Die Schweizer Kunstturnerinnen und Kunstturner haben an den zwei Wochen dauernden Europameisterschaften die hohen Erwartungen erfüllt. In drei von vier Mannschaftswertungen wurden Bestresultate erzielt. Neben dem Bronze-Platz von Christoph Schärer gab es weitere zwei Finalplätze bei der Elite (Ariella Kaeslin und Claudio Capelli) sowie drei bei den Junioren.
In der ersten Woche turnten die Frauen. Die Schweizer Elitemannschaft verbesserte sich im Vergleich zu 2004 vom 11. auf den 10. Platz. Die Luzernerin Ariella Kaeslin qualifizierte sich für den Sprungfinal (6. Rang). Das Handicap, als erste im Final starten zu müssen, war zu gross und verhinderte einen möglichen Medaillengewinn. Im inoffiziell gewerteten Mehrkampf wurde sie Fünfte.
Die Juniorinnen verbesserten sich sensationell vom 24. Platz (2004) auf Rang 13. Margaux Voillat (31.) und Laura Alzina (33.) klassierten sich im Mehrkampf im ersten Drittel der 117 Teilnehmerinnen.
In der zweiten Woche standen die Männer und Junioren in der Hafenstadt im Zentrum von Griechenland im Einsatz. Das Eliteteam erreichte den achten Platz und bestätigte diesen Rang im erstmals ausgetragenen Mannschaftsfinal. Die Junioren wurden Sechste - weniger als einen halben Punkt hinter Rang 4. Bester Sechskämpfer war der Thurgauer Reto Heierli auf Platz 6, Pascal Bucher wurde 15.
Fünf Schweizer qualifizierