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Mehrkampf an Marti und Böschenstein – Kaeslin Star der Gerätefinals

Esther Meier

Wieder Melanie Marti im Vierkampf und wie schon 2003 Niki Böschenstein im Sechskampf, aber keine weiteren Titel für die beiden in den Gerätefinals, in denen Ariella Kaeslin gleich dreimal Gold gewann: Das ist die Bilanz der Schweizer Meisterschaften in Luzern.

Im Mehrkampf der Frauen fiel die Entscheidung – wie üblich – am Schwebebalken. Die 19 Jahre alte Glarnerin Melanie Marti musste als erste ans Gerät und kam ohne Sturz durch. Das hatte ihre stärkste Widersacherin Ariella Kaeslin (18) gesehen. Sie wurde nervös und stürzte bereits nach dem Aufgang sowie ein zweites Mal nach dem Salto mit Schraube. Damit musste Ariella vom organisierenden BTV Luzern der Zürcherin Linda Stämpfli (17) den Vortritt lassen und sich mit der Bronzemedaille begnügen.

Höhepunkt des Vierkampfes war die Stufenbarrenübung von Melanie Marti: Mit dem Ausgangswert 10 erhielt sie verdientermassen 9,60, ein Wert, den sie noch nie erreicht hatte. Auch das Total von 36,525 bedeutet persönlichen Rekord.

Umgekehrte Verhältnisse dann in den Gerätefinals vom Sonntag. Ariella Kaeslin gewann als EM-Vierte erwartungsgemäss den Sprung (trotz Sturz im zweiten Versuch), am Stufenbarren (weil Marti beim Abgang Doppelsalto vorwärts stürzte) und am Boden mit der schwierigsten Übungen. Mehrere Unsicherheiten kosteten Marti den Sieg am Balken, nachdem Kaeslin erneut einmal gestürzt war. Davon profitierte Linda Stämpfli, die ihr erfolgreiches Wochenende mit ihrem ersten Titelgewinn krönte, dazu zweimal Silber (Mehrkampf und Boden) sowie Bronze am Stufenbarren gewann.

An vier von fünf Siegerehrungen standen die drei EM-Teilnehmerinnen auf dem Podest. Nur gerade die 14 Jahre alte Margaux Voillat konnte als Dritte beim Sprung in die Phalanx eindringen.

Böschenstein überlegen – und am Sonntag fünfmal geschlagen

Bei den Männern galten die Meister der letzten beiden Jahre Niki Böschenstein (Meister 2003) und Claudio Capelli (2004) als klare Favoriten für den Sieg im Mehrkampf. In den ersten drei Disziplinen (Boden, Pferd und Ringe) holte 0,75 Punkte Vorsprung heraus. Capelli holte beim Sprung etwas auf (9,50:9,10). Die Entscheidung fiel am Barren: Capelli stürzte nach dem Abgang (8,35), Böschenstein buchte trotz ebenfalls nicht optimaler Übung (8,55) einen weiteren Erfolg. Am Reck zeigte Böschenstein seine ganze Klasse (9,20) mit zwei Kovacs (gestreckt und geschraubt) und wurde mit 53,05 und einem Vorsprung von 1,20 Punkten auf Capelli Meister. Knapp dahinter folgten mit je 51,75 der Luzerner Roger Sager (mit 9,40 am Pferd und seinem besten Sechskampf) und der Zürcher Flavio Fanconi sowie Mark Ramseier mit 51,65. Vier Turner innerhalb von zwei Zehnteln – das hat es wohl noch nie gegeben.

Reck-Spezialist Christoph Schärer versuchte sich für einmal als Mehrkämpfer, fiel jedoch nach 7,60 am Pferd weit zurück. Doch zum Schluss zeigte er mit seiner Weltklassekür am Reck sein Können (Ausgangswert 10, Endnote 9,55) mit der Höchstnote bei den Männern und klassierte sich als Siebter. Im Final wiederholte er routiniert seine Leistung vom Samstag, obwohl es seine einzige Übung war.

Patrick Dominguez turnte im Mehrkampf nur drei Disziplinen, war am Boden auf dem Weg zu einer Topleistung, stürzte aber beim letzten Salto (8,70, Ausgangsnote 9,80 statt der möglichen 10). Dabei verstauchte er sich den rechten Fuss, trat aber trotzdem zum Sprung an (mit Sturz im ersten Versuch). Für die Finals vom Sonntag musste er verzichten.

Recht ausgeglichen verliefen die Finals bei den Männern. Je zweimal gewannen Kevin Bachmann (Ringe und Sprung) sowie Claudio Capelli (Boden und Barren). Bachmann bewies bemerksenswerte Stabilität und scheint sich seiner Form von 2003, die ihm die WM-Qualifikation eintrug, wieder zu nähern. Am Pauschenpferd sorgte Philippe Sager für einen weiteren Sieg des BTV Luzern.

Nicht zum ersten Mal konnte der Dominator des Sechskampfes in den Finals seine Leistungen vom Vortag – trotz fünf Finalplätzen – nicht wiederholen. Mit zweimal Silber (Boden und Reck hinter dem überragenden Schärer) konnte er seine Medaillensammlung dennoch vergrössern. Der Landschäftler Roman Gisi sowie der Luzerner Daniel Grobes gewannen je einmal Silber und Bronze, Claude-Alain Porchet wurde –trotz Sturz im ersten Sprung – mit Silber ausgezeichnet, und Oliver Nützi (Wolfwil) konnte beim Sprung als einziger Nichtkaderturner eine Bronzemedaille gewinnen.

Der BTV Luzern mit dem unermüdlichen Bruno Nietlispach als „Spiritus rector“ und „Handdampf-in-allen Gassen“ – OK-Vize, Sponsoring-Verantwortlicher, Kampfrichter usw. – bot eine organisatorische Leistung der Spitzenklasse und wurde in den vier Wettkampfteilen mit vollen Zuschauerrängen belohnt.

Erwin Hänggi, Medienverantwortlicher Kunstturnen STV

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