Am zweiten Tag der Schweizer Meisterschaften (SM) in Zug brillierten die Frauen gleich an mehreren Fronten: 24 Stunden nach ihrem 100-m-Sieg (11,19) setzt sich Mujinga Kambundji (Stadtturnverein Bern) auch über die doppelte Distanz überlegen durch. Die Bernerin schnellt aus dem Startblock und markiert in 22,80 Sekunden einen neuen Schweizer Rekord (bisher Kambundji 22,83, 2014 EM Zürich)!
Nicole Büchler (LC Zürich), die ausgebildete rhythmische Gymnastin mit Kadereinsätzen für den STV, ist seit Jahren die Nummer eins unter den nationalen Stabhochspringerinnen. Die 32-jährige Bielerin sorgt für das SM-Schlussfeuerwerk. – Samstag, 21:41 Uhr: Mit 4,71 m im dritten Versuch, das Publikum tobt, springt sie Schweizer Rekord und sichert sich den vierten nationale Freiluft-Titel. Mit dieser Höhe ist sie die Nummer 5 in Europa und die Nummer 9 auf der Welt in der laufenden Saison. Die U20-Europameisterin und Kunstturnerin, Angelica Moser (LC Zürich), wird mit 4,10 m Zweite, ihre Schwester Jasmine (LV Winterthur) mit 4,00 m Dritte.
Schnelle und starke Turnerinnen …
Die U23-Europameisterin Noemi Zbären (SK Langnau i. E.) zeigt im Final (Dunkelheit, schlechte Sicht) eine weitere Top-Leistung und sichert sich in 13,00 Sekunden den Titel (12,93/VL, 13,04/HF), die Emmentalern ist für die WM in Peking (China/22. bis 30. August) bereit. Linda Züblin (LAR Bischofszell), die ETF-2013-Siebenkampf-Siegerin stellte im Vorlauf mit 13,33 Sekunden eine persönliche Hürden-Bestzeit auf und lief im Final (13,58) souverän zur zweiten SM-Medaille nach ihrem Weitsprung-Gold am Freitag.
Lange führt Lisa Kurmann (LV Winterthur) das 800-m-Feld an. In der letzten Kurve nimmt Stefanie Barmet (STV Willisau) das Heft in die Hand. Ihren Antritt auf der Zielgerade vermag keine der Gegnerin zu kontern. Nach Silber vor einem Jahr gewinnt Barmet diesmal in 2:12,69 Minuten erstmals SM-Gold – mit deutlichem Vorsprung. SM-Jubel auch beim TV Wohlen AG. Im Dreisprung holt sich Serena Raffi (12,16) Silber und beim Diskuswerfen (1 kg) Sandra Haslebacher (38,48) Silber.
... und auch schnelle und starke Turner
Gedränge im 800-m-Lauf der Männer. Die Führung von Tobias Lüthi (LV Langenthal) hielt eine Runde lang, ehe sich Titelverteidiger Hugo Santacruz (LC Rapperswil-Jona/TV Buttikon-Schübelbach 1:51,20) in Position brachte. Eingangs Zielgerade löste sich Santacruz vom letzten Verfolger, Roland Christen (STV Willisau/1:52,41). Der LMM-Sieger zog unwiderstehlich durch und gewann den dritten Titel in Serie. Silber ging wie im Vorjahr an Christen. Mit der 1500-m-Bronzemedaille, die sich Matthias Schöpfer (STV Sempach, 3:52,0) sicherte, ging weiteres Edelmetall in den Turnverband Luzern, Ob- und Nidwalden.
5000-m-Spezialist Andreas Kempf (TSV Düdingen) liess nichts unversucht. Er zog das Tempo anfangs des fünften Kilometers nochmals an und startete auf den finalen Runden mehrere Angriffe. Vergeblich: Silber in 14:30,68 hinter Jan Hochstrasser (BTV Aarau, 14:27,82 Minuten). Auf den letzten 200 Metern schob sich Adriano Engelhardt (US Ascona/14:33,62) noch auf Rang drei. Die gleiche Platzierung gelang im Weitsprung dem ETF-2013-Zehnkampf-Sieger Michael Bucher (TV Buttikon-Schübelbach/7,34 m), er sicherte sich SM-Bronze.
Der Schweizer Meister im Diskus heisst – einmal mehr – Lukas Jost (STV Wangen SZ/53,79 m). Er holte seinen fünften SM-Titel und war damit mehr als zufrieden. 47,71 war in Zug für Silber gut. Diese Auszeichnung ging an den Turner Stefan Grob (TV Wohlen AG).
SM-Stimmen aus Zug
Stefanie Barmet (STV Willisau, 800 m): «Ich wusste, dass ich für die SM parat war, wollte unbedingt gewinnen und bin jetzt doch überrascht, dass mir dies gelungen ist. Über die Lauftaktik habe ich nicht gross nachgedacht. Während dem Rennen blieb ich aufmerksam, zog 100 Meter vor dem Ziel an, das reichte.»
Roland Christen (STV Willisau, 800 m): «Nein. – Ich bin nicht enttäuscht, dass ich schon wieder Zweiter hinter Hugo wurde. Er läuft einfach in einer anderen Liga. Wir verstehen uns bestens und sind in den Trainingslagern jeweils Zimmerkollegen. Ich habe Silber gewonnen, nicht Gold verloren.»
Lukas Jost (STV Wangen SZ, Diskus): «Heute hatte ich keinen Nuller zu verzeichnen, es gelang mir ein konstanter Wettkampf. Im Vorfeld plagten mich Rückenprobleme, die heute aber nicht störten. Für das Kugelstossen fehlte mir die Trainingszeit. Ich wurde im Letzen Dezember Vater. Auch aus diesem Grund muss ich jetzt die Zeit gut einteilen.»
Hugo Santacruz (TV Buttikon-Schübelbach, 800 m): «Als Titelverteidiger hat man einfach mehr Druck. Du musst deine Leistung bringen und kannst dich nicht im Läuferfeld verstecken, das spürte ich. Ich konnte heute wieder voll auf meinen Schlussspurt vertrauen.»
Noemi Zbären (SK Langnau i. E., 100 m Hü): «Mit meinen Rennen hier in Zug bin ich ganz zufrieden. Wann ich müde werde? – Ende Saison. Nun hoffe ich auf gute WM-Zeiten. Der Schweizer Rekord (12,62/Lisa Urech, Anm. d. Red.) ist in dieser Saison kein primäres Ziel.»
Linda Züblin (LAR Bischofszell, Hürden): «Ich wurde über Nacht nicht jünger. Alte Schachtel hin oder her, solange ich den Jungen noch um die Ohren renne, bleibe ich dabei. Ich erlebte eine sehr positive SM 2015, auch wenn mein Trainingsaufwand deutliche tiefer lag, als auch schon.»
Es passte …
«Leichtathletik – das passte», meinte der Platz-Sprecher am Schluss des zweiten SM-Tages. In Zug passte ganz vieles, auch bei den STV-Athletinnen und -Athleten, die in der Zentralschweiz bewiesen, dass in den Turnvereinen gute Arbeit geleistet wurde/wird.
Text: Peter Friedli
Alle SM-Infos auch hier: www.swiss-athletics.ch.