Um 10.04 Uhr, mit dem Startschuss zum 100-Meter-Lauf der Zehnkämpfer (ohne Schweizer Beteiligung), startete für die Schweiz und startete für die rund 1400 Athletinnen und -Athleten aus ganz Europa – 53 Schweizer/-innen – die 22. Leichtathletik-Europameisterschaft in Zürich. «Ein guter Anfang ist wichtig, ein gelungener Start in die EM-Tage könnte die Schweizer Mannschaft beflügeln», äusserte sich Peter Haas, der Leistungssportchef vom Leichtathletik-Verband im EM-Vorfeld.
Die Bernerin Mujinga Kambundji nahm sich die Haas-Worte zu Herzen und lief in der ersten 100-Meter-Vorlaufserie als Siegerin in 11,32 Sekunden, mit neuem CH-Rekord (bisher Kambundji, 11,33) und erfolgreicher Halbfinalquali (Mittwoch), über die Ziellinie der neuen 400-Meter-Bahn vom Letzigrund-Stadion: EM-Start absolut gelungen.
Die Hürden-Frauen
Knapp zwei Stunden nach Kambundji richteten Lisa Urech und Noemi Zbären ihre Startpflöcke für den 100-Meter-Hürdensprint ein. In 12,95 (Zbären) und 13,05 Sekunden (Urech) erfüllten die Athletinnen vom SK Langnau i. E. die in sie gesetzten Vorlauf-Erwartungen. Beide bestätigten die starken SM-Leistungen von Frauenfeld und sicherten sich so den Halbfinaleinzug (Zbären über den Rang, Urech über die Zeit). Nach den Vorläufen lag Zbären auf dem 7. und Urech auf dem 12. Rang der Zwischenrangliste, von total 32 Hürdensprinterinnen. – Der Halbfinal wird spannend.
21.12 Uhr, Hürden-Halbfinals der Frauen, absolute Ruhe im nun fast gefüllten LA-Stadion Letzigrund. Die Zeiten-Analyse der Vorläufe bestätigte sich: Die Halbfinals wurden nicht zum Final-Durchmarsch für die beiden Schweizerinnen: Zbären fehlten 6 und Urech 14 Hundertstel für den Finaleinzug. Europäisch ordnen sich die Emmentalerinnen auf den Rängen neun und zwölf ein.
Unmittelbar nachdem die beiden Schweizer Frauen-Hürdenraketen für den Final nicht richtig zünden wollten, sorgten die EM-Verantwortlichen mit dem EM-Eröffnungsfeuerwerk, einer Präsentation vieler Schweizer LA-Legenden (Markus Ryffel, Meta Antenen, Werner Günthör, Sandra Gasser, André Bucher usw.) und einer Würdigung der vielen freiwilligen EM-Helfer/-innen für viel Spektakel auf dem Letzi-Rasen – die EM in Zürich ist lanciert, sie endet am Sonntag, 17. August.
EM-Stimmen …
«Ich bin sooo glücklich über den Halbfinal-Einzug. Eventuell gelang dies wegen meiner schnellen Leoparden-Socken (lacht). Es ist toll, im Halbfinal zu sein. Das hätte ich vor drei Wochen nicht erwartet. Während dem Lauf spürte ich zwei-, dreimal der Arm meiner Konkurrentin, dies brachte mich etwas aus dem Rhythmus. Im Halfinal werde ich mein Bestes geben und volles Risiko gehen», so Lisa Urech.
«Ich bin glücklich, dass ich unter die ersten Drei laufen und mich so direkt für den Halbfinal qualifizieren konnte. Die Nervosität vor dem Rennen war enorm. Der Druck kam von innen, nicht von aussen. Als ich aus dem Lautsprecher meinen Namen hörte und das laute Publikum sah, verspürte ich Gänsehaut», meinte Noemi Zbären.
«Ich wollte in meiner Serie Zweiter werden, mit dieser Vorstellung stieg ich ins Rennen. Dieses Ziel habe ich erreicht und bedeutet die direkte Halbfinalqualifikation. Die Konkurrenz lief einfach nicht schneller, ich hätte noch zusetzen können. Jetzt habe ich für den Mittwoch noch Reserven», so 100-Meter-Mann Pascal Mancini (PB 10,28) nach seinem Vorlauf in 10,43. Wenn der Student nicht für die Schweiz läuft, sprintet er in den Farben der FSG Estavayer dem Ziel entgegen.
«Ich habe heute mein Bestes gegeben und bin sehr zufrieden. Ich hatte eine klaren Laufplan, konnte diesen leider nicht umsetzten. So richtig frei loslaufen konnte ich erst etwa 120 Meter vor dem Ziel. Gefühlsmässig war es einfach unglaublich, ich hörte die Zuschauer und die Anfeuerungsrufe meiner Turnverein-Kollegen und -Kolleginnen. Heute war der absolute Höhepunkt meiner Karriere», so Hugo Santacruz nach dem 800-Meter-Vorlauf. Santacruz setzt heute auf die 800 Meter, nachdem er 2007 an der U20-EM 18. im Zehnkampf wurde und auch schon auf der 400-Meter-Strecke zu sehen war. Santacruz entstammt der Mehrkampf-Hochburg des TV Buttikon-Schübelbach.
Text: Peter Friedli
Weitere EM-Infos: www.swissathletics.ch und/oder www.zuerich2014.ch.
News
Leichtathletik: Positive Schweizer EM-Tagesbilanz
Nachdem am Samstag, 9. August auf dem Sechselätenplatz von Zürich das Rahmenprogramm zur Leichtathletik-EM 2014 gestartete wurde, ging es drei Tage später, am Dienstag, 12. August, auf dem 400-Meter-Oval vom Letzigrund-Stadion mit der «richtigen» Leichtathletik los. – Zum gelungenen Auftakt schenkte Mujinga Kambundji der Nation mit 11,32 Sekunden einen neuen Schweizer 100-m-Rekord.