«Die Berner und Bernerinnen sind langsam» – diese Meinung kann sofort aus den Köpfen gestrichen werden. Dies gilt auf jeden Fall für die «Bärner Meitschis». Sie sind Schweiz weit die schnellsten und sehen erst noch gut aus. Den Beweis erbrachte die Stadt-Turnverein-Bern-Athletin Mujinga Kambundji an der laufenden LA-EM. Nach ihrem Schweizer Rekord (100 m/11,32) vom Montag, doppelte sie 48 Stunden später in der dritten Halbfinalserie mit 11,20 Sekunden nach. Alles bei regulären Bedingungen, zwölf Hundertstel schneller, erneut Schweizer Rekord und EM-Finalquali. Zwei Stunden später, im 100-Meter-Final, läuft die vierfache nationale Meisterin in 11,30 über die Ziellinie: 4. Rang. «Mit dem EM-Final habe ich gar nicht gerechnet, jetzt bin ich Vierte – einfach unglaublich. Beim Start konnte ich mich gar nicht richtig konzentrieren», diktierte die Bernerin in die Notizblöcke der Medienleute. «Cooly», das EM-Maskottchen, freute sich ebenfalls gestenreich über den Kambundji-Erfolg.
Acht Hundertstel
Das männliche 100-Meter-Pendent vom Kambundji heisst Pascal Mancini. Als überraschender Zweiter seiner Vorlaufserie schaffte der Romand, im Gegensatz zum Zürcher Amaru Schenkel, den Halbfinaleinzug. In der zweiten Halbfinalserie läuft der Westschweizer als Dritter in 10,38 Sekunden durchs Ziel. Da nur die zwei Ersten je Serie und die zwei Zeitschnellsten in den Final kamen, endete für Mancini die 100-Meter-EM-Zeit. Er hätte 10,30 laufen müssen, seine aktuelle Bestzeit liegt bei 10,28. Mancini: «Es hatte sehr schnelle Läufer in meiner Serie, ich wusste, es wird hart werden. Ich hatte aber eine Menge Spass und mein Bestes gegeben. Es folgen nun die Staffeln, ich muss konzentriert bleiben, alles ist möglich.»
Das Sprint-Duo Pascal Mancini und Mujinga Kambundji, sie läuft noch den 200er, wird man auf der schnelle Letzi-Piste noch mit den CH-Staffeln im Einsatz sehen. Die Ausgangslagen sind nicht so schlecht.
Wegen starker Windböen, Fahnen wurde weggerissen, Kleinzelte flogen durch die Luft, verzögerte sich der Start vom EM-Abendprogramm um rund eine Stunde. Die Wettkampfleitung musste aber keine Wettbewerbe verschieben. Vor dem abschliessenden 1500er der Zehnkämpfer präsentierte das EM-OK dem fachkundigen Publikum den Leichtathleten aller Leichtathleten: Usain Bolt. «Ich freue mich auf den Start bei Weltklasse Zürich und die neue, schnelle Letzi-Piste», so der jamaikanische Sprinter, sechsfacher Olympiasieger, achtfacher Weltmeister und Weltrekordhalter in der 4-mal-100-Meter-Staffel, im 100- und im 200-Meter-Lauf. Bolt liess sich schon mal (vor-)feiern.
Text: Peter Friedli
Weitere EM-Infos: www.swissathletics.ch und/oder www.zuerich2014.ch.