Die Stimmung war einzigartig im Hallenstadion. Hauptverantwortlich dafür waren die Schweizer: Niki Böschenstein, ein Stimmungsturner, und die kühl und konzentriert wirkende Ariella Kaeslin, die jedoch auftaute und drei starke Übungen ablieferte, forderten von den Zuschauern Sonderapplaus. Das färbte sich auf den ganzen Wettkampf ab. Man spürte förmlich, wie alle Aktiven nach einer langen, anstrengenden Saison nochmals ihr Bestes geben wollten.
Es war im vornherein klar, dass ein Finaleinzug von Kaeslin/Böschenstein, die letztes Jahr Dritte waren, nur mit einem besonderen Exploit möglich sein würde. Und beinahe hätte es geklappt. Ariella zeigte im Halbfinal (acht Teams) im Bodenturnen eine ihrer besten Übungen. Niki turnte am Barren bis zum Abgang nahezu perfekt. Er konnte seinen Doppelsalto aber nur schlecht abfangen und rannte bis über die Matte hinaus. Ohne diesen Patzer wäre der Finaleinzug als drittes Team Tatsache geworden.
Die 15-jährige Lucia Tacchelli und Claudio Capelli kamen anstelle der USA zu einem Start als Team Schweiz 2. Claudio stürzte in der ersten und letzten Bahn bei seinen Doppelsalti, Lucia musste am Stufenbarren nach guter Übung ihren Abgang mit den Händen abstützen. Damit war der Wettkampf für sie gelaufen. Nach zwei Runden fehlten 1,50 Punkte auf den achten Platz. Mit ihnen wurden die Niederlande und Südkorea eliminiert, keine Überraschung.
Mit Rumänien, Deutschland, Brasilien und Russland qualifizierten sich die favorisierten Paare für den Final, der bei Null begann. Swetlana Kljukina (Stufenbarren) und Sergej Korokordin (Barren) legten mit 89,15 ein gutes Total vor. Daniele Hypolito aus Brasilien stürzte zweimal vom Balken. Da nützten auch die Weltrekord-verdächtigen 16,20 des zweifachen Weltmeisters Diego nichts – das Geschwisterpaar war geschlagen.
Oksana Tschusowitina (32), geboren und aufgewachsen in Usbekistan, und Eugen Spiridinov aus Tscheljabinsk (Russland), für Deutschland startend, hatte beide den Sprung als Finaldisziplin gewählt. Für die Spezialistin Oksana logisch, für Spiridonov taktisch falsch, denn er verfügte als zweiten Sprung nur über einen Überschlag – Salto mit halber Schraube mit einem niedrigen Ausgangswert. Das ergab für ihn die für diese Disziplin tiefe Note von 15,375.
Steliana Nistor, die mit Abstand beste Stufenbarren-Turnerin Rumäniens, verzeichnete nach dem dritten Flieger einen Halt, kam dank des hohen Ausgangswertes von 7,0 (!) trotzdem noch auf 15,40. Koczi, bei der WM Anfang August in Stuttgart mit zwei Sprüngen mit Ausgangswert 7,0 im Final, übertraf Spiridonov mit 16,20 deutlich – der siebte rein rumänische Sieg bei der 19. Austragung des Swiss Cups als Paarwettkampf war perfekt.
Erwin Hänggi, Medienverantwortlicher Kunstturnen STV
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Siebter rumänischer Sieg beim Jubiläum<br> „25 Jahre Swiss Cup“
Steliana Nistor (18) und Flavius Koczi (20) aus Rumänien gewannen den Paar-Wettkampf im Züricher Hallenstadion vor 6200 begeisterten Zuschauern dank superschwierigen Übungen im Finaldurchgang. Ariella Kaeslin/Niki Böschenstein verpassten den Final der besten vier um mickrige 15 Hundertstel.