Für einmal war nicht Hambüchen der Star des Wettkampfes, sondern Larisa Iordache, im Moment hinter den besten Amerikanerinnen und Russinnen die beste Mehrkämpferin der Welt. Sie erreichte im Final auf dem Balken die absolute Höchstnote bei den Frauen (15,30) und im Total der vier Übungen 59,45. Fast einen Punkt mehr als Giulia Steingruber, die zweitbeste Turnerin in der Gesamtwertung. Dies verdankte die Europameisterin ihrer Spezialdisziplin Sprung (15,00 und 14,85). Aber ohne die Leistungen von Claudio Capelli wäre dieser dritte Platz inmitten der Weltklasse nicht möglich gewesen. Der Bieler zeigte sich erneut als «Stimmungsturner», der das Maximum herausholte und beispielsweise seine beiden Sprünge (Roche und Kasamatsu mit Schraube) in den sicheren Stand brachte, im Final am Barren mit 15,05 ebenfalls einen Spitzenwert erzielte und im Bodenturner die Höchstnote (14,95) jener vier Turner erzielte, die sich an diese viel Kondition erfordernde Disziplin wagten.
Bester Einzelturner in der Gesamtwertung war für einmal nicht Hambüchen, der am Reck gegenüber der WM zwei erleichterte Übungen zeigte, sondern der Ukrainer Oleg Verniaev (20), der EM-Dritte 2013 im Mehrkampf. Er hatte von Angelina Kysla (22) zu wenig Unterstützung, so dass «nur» der vierte Platz herausschaute.
Das Gesamtniveau war sehr hoch. Vor allem wenn man in Betracht zieht, dass die WM doch schon einige Wochen zurückliegt und bereits die Vorbereitungen für das nächste Jahr laufen. Auch die im Mittelfeld klassierten Teams, zum Beispiel Kanada (Fünfte) mit einem ausgezeichneten Kevin Lytwyn (22) oder der Brite Reiss Beckford (21).
Die zweite Schweizer Equipe mit Ilaria Käslin (16) und Oliver Hegi (20) konnte die Nervosität in der ersten Runde nicht verbergen, qualifizierte sich aber dank hervorragenden Leistungen in der zweiten Runde für den Halbfinal. Vor allem Ilaria darf auf ihren Auftritt auf dem Balken (13,85) stolz sein. An diesem Gerät kann sie in zwei, drei Jahren weit nach vorne kommen.
Ausgeschieden nach bereits zwei Runden und als Neunte und Zehnte klassiert sind China und Frankreich. Dem chinesischen Turner unterlief beim Sprung das Missgeschick, dass seine zwei Versuche der gleichen Sprunggruppe angehören, was einen grossen Abzug zur Folge hatte. Da nütze auch die hervorragende Stufenbarrenübung von Chenglong Zhang (17) nichts. Klar schwächste Turnerin des Feldes war Manon Cormoreche (Fr), die in den ersten zwei Runden das tiefste Total aufwies.
Wie immer war der Swiss Cup Zürich ein Wettkampf mit Showcharakter, was beim Publikum gut ankommt. Dazu – im Vergleich zu «normalen» Kunstturnwettkämpfen – lebt der Swiss Cup Zürich von der Abwechslung. Die zehn verschiedenen Disziplinen (6 Männer, 4 Frauen) sind auf den ganzen dreistündigen Wettkampf (inklusive Pause) verteilt und werden mit Lichteffekten und TV-Aufzeichnungen auf Grossleinwänden «garniert» und Fachkommentaren ergänzt, so dass auch wenig routinierte Zuschauer auf ihre Rechnung kommen. Das macht die Faszination dieses Wettkampfes aus und trägt viel zur guten Stimmung in der Halle bei. Selbst ein abgebrühter Kunstturner wie Fabian Hambüchen mit vielen Medaillengewinnen auf allen Kontinenten kommt immer gern in die Schweiz, abgesehen davon, dass er stets Spitzenplätze belegt und den finanziellen Zustupf durch das Preisgeld als Student gebrauchen kann!
Text: Erwin Hänggi
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Swiss Cup Zürich: Tradition gewahrt – Rumänischer Sieg
Zum neunten Mal sicherte sich ein rein rumänisches Paar den Sieg beim Swiss Cup Zürich im Zürcher Hallenstadion vor 7000 Zuschauern dank den hervorragenden Leistungen von Larisa Iordache (17), gut unterstützt von Andrei Muntean (20). Aber auch die Schweizer brillierten: Giulia Steingruber (19) und Claudio Capelli (27) wurden Dritte, im Final punktgleich mit den deutschen Vorjahressiegern Elisabeth Seitz (20) und Fabian Hambüchen (26).