«Ich bin sehr, sehr glücklich über das heutige Abschneiden von Giulia. Sie gehört wirklich zu den besten der Welt», lobt Cheftrainer Zoltan Jordanov seine Turnerin. Giulia Steingruber musste am Boden beginnen, dem Gerät, wo sie in der Qualifikation in der Schraubenkombination stürzte. Entsprechend angespannt wirkte sie - heute wollte sie es besser machen. Und dies tat sie auch, auch wenn sie die Bodenfläche verlassen musste, war der Auftakt geglückt. Am Sprung überzeugte sie mit einem hohen Tschussowitina (Überschlag mit Salto gestreckt mit 1,5 Schrauben), wofür sie gute 15,166 Punkte bekam. «Ich wollte am Sprung noch einmal alles geben», erklärte Giulia Steingruber, «zudem wollte ich bereit bleiben für den Sprung. Man weiss ja nie, manchmal geht’s schnell und es ist etwas passiert», schiebt sie nach. Als erste Reserveturnerin für den Sprungfinal will sie im Falle eines Nachrückens in Topform sein. Auch das dritte Gerät, der Stufenbarren gelang Giulia Steingruber gut. Am Schwebebalken kam sie als allerletze Turnerin an die Reihe, keine leichte Aufgabe, denn zeitgleich ging es am Boden um die Medaillenentscheidung, die Stimmung in der vollbesetzten Halle schien überzukochen. «Ja es war schwierig, während der Übung dachte ich kurz: Ui, seid ruhig, doch dann konnte ich mich zum Glück wieder konzentrieren», bestätigte Giulia Steingruber. «Am Balken war Giulia wirklich brillant, die Stimmung in der Halle war einfach unglaublich», so auch die Meinung von Zoltan Jordanov. Am Ende vermochte sich Giulia Steingruber um knapp 1,5 Punkte und fünf Ränge steigern und klassierte sich damit auf dem 14. Rang, zwei Ränge besser als an den Weltmeisterschaften 2011 in Tokio. «Ja, ich bin zufrieden mit mir, es kann so weiter gehen. Am liebsten natürlich am Sonntag», lacht die St. Gallerin.
Spitzensportchef Felix Stingelin strahlt ebenfalls: «Wunderbar! Bis auf den kleinen Fehler am Boden war Giulia Steingruber hervorragend. Sie hat sich wirklich von ihrer besten Seite gezeigt und sich gegenüber der Qualifikation gesteigert.» Generell ist auch er beeindrukct von diesen Olympischen Spielen, alle Wettkämpfe waren bis zum Schluss hochspannend und das Niveau extrem hoch.
Drittes Olympisches Mehrkampfgold in Serie für die USA
Das Kunstturnen hat einen neuen Star: Die junge US-Amerikanerin Gabrielle Douglas (Geb. 31.12.1994) gewinnt zum dritten Mal in Folge für die USA Gold im Mehrkampf (2004 Patterson, 2008 Ljukin). Das erst 16-jährige Energiebündel startete am Sprung gleich mit einem Knaller und zeigte den schwierigsten Sprung, den Amanar beinahe perfekt und erhielt dafür eine 15,966 (6.5) und übernahm damit die Führung, die sie bis zum Schluss nicht mehr abgab. Die Russin Viktoria Komowa gewann, wie an der WM 2011 Silber. Bronze ging an ihre Landsfrau Alija Mustafina. Wie an der WM in Tokio wurde Alexandra Raisman (USA) erneut Vierte, dieses Mal war es aber besonders hart: Trotz gleichem Punkttotal wie Alija Mustafina (59.566) wurde sie aufgrund der schlechteren E-Noten (Execution = Ausführung) als Vierte rangiert.
Renate Ried
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Olympische Spiele: Giulia Steingruber ausgezeichnete 14. im Mehrkampfinal
Super! Giulia Steingruber überzeugte heute bei ihren ersten Olympischen Spielen im Mehrkampffinale und wurde ausgezeichnete 14. Damit lieferte sie das zweitbeste je erreichte olympische Mehrkampfresultat einer Schweizerin. Nur Romi Kessler war besser, als sie 1984 an den Olympischen Spielen in Los Angeles Neunte wurde.