Die beste Sicht auf die Thun-Expo-Messehalle und das spannende Geschehen im Innern, wo am zweiten Oktober-Wochenende 2014 die 119. «Landsgemeinde» der Eidgenössischen Turnveteranen (ETVV) stattfand, hatte das Stockhorn (2190 Meter ü. M.). Der markante Gebirgszahn liegt genau in der Verlängerung vom Eingang in die Thuner Expo-Messehalle. Dieses Stockhorn staunte nicht schlecht, als es sah, wie 800 Turnveteranen die Militärstadt Thun in Beschlag nahmen. Es war die erste ETVV-Tagung in der elftgrössten Schweizer Stadt, mit ihren 43500 Bewohnern.
Ganz viel Personelles
Zentralobmann Walter Messerli (Spiegel b. Bern) führte zum letzten Mal durch die zwölf Tagungspunkte. Der 76 Jahre alte Messerli scheidet nach insgesamt neun Jahren, davon drei als Zentralobmann, aus der ETVV-Zentralbehörde aus. 2014 ist ein ETVV-Wahljahr. Die gesamte Zentralobmannschaft (ab 2015 Zentralvorstand) musste in Thun neu gewählt werden. Für Louis Kuhn (Bremgarten AG) und Stelio Ghisletta (Camorino) ging im Berner Oberland die Zentralobmannschaft-Zeit ebenfalls zu Ende. «Wir sind heute in der Lage, das ist nicht immer so, euch für alle frei werdenden Funktionen Leute präsentieren zu können», so der ETVV-Chef zur Versammlung.
Tanner und Aschwanden
Als Nachfolger für die Präsidenten-Funktion der kommenden Legislatur 2015 bis 2017, mit den in Thun genehmigten neuen ETVV-Statuten verschwindet der Begriff Zentralobmann (neu Zentralpräsident), präsentierte Messerli den Betriebsökonomen HWV, Urs Tanner (Gossau, bisheriger Vizeobmann und Kommunikationsverantwortlicher), als seinen Nachfolger. Rita Aschwanden (Payerne), Gaspare Nadig (Lugano, Ghisletta-Ersatz) und Kurt Egloff (Zürich, Kuhn-Ersatz) wurden neu, teilweise mit einigen Nebengeräuschen, in den ETVV-Zentralvorstand gewählt. Eine absolute Premiere mit schon fast historischer Komponente, darf die Wahl Aschwandens bezeichnet werden. Die Waadtländerin ist in der langen ETVV-Geschichte, diese startete 1895 in Magglingen, die erste Frau in diesem turnerdominanten Führungsgremium. – Da staunte selbst das behäbige Stockhorn.
Willi Peyer – 104 Jahre und Barrenturner
Genau dieses Stockhorn staunte aber ein zweites Mal noch fast mehr. Nämlich, als Turnveteran Willi Peyer (Bern, Jahrgang 1910, «Unser Oberturner vom TV Kaufleuten Bern hat mich an den Turnfesten jeweils in der dritten Stufe am Barren eingesetzt»), der rüstige, 104 Jahre alte Turner, als ältester Anwesender besonders geehrt wurde. Es ist die insgesamt achte Auszeichnung Peyers seit 2006 in Winterthur. Lediglich 2009 in Genf, Peyer konnte damals nicht anwesend sein, entging im die besondere Ehrung. «Dass es damals in Genf nicht klappte, damit kann ich gut leben», so ein verschmitzt lachender Peyer, der auch bemängelte, dass er seine täglichen Spaziergänge (ausser bei Regen) alleine machen müsse, weil ihm seine Turnkameraden alle weggestorben seien.
Den Anträgen (Statuten, Dokumenten usw.) an die Landsgemeinde wurden, teilweise mit Gegenstimmen und diversen Enthaltungen, grossmehrheitlich zugestimmt. Ab der neuen Legislatur erhalten diese Schriftstücke Gültigkeit.
Wie am Schnürchen ...
«Die ETVV-Tagung hier in Thun verlief genau wie eine Turnpräsentation. Es funktionierte alles wie am Schnürchen, es passte alles. Auch die einzige Variable stimmte, das Ausflugwetter am Samstag», lautete ein erstes Schlussfazit von OK-Präsident Alec von Graffenried (Bern, Nationalrat).
Noch dies: Die ETVV-Tagung ist auch im GYMlive 6/2014 ein Thema.
Text: Peter Friedli