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Leichtathletik: «Wooow!!!!» – Europameister und Schweizer Rekord

Peter Friedli, GYMlive

Freitag, 15. August 2014, vierter LA-EM-Tag in Zürich. Dieser bot aus Schweizer/-innen Sicht (nicht nur) alles, was Leichtathletik so genial macht: Spannende, schnelle Läufe, Duelle, Finalqualifikationen, Enttäuschungen, einen Schweizer Rekord, einen Europameister, die Nationalhymne, Tränen vor einem Superpublikum, das die nationalen Protagonisten zu Leistungen beflügelte, wie man dies bisher so nicht kannte. – Und: Die Schweiz erscheint ab sofort im EM-2014-Medaillenspiegel! Kariem Hussein holt über 400 Meter Hürden in 48,96 Sekunden den EM-Titel und Mujinga Kambundji bricht den Schweizer 200-Meter-Uralt-Rekord.

Das Beste am vierten LA-EM-Tag in Zürich folgte fast am Schluss. Genau genommen um 20:52 Uhr, dauerte 48,96 Sekunden und stürzt die Leichtathletik-Schweiz, nicht nur diese, in ein veritables Tollhaus. Der am 4. Januar 1989 geborene Karim Hussein führte über die 400-Meter-Hürdenstrecke souverän zu Ende, was er im Vorlauf (49,70) und im Halbfinal (49,16) angedeutet hatte. Sein Wille, in dieser Sparte der beste Europäer zu sein. Im Final (48,96, PB) setzte der Ostschweizer dies um. «Wooow!!!! – Ich war in den Startpflöcken, als ich das Publikum hörte, noch nie so nervös. Ich konnte nicht mehr klar denken», meinte Gold-Hussein zum Platzsprecher. Bei der Siegerehrung flossen bei Hussein die Tränen, beim Publikum im Letzigrund-Stadion auch.

Fast historisch – 26 Jahre
Stimmungsmässig wurde das Feld im LA-Hexenkessel bereits eine halbe Stunde früher von Mujinga Kambundji im 200er-Final geebnet. Die Sprinterin («Einfach unglaublich, was diese Woche hier abläuft. Die Stimmung trägt einem richtig ins Ziel. Jetzt muss es mit der Staffel noch klappen») wurde in 22,83 Sekunden Final-Fünfte und brach mit ihrer Leistung den seit dem 14. August 1988 bestehen Rekord. Das Publikum tobte. Sie löst damit Regula Anliker-Aebi (LV Langenthal) ab, die vor 26 Jahre eine absolute Dominatorin über diese Sprintstrecke darstellte.

Enttäuschung – Züblin muss aufgeben
Der Freitag war aber auch der zweite Wettkampftag der Siebenkämpferinnen, auf ihrer Suche nach der EM-Leichtathletik-Königin 2014. Valerie Reggel, Ellen Sprunger und Linda Züblin standen für die Schweiz im Einsatz. Nach dem Zusammenbruch beim 200er, der letzten Siebenkampf-Disziplin am ersten Tag, stand Linda Züblin («Ich bin eine Kämpferin») am Freitagmorgen bei der Weitsprunganlage bereit und sprang auf 5,97 m (ETF 2013: 5,93 m). Den Speer warf die ETF-2013-Mehrkampfsiegerin noch auf 45,28 m (47,54 m) und belegte nach sechs Disziplinen den 20. Zwischenrang.

Etwas später musste die «Kämpferin» einsehen, dass sie gesundheitlich zu stark angeschlagen war. Sie gab den Wettkampf auf. «Ich bekam schon am Morgen beim Weitsprung Probleme, es wurde mir plötzlich ‹trümlig› und Schwarz vor den Augen. Es stand für mich aber immer noch ausser Frage, dass ich den Wettkampf beenden werde. Der gesunde Menschenverstand sagte dann ‹Nein›», äusserte sich Züblin, der die oberen Atemwege Probleme bereiten. So schlossen Valerie Reggel und Ellen Sprunger den EM-Siebenkampf ohne Züblin ab. Die 6091 Punkte (Rang 12) bedeuten für Reggel neue PB, die 6082 Zähler Saisonbestleistung für Sprunger (13).

Fünf Mal der Wassergraben
3000 m Steeple, das heisst siebeneinhalb Bahnrunden mit total 35 Hindernissen (Höhe 76,2 Zentimeter), wovon sieben Mal der Wassergraben überwunden werden muss. Dieser EM-Herausforderung stellte sich in Zürich Fabienne Schlumpf. Aus den beiden Vorlaufserien qualifizieren sich die je fünf Besten und die fünf Zeitschnellsten für den Final vom Sonntag.

Steeple-Schlumpf (PB: 9:37,81/Schweizer Rekord) lief bei ihrer ersten EM-Teilnahme taktisch gut. Sie behielt die Übersicht und die vier vor ihr laufenden Athletinnen im Blick. Schlupf parierte den Angriff der Slowenin Marusa Mismas auf der Zielgeraden ohne Mühe: 5. Rang in 9:51,45 Minuten und Finalqualifikation. Die TG-Hütten-/TV-Egg-Athletin wird im Final vom Sonntag um Gold, Silber und Bronze mitlaufen. «Das Wetter stimmte heute genau. Es war streng, ich konnte aber zusetzten und hatte Spass am Sprint gegen die Slowenin. Mein Hauptziel ist erreicht: der Finaleinzug. Am Sonntag geht es bei null wieder los», so die insgesamt siebenfache Schweizer Meisterin (je zweimal Steeple, Cross, 10 Kilometer Strasse und einmal über 1500 m).

EM-Medaillenspiegel
Der Top-10-EM-Medaillenspiegel nach dem EM-Tag 4: 1. Grossbritannien: 6 Gold/4 Silber/3 Bronze/Total 13 Medaillen. – 2. Frankreich: 5/6/3/14. – 3. Russland: 3/2/8/13. – 4. Holland: 3/1/0/4. – 5. Polen: 2/2/3/7. – 6. Deutschland: 2/0/2/4. – 7. Ukraine: 1/3/1/5. – 8. Spanien: 1/1/2/4. 9. Tschechien: 1/0/1/2. 10. Weissrussland, Italien, Schweiz (!): je 1/0/0/1.

Text: Peter Friedli

Weitere EM-Infos: www.swissathletics.ch und/oder www.zuerich2014.ch.

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