Der spezielle Wettkampfmodus – vier von sechs Geräte bei den Männern, drei von vier bei den Frauen – kommt jenen Turnern zugute, kam vor allem Hambüchen zugute, der auf seine schwächeren Disziplinen (Pferd und Ringe) verzichten konnte. Capelli liess Boden und Reck aus, Ariella Kaeslin die Balkenübung und Yasmin Zimmermann den Stufenbarren.
Trotz einer leicht „abgespeckten“ Reckübung sicherte sich Hambüchen mit 1,55 Punkten Vorsprung auf den unverwüstlichen Bulgaren Jordan Jovtschev (33) den Sieg. Izbasa verdankte ihren Sieg dank hervorragenden Übungen auf dem Balken und am Boden. Zweite wurde die 33-jährige Oksana Tschussowitina, die mit einer erstaunlichen Konstanz turnte.
Die Schweizer begingen nur leichte Fehler und hatten bei ihren insgesamt zehn Übungen keinen einzigen Sturz. Capelli, immer noch von leichten Rückenproblemen geplagt, zeigte beim Sprung erstmals einen gestreckten Tsukahara mit Doppelschraube (anstelle des Roche). Ariella Kaeslin bewies ihre Klasse. Trotz reduziertem Training (und nicht mit ihrem Olympiasprung) zog sie ihre Übungen am Stufenbarren und am Boden sicher durch. Yasmin Zimmermann zeigte sich in weit besserer Verfassung als bei den Schweizer Meisterschaften und hielt in diesem starken internationalen Feld gut mit.
Der Wettkampf, bereits zum 25. Mal ausgetragen, trägt den Namen des ehemaligen FIG-Präsidenten Arthur Gander, ein gebürtiger Berner Oberländer, der jahrelang in Chiasso als Sportlehrer arbeitete und den ersten „Code de pointage“ schuf, der vor genau 50 Jahren bei den Weltmeisterschaften 1958 in Moskau erstmals gültig war.
Paolo Zürcher, der 1984 das Memorial Gander zusammen mit Clemente Gilardi ins Leben gerufen hatte, lud zum 25-Jahr-Jubiläum ehemalige Sieger nach Chiasso ein. Mit Simona Pauca (Rum) war die erste Siegerin dabei, dazu auch die ehemaligen Weltmeister Waleri Belenki (SU/De), Iwan Iwankow (WRuss) sowie der immer noch aktive Dimitri Karabanenko (Fr). Als Ehrengast dabei war auch FIG-Präsident Bruno Grandi (It).
Erwin Hänggi
Resultate
Chiasso. Memorial Gander. Männer: 1. Fabian Hambüchen (De) 63,00 (Boden 15,25, Sprung 16,15, Barren 15,60, Reck 16,00). 2. Jordan Jovtschev (Bul) 61,45 (Ringe 16,15). 3. Maxim Dewiatkowski (Russ) 60,65. 5. Flavius Koczi (Rum) 59,85. 5. Claudio Capelli (Sz) 59,85 (Pferd 14,45, Ringe 14,60, Sprung 15,70, Barren 15,10). 6. Kim Ji Hoon (SKor) 59,85. 7. Lu Bo (China) 58,10. 8. Yann Cucherat (Fr) 57,85. – 11 Turner klassiert.
Frauen: 1. Sandra Izbasa (Rum) (Sprung 14,00, Balken 15,10, Boden 15,20). 2. Oksana Tschussowitina (De) 44,00 (Sprung 15,00, Balken 14,80, Boden 44,00). 3. He Ning (China) 43,55. 4. Ariella Kaeslin (Sz) 42,40 (Sprung 14,25, Stufenbarren 14,05, Boden 14,10). 5. Xenia Alanasjewa (Russ) 42,05. 6. Yasmin Zimmermann (Sz) (Sprung 14,00, Balken 14,05, Boden 13,75). 7. Lia Parolari (It) 41,20. – 11 Turnerinnen klassiert.