Samstag, 18. November 2017, Vormittag, Bahnhof Luzern: «SM Gelätetulnen, ich nicht weiss, ich Toulistin hiel in Luzerln, ganz söne Stadt, ganz söne Stadt. Gelätetulnen, abel ich nicht weiss wo ist», antwortete eine lächelnde Toulistin einer Besucherinnegruppe aus dem asiatischen Laum, gegenüber dem ortsunkundigen Schreiberling, der die SM Gelätetulnen in der Tulnhalle Maihof suchte: um über die SM zu belichten. Ein Luzerner Ortsplan und der Bus Nummer 1 halfen dann schnell weiter. Weiter in die Maihof-Turnhalle der Leuchtenstadt am Vierwaldstättersee. Auf dem vom BTV Luzern mit viel Liebe zum Detail zu einer Geräteturnhalle umgestalteten Wettkampfplatz eingetroffen, war der Schleibende dann lasch einmal von Magnesiastaub umgeben – und weit und breit gab es keine Asiaten mehr.
Noémie Théodoloz (Uvrier-Sports), K7-Titelverteidigerin 2016, signalisierte an der vergangenen Mannschafts-SM in Bern, dass sie keine Einzel-SMs mehr turnen werde. In Luzern musste es also eine neue Schweizer K7-Meisterin geben. Es gab eine, aber eine nicht ganz so neue. Der Reihe nach. 41 K7-Turnerinnen präsentierte Hallensprecher Thomas Jäger (Villigen) den 1500 Zuschauenden. Viele dieser Geräteturnerinnen werden in der Nacht auf den Samstag davon geträumt haben, wie es wohl wäre, wenn gerade ich K7-Meisterin würde. – Träumen durften natürlich alle.
Luzern, Ob- und Nidwalden hoch drei
Nach dem ersten Gerätdurchgang gingen Paciane Bo Studer (TZN Nidwalden, Boden) und Tiffany Frossard (FSG Gland, Sprung) mit je 9,60 Zähler in Führung. Die ersten neun Turnerinnen trennten zu diesem Zeitpunkt lediglich einen Zehntel. Die 9,70 Ringpunkte von Sandra Garibay (BTV Luzern, 19,10) verhalfen der K7-Meisterin von 2015 (Oberbüren) an die alleinige Spitze. Fünf Hundertstel vor BTV-Luzern-Kollegin Nicole Strässle (19,05). Dem Publikum gefiel es. Insbesondere, weil sich auch Studer als Dritte (19,00) auf einem Podestplatz halten konnte. Diese motivierende Halbzeit-Ausgangslage war die blauweisse Initialzündung zu einem historischen und grossen Geräteturn-Erfolg für den Turnverband Luzern, Ob- und Nidwalden. Garibay und Studer zogen, respektive turnten durch. Strässle leistete sich noch einen 9,15-Punkte-Sprung-Aussetzer. Dies ist Geschichte, ein Aussetzer eben. Alles kam gut. Nach vier Geräten standen drei Verbandskolleginnen auf dem Podest: 1. Sandra Garibay (38,40), 2. Paciane Bo Studer (37,75) und 3. Nicole Strässle (37,60). Sandy Jaccard (Yverdon AG) und Florence von Ziegler (TV Hombrechtikon), je 37,55, landeten mit fünf Hundertsteln Rückstand auf Strässle, auf dem undankbaren vierten Rang. Auch das ist Geräteturnen.
Blauweisse Ekstase
Bei diesem Podestbild, vor den vielen blauweissen Ballonen, flippten die Zuschauenden auf den Rängen aus. Blauweisse Ekstase pur in der Maihofhalle und Freudentränen in den Garibay-, Studer- und Strässle-Augen. Sogar die Hallenartillerie mit den blauweissen Siegerinnenschnitzeln verpasste vor lauter ausflippen den Einsatz zum Abschuss. In der 34 Jahre alten SM-Getu -Geschichte der Turnerinnen standen noch nie drei Turnerinnen aus dem gleichen Turnverband auf dem Podest. Alleine diese historische Tatsache verdiente eine bundesrätliche Anwesenheit. Diese war mit Bundesrat Ueli Maurer (Vorsteher des Eidgenössischen Finanzdepartements EFD) gegeben. Maurer war genau der richtige Mann, um an diesem Getu-Samstag in Luzern die Goldmedaillen zu übergeben. Für alle Samstags-Sieger/-innen sicher ein besonderer Moment. Garibay, Studer und Strässle hätten es sogar verdient, dass ihre Namen in den Luzerner Hausberg, den Pilatus, eingraviert würden.
