Widnau) ähnlich vorgekommen sein wie K6-Turner Grégoire Raboud (s. oben). Auf der Zielgeraden wurde der Rheintaler von Simon Späni (ETV Schindellegi) abgefangen. Heule zog tiefe 8,75 Sprungpunkte ein, während sich Späni 9,30 Reckzähler notieren lassen durfte. Diese Tatsache reichte zum Wechsel an der K5-Spitze. Späni (46,85) wird Kategoriensieger mit einem Zehntel Vorsprung auf Heule (46,75).

SM-Getu-Stimmen aus Wettingen
Christoph Schärer (TV Orpund, Schweizer K7-Meister): «Ich wusste, dass ich mega-fit bin und trat mit entsprechend viel Selbstvertrauen an. Ich wusste relativ rasch einmal, dass es heute gut herauskommen kann. Die hohen Noten kamen dann auch. Ich bestritt 2017 sechs oder sieben Wettkämpfe. Der Sieg in Gstaad war wie ein Energieriegel. Ich denke, dass ich jetzt im Geräteturnen angekommen bin.»

Olivier Bur (TV Orpund, KH-Sieger): «Mein Ziel war es heute, einen guten Wettkampf abzuliefern. Das Gefühl beim Start war sehr gut und half mir an den Geräten. Die acht Zehntel Vorsprung sagen ja auch etwas über meine Leistung aus. Bei keinem Gerät geriet ich in Nöte.»

André und Remo Keller (STV Wettingen, das KH-Podest-Bruderpaar): «Es ist einfach nur schön, dass wir das gemeinsam erleben dürfen. Insgeheim hofften wir bei unserem Heimspiel auch auf so etwas: Podest, gleicher Rang, gleiche Punktzahl. Dies motiviert natürlich zum Weitermachen.»

Lorenz Hirt (TV Lyss, K6-Sieger): «Ich startete gut in den Wettkampf. Ziel war ein Podestplatz. Rasch bemerkte ich, dass ich dabei bin und absolut mithalten kann. Bei den anderen stellte ich eine gewisse Inkonstanz fest. Nach drei Geräten wusste ich dass es gut herauskommen könnte. Jetzt habe ich den K6-Titel – einfach nur schön.»

Mathias Baumann (STV Wettingen, SM-OK-Präsident, KH-Turner, 23. Rang): «Nach dem ersten Tag sind wir sehr zufrieden. Alles lief rund die Halle war voll und wird am Sonntag noch voller. Darauf freue ich mich.»

Der zweite SM-Tag in Wettingen – wie weiter?
Am Sonntag, 12. November 2017 geht es in der Spiel- und Sporthalle Tägerhard von Wettingen weiter. Wer erturnt sich den Kat.-A-Titel und wird damit Schweizer Mannschaftsmeister im Geräteturnen und wer jubelt in der B-Klasse. – Wettkampfbeginn am Sonntag: 7.45 Uhr (Kat. B, 1. Abt.).

Wettingen ist, nach Bern (28./29. Oktober 2017), der zweite Ort der SM-Getu-Serie 2017. Weiter geht es in Luzern (Turnerinnen, Sie+Er, Gerätefinals Ti/Tu, Samstag/Sonntag, 18./19. November). Während fast dem gesamten Monat November liegt im Dreieck Bern–Wettingen–Luzern Magnesiastaub in der Luft.

Text und Fotos: Peter Friedli


Weitere SM-Infos: www.stv-fsg.ch und/oder https://smgetu2017.stv-wettingen.ch/.

 SM Geräteturnen Turner, Wettingen (4.3 MB)

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