5700 begeisterte Zuschauer im Hallenstadion freuten sich über die guten Schweizer Leistungen, die dem Paar Ariella Kaeslin/Niki Böschenstein den vierten und Yasmin Zimmerann/Claudio Capelli den fünften unter den zwölf Teams eintrug. Gewonnen hat das chinesische Paar He Ning (18)/Lu Bo (23). Die beiden konnten im Finaldurchgang der besten vier Teams ihre Topübungen abrufen und gewannen vor dem rumänischen Paar Sandra Izbasa (18)/Flavius Koczi (21). Die Chinesen hatten sich nach zwei Balkenstürzen der Turnerin nur als Vierte für den Endkampf qualifiziert, bei dem alle vier Paare bei Null begannen. Es ist dies der dritte chinesische Sieg in diesem Paarwettkampf nach 2005 und 1987. Damals gewann mit Li Ning einer der ganz Grossen des Kunstturnens.
Wie nahe Triumph und Pech im Kunstturnen zusammenliegen, mussten die Deutschen Fabian Hambüchen und Oksana Chusovitina erfahren. Nach der ersten Runde lagen sie klar in Front, und auch nach zwei Durchgängen führten sie dank der phantastischen Reckübung Hambüchens, obwohl Chusovitina nach dem Doppelsalto-Balkenabgang kopfvoran auf die Matte gestürzt war. Im dritten Durchgang musste die 33-jährige ehemalige Usbekin nach der zweiten Akrobatikreihe mit einer Fussverletzung aufgeben – aus der Traum vom durchaus möglichen Sieg (8. Rang). Eine spätere Untersuchung hat ergeben, dass sie einen Achillessehnen riss erlitten hat. Sie wird am Montag in Basel operiert.
Mit Glück hatte das rumänische Paar den Final erreicht, weil die Turnerin in der ersten Runde zweimal den gleichen Sprung zeigte und sich deshalb mit 12,20 begnügen musste. Im Halbfinal zeigten sie ihre grosse Klasse und kamen in der Zwischenwertung hinter Russland auf Platz zwei.
Ariella Kaeslin und Niki Böschenstein starteten hervorragend und lagen nach der ersten Runde auf Platz zwei, nicht zuletzt dank einer starken Bodenübung des Turners (15,20). Yasmin Zimmermann und Claudio Capelli landeten nach ihren ersten Übungen auf Platz zehn, weil die Turnerin beim Sprung gegenüber der Weltklasse noch zurückliegt (13,725). In der zweiten Runde holte das Paar mächtig auf (Zimmermann am Boden, Capelli beim Sprung), so dass sie als Vierte den Einzug in den Halbfinal sicher schafften. Da war dann Endstation, weil Zimmermann nach der schwierigen Akrobatikreihe Flic-Flac-Salto rückwärts vom Balken stürzte.
Dafür glänzte das andere Schweizer Paar im Halbfinal (Ariella Kaeslin Boden, Niki -Böschenstein Barren), so dass der Finaleinzug Tatsache wurde. Kaeslin landete im Endkampf nach ihrem ersten Sprung auf allen Vieren. Da halfen auch die beiden guten Versuche von Böschenstein nichts – ein Podestplatz wurde nicht mehr möglich. Trotzdem: Der vierte und fünfte Rang der beiden Schweizer Paare in diesem hochklassigen Feld gehört zu den Höhepunkten im Schweizer Kunstturnen der letzten Jahre.
Dank dem routinierten Speaker Dagobert Cahannes und den technischen Erklärungen von Andreas Schweizer waren die Zuschauer stets auf dem Laufenden, was in der Halle passierte. Unterstützt wurden sie durch Live-Interviews von der Wettkampffläche.
Verabschiedet wurde vor Wettkampfbeginn der Reckspezialist Christoph Schärer (28), der einige Kunststücke an seinem Spezialgerät zeigte. Er tritt Ende Jahr aus dem Nationalkader aus.
Erwin Hänggi
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