«Wilma», das Sieger-Rind der Eidgenössischen Nationalturntage erlebte an der Klausenpassstrasse in Bürglen zwei spannende Wettkampftage, bis es genau wusste, wer sein künftiger neuer Besitzer sein würde. Gegen 50 Nationalturner in der Kategorie A wollten sich «Wilma» angeln, respektive erturnen. Dem 27 Jahre alten, 93 Kilo schweren und als Projektleiter arbeitenden Martin Suppiger gelang genau dies. Am Schluss des zweiten Wettkampftages bekam Suppiger «Wilma» an einem Seil in die Hände gedrückt. Noch etwas unsicher drehte Nationalturner Suppiger («Es ist mein zweiter Lebendpreis, der erste war eine Sau») die ersten Runden mit «Wilma» im Sägemehlring. Die zwei fanden sich aber rasch zurecht. Der Modellathlet aus Willisau überraschte. Nach den Vornoten lag Suppiger, er ist auch für die Ringerriege Hergiswil aktiv, bereits auf dem dritten Platz (58,7 Punkte), dies war die Grundlage zum späteren Titel. Nach den Vornoten dominierte übrigens Kilian Huwyler (ZS, Attinghausen) mit sehr guten 59,3 Zählern die Kategorie A. Im Vorfeld der Nationalturntage von Bürglen suchte Huwyler die Zusammenarbeit mit dem gewesenen Kader-Kunstturner Daniel Wunderlin. Dies scheint gewirkt zu haben.
Favoriten zurückgebunden
Die im Vorfeld vielfach als Favoriten gehandelten und bekannten Nationalturner lagen nach den Vornoten etwas zurück: Andi Imhof (14., 56,4), Bruno Müller (13., 56,5), Christian Dick (TV Koppigen, 12., 56,6). Nichts ist unmöglich, dachten sich die Cracks. Ein ehrliches Ranglistenstudium sagte aber auch ihnen, bei den Zweikämpfen (Ringen, Schwingen) muss alles passen, wenn es am Schluss noch für Spitzenplätze reichen soll. Es passte dann sehr viel, aber nicht alles. Nach den ersten beiden Zweikämpfen übernahm Suppiger (Siege gegen Anderegg und Huwyler) klar die Führung (78,5). Das Favoriten-Trio holte ebenfalls Punkte, um dem neuen Luzerner Nationalturn-König aber gefährlich zu werden, reichte es nicht mehr. «Ich habe bei den Vornoten einfach zu viele Punkte liegen gelassen. Es wurde extrem schwer, noch etwas zu machen. Die mögliche Titelverteidigung war für mich keine Belastung, ich wollte Freude haben und einen guten Wettkampf zeigen. Voraussichtlich waren dies meine letzten Eidgenössischen Nationalturntage», meinte Christian Dick, der Titelverteidiger von Aristau 2005.
«Ich bin natürlich schon etwas enttäuscht. Suppiger hatte heute einfach einen optimalen Tag erwischt. Als er dann auch noch Dick schlagen konnte, war es passiert», äusserte sich der ETF-2007-Turnfestsieger und einheimische Andi Imhof zu seinem Silberplatz. Der aktuell Führende in der ENV-Jahreswertung 2011 war im OK übrigens im Bereich Sponsoring/Gaben sehr engagiert. Aus diesem Grund war die Vorbereitung für diesen nationalen Anlass sicher nicht optimal.
Die anderen Kategorien
Insgesamt wurden in der Innerschweiz in sieben Kategorien um Titelehren und Eichenlaub gekämpft. Gegen 350 Nationalturner/-innen sorgten in ihren Alterklassen für viel Spannung und dafür, dass der ENV-Präsident Abraham Krieger (Grosswangen) nach der Rangverkündigung absolut zufrieden war: «Es war einfach ein ganz genialer Anlass, der unter besten Bedingungen stattfinden konnte und optimal organisiert war.»
Text: Peter Friedli