Vor 6000 Zuschauern im Zürcher Hallenstadion zeigten die Schweizer Giulia Steingruber (18)/Claudio Capelli (26) als Zweite, aber auch Jessica Diacci (18)/Nils Haller (23) als Sechste unter zehn Zweierteams, dass sie in ihren Spezialdisziplinen mit den Weltbesten mithalten können – nicht zuletzt dank der Unterstützung eines applausfreudigen Publikums. Gegen einen Fabian Hambüchen (25), der am Schluss eine Super-Reckübung zeigte, war nichts zu machen. Wie schon bei seinem Sieg 2010 wurde er von Elisabeth Seitz, die in Zürich ihren 19. Geburtstag feiern konnte, hervorragend unterstützt – das einzige Paar, das den Swiss Cup zweimal gewann und die Siegesprämie von 30000 Dollar kassierte.
Für die «Musik» in der Halle sorgten nicht nur die Sieger, sondern in erster Linie die Schweizer. Steingruber/Capelli haben sich gut von den Olympischen Spielen erholt, Capelli turnte wohl seinen besten Wettkampf der ganzen Karriere. Beim Sprung gelang ihm der Roche nahezu perfekt. Im gesamten Wettkamp gab es beim Sprung (stets zwei verschiedenartige Versuche, total 15,50) nur zwei bessere Turner: Olympiasieger Hak Seon Hang (16,475) mit einer Dreifachschraube (!) und Marcel Nguyen mit Zweieinhalbfach-Schraube und ebenfalls Roche (15,70). Am Boden und am Barren (zweimal) turnte Capelli nahezu optimal. Giulia Steingruber «packte» erstmals seit den Olympischen Spielen den Tschussowitina wieder aus. Er gelang in der ersten Runde nahezu perfekt (besser als bei Olympia in London), beim zweiten Mal im Final musste sie einen Seitschritt in Kauf nehmen. Ausser zwei kleinen Unsicherheiten am Stufenbarren turnte sie hervorragend, besonders auch am Boden.
Überraschend stark präsentierte sich das zweite Schweizer Team, zumindest an ihren starken Geräten. Jessica Diacci erzielte am Stufenbarren und auf dem Balken die schwierigkeitsmässig bestmöglichen Noten, und Nils Haller, seit einer Woche in der Sportler-RS, imponierte als Schweizer Meister an den Ringen mit erstaunlichen Kraftteilen. «Die Stimmung war grossartig und hat uns motiviert.» Im Halbfinal stürzten beide: Jessica nach dem Doppeltwist am Boden, Nils nach dem gestreckten Jäger am Reck. Der sechste Platz war wohl das Maximum, was die beiden in diesem hochkarätigen Feld herausholen konnten.
Die deutschen Männer gewinnen an grossen Wettkämpfen regelmässig Medaillen. Fabian Hambüchen, der am Reck nicht seine volle Olympiaübung zeigte, aber wieder einmal mit seinen riskanten Griffwechseln imponierte, hat in Marcel Nguyen (beide 25 Jahre alt) einen Konkurrenten erhalten, der sich vom Barrenspezialisten zum Allrounder entwickelte (Olympiazweiter im Mehrkampf!). In Zürich verzichtete er am Barren in der zweiten Runde auf seinen Superabgang (Doppelsalto mit Schraube), doch im Final musste er ihn riskieren, um noch Siegeschancen zu haben. Er stürzte – und das zweite deutsche Team blieb ein Zehntel hinter den Schweizern.
In den ersten beiden Runden gab es vor allem bei den Frauen viele Stürze. Die Engländerin Niamh Rippin fiel beim Bodenturnen gleich dreimal auf den blauen Teppich (tiefste Note des Wettkampfes, 9,35). Die Weissrussen als Vierte verdanken ihre Klassierung vor allem der Stabilität von Andrej Lichowitski. Auch bei den Koreanern (6.) war der sprunggewaltige Schraubenspezialist Hak Seon Yang das Zugpferd, während sich bei den andern Teams Licht und Schatten abwechselten.
Gesamthaft gesehen war das Niveau an der Spitze hervorragend. Enttäuschend das russische Team, mit dem man im Final gerechnet hatte, das sich jedoch wegen der schwachen Turnerin mit Platz 8 begnügen musste.
Text: Erwin Hänggi
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