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Leichtathletik: Viktor Röthlin ist Europameister

Alexandra Vetsch

Der 1. August 2010, ein historischer Tag für die Schweizer Leichtathletik: Viktor Röthlin holt an den Europameisterschaften in Barcelona Marathon-Gold und die Schweizer Staffel läuft mit Schweizer Rekord auf Platz 4.

Der STV-Alpnach-Turner Röthlin gewinnt als vierter Schweizer überhaupt eine EM-Goldmedaille. Souverän und mit Saisonbestleistung von 2:15,31 lief er als Erster ins Ziel. Und dies, nachdem lange nicht klar war, ob Röthlin überhaupt an den Europameisterschaften starten würde.

Eine weitere Sensation gelang der Schweizer 4x100-Meter-Staffel mit STV-Kallnach-Turner Marc Schneeberger. Sie lief im Final in 38,69 Sekunden Schweizer Rekord  und beendete die EM auf Platz 4.

Lisa Urech (SK Langnau) hat an den Europameisterschaften in Barcelona den Final über 100 m Hürden erreicht. Als mit Abstand jüngste EM-Final-Teilnehmerin lief die 21-jährige Lisa Urech (SK Langnau i. E.) über 100 Meter Hürden in 13,02 Sekunden auf den siebten Platz.

Linda Züblin (TV Bischofszell) belegte mit 5912 Punkten den 16. Schlussrang im Siebenkampf.

Quelle: <link http: www.swiss-athletics.ch _blank>www.swiss-athletics.ch/

 

Kurzinterview: «Diese Goldmedaille fehlte mir noch»

Viktor Röthlin (35) vom STV Alpnach freute sich nach dem Gold-Lauf in Barcelona in mehrfacher Hinsicht enorm.

«Viktor Röthlin, im Vorfeld wünschten Sie sich beim U-Turn kurz vor dem Ziel 500 Meter Vorsprung auf ihren nächsten Verfolger. In der Realität war der Vorsprung noch grösser, und Sie lagen gar in Führung. Ihre Gefühle?»

Viktor Röthlin:«Das war ein wunderbares Gefühl. Aber dieses stellte sich bereits früher ein. Bereits bei Kilometer 35 war ich mir meiner Sache sicher. Dennoch, die letzten anderthalb Kilometer waren unbeschreiblich, begleitet von einem riesigen Glücksgefühl und von einer enormen Genugtuung.»

«Ist Ihnen die Krankheitsgeschichte durch den Kopf gegangen? Schliesslich schrammten sie mit den beiden Lungenembolien knapp anderthalb Jahre zuvor knapp am Tod vorbei.»

«Nein, unterwegs nie. Erst unmittelbar nach der Ziellinie tauchte dieser Gedanke auf. Er gab dem Erfolg eine zusätzliche Dimension.»

«Und nun ist Viktor Röthlin Europameister.»

«Das ist wirklich eine wunderbare Geschichte. Nach EM-Silber vor vier Jahren und WM-Bronze vor drei, fehlte mir die Goldmedaille noch.»

«Sie sind im ganzen Rennen sehr souverän aufgetreten. Ihre Mitteilung an die Konkurrenz schien klar: Viktor Röthlin ist der Chef im Feld. Wie bauten Sie diese Sicherheit auf?»

«Sie hat sich in den letzten Wochen vor dem Rennen entwickelt. Aufgrund der Trainingswerte war mir klar: Die Form entspricht jener von 2006 und 2007. Die Unbekannte war einzig, ob mein Körper noch bereit ist für die Strapazen.»

«Und?»

«Er war’s. Der Marathonläufer Viktor Röthlin ist zurück.»

Interview: Jörg Greb

 

Kurzbilanz: Potenzial bewiesen

Dank Viktor Röthlin und seinem Marathon-Gold fand die Schweiz an den Leichtathletik-Europameisterschaften in Barcelona Aufnahme im Medaillenspiegel. Zukunftsweisende Resultate zeigten aber weitere Athletinnen und Athleten.

Neben Röthlin war die 4x100-m-Sprint-Staffel einer Medaille am nächsten. Pascal Mancini, Aron Beyenne, Reto Schenkel und Marc Schneeberger (TV Kallnach) sorgten für das beste Ergebnis in dieser Disziplin überhaupt: Platz 4. Dazu war eine erstklassige Leistung nötig. Der Schweizer Rekord vom letztjährigen Weltklasse-Meeting wurde um neun Hundertstel auf starke 38,69 Sekunden gesenkt. Und damit zeigte sich eindrücklich: Auch wenn die Schweiz keine Sprint-Nation ist, auch wenn keine professionellen Sprinter am Werk sind: Mit Teamwork und einer gezielten Förderung ist einiges möglich. Seit Jahren wird in das Projekt Sprintstaffel investiert.

Frauenpower durch Urech, Pusterla, Lundmark
Erfreulich in Szene setzten sich in Barcelona weitere: Lisa Urech, die erst 21-jährige Hürdensprinterin, erreichte den Final und dort den siebten Platz. Die Zeit von 13,02 Sekunden stellte sie nicht zufrieden. Sie bekundete Mühe mit der kurzen Zeitspanne zwischen Halbfinal (12,95) und Final: «Ich konnte nicht abschalten und die Energie neu aufbauen.» Dennoch, die Athletin vom SK Langnau stellt ein Versprechen für die Zukunft, nicht zuletzt im Hinblick auf die Heim-EM in vier Jahren in Zürich, dar.

Dasselbe gilt für Weitspringerin Irene Pusterla,  welche bei ihrem Grossanlass-Debüt mit 6,63 m eine hervorragende Weite erreichte und den Final nur hauchdünn verpasste. In die Kategorie Entdeckung gehörte auch Hochspringerin Beatrice Lundmark. Die zwar bereits 30-jährige Tessinerin hat (mental) die Weichen auf Leistungssport gesetzt. Sie nutzte die EM-Premiere zu einer neuen Bestleistung (1,92 m, zuvor 1,89 m) und unterstrich, dass sie weiter in den Sport investiert. Im Final übersprang sie 1,89 m und erreichte Platz 10.

Rückhalt durch Routiniers
Zu den Lichtblicken zählten ebenso zwei Routiniers: Christian Belz (6. über 10'000 m) und Sabine Fischer (9. über 5000 m). Beide unterstrichen, dass sich Geduld und Hartnäckigkeit auszahlen. Belz kehrte nach vier Jahren Grossanlass-Abstinenz und schwerer Knieoperation zurück. Fischer war erstmals seit 2001 und immer wiederkehrender Rückschläge endlich erfolgreich. Und zusammen mit Viktor Röthlin gaben sie dem Schweizer Team den nötigen Rückhalt.

Jörg Greb  

 

 


 

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