Imhoof – eine weitere Samstag-Siegerin
Am SM-Samstag fiel in Luzern auch die K6-Entscheidung. In der Nachwuchsklasse turnte sich Norina Imhoof (GR Rehedobel, Jahrgang 2003) mit Top-Noten beim Sprung (9,65, Tageshöchstwert), an den Ringen (9,60/2.) und am Reck (9,60/1.) zum Sieg. Die 9,30 Sprungpunkte mochte es knapp noch leiden. Selina Carigiet (TV St. Peterzell, 2., Jg. 2001) holte beim Sprung 9,65 Punkte (K6-Höchstwert an diesem Gerät) und kam bis fünf Hundertstel an Imhoof heran. Spannend. Bronze ging an Iris Stroppel (NS Winterthur, 37,50, Jg. 2002).
Stimmen, O-Töne ...
Bundesrat Ueli Maurer: «Ich bin gerne unter Turnerinnen und Turnern. Den Tag heute hier in Luzern zu verbringen, war ein guter Entscheid. Von den Leistungen, die ich gesehen habe, bin ich begeistert und beeindruckt. Das sind alles keine Profis. Bei solchen Anlässen bin ich gerne dabei. Ich verspüre die besondere Verbundenheit unter den Turnenden. Das macht übrigens auch unsere Schweiz aus.»
Christof Strässle, SM-OK-Präsident: «Ein genialer erster Tag ist vorbei. Ihr Geräteturnerinnen seit die besten der ganze Welt, ihr habt mich heute begeistert.»
Sandra Garibay, Schweizer K7-Meisterin: «Heute werde ich, im eigenen Bett, super schlafen. Ich wohne ganz in der Nähe. Vor dem Wettkampf war ich sehr nervös. Mit diversen Gesprächen wurde ich ruhiger. Ich war parat, das wusste ich. Es lief tipptopp. Ich wüsste nicht, was ich hätte besser machen können. Schreib noch: ein geniales Publikum, Ausrufezeichen.»
Paciane Bo Studer, K7-Silber: «2014 holte ich in Utzenstorf K6-Silber. Jetzt hier und heute in Luzern meine zweit SM-Medaille im K7. Ich drehe fast durch. Daraufhin habe vier Mal je Woche trainiert. Dass der Sieg Sandra gehört, wusste ich schon lange und war für mich zu jeder Zeit klar. Persönlich muss ich an meiner Reckleistung arbeiten.»
Nicole Strässle, K7-Bronze: «Der Sprung ging heute, leider, klar in die Turnhosen. Sonst bin ich zufrieden und kann mir nicht viel vorwerfen. Ich stand auf dem Podest, genial. Von diesen vierten fünften Plätzen habe ich genug gesammelt. Heute klappte es. Dies gerade hier bei uns. Dass es mit Sandra gut kommen würde, wusste ich schon lange.»
SM Getu – noch nicht fertig …
Am Sonntag, 19. November 2017 geht es am Vierwaldstättersee um die Kategoriensiege in der K-Damen- und K5-Klasse sowie um die Gerätetitel bei den Turnerinnen (Boden, Ring, Sprung, Reck) und den Turnern (Boden, Ring, Sprung, Barren, Reck). Los geht es um 8.30 Uhr (K5). Weiteres SM-Edelmetall liegt bereit, weitere Turnerinnen dürfen träumen und hoffen.
Text: Peter Friedli
Weitere SM-Infos:www.smluzern2017.ch sowie im GYMlive 6/2017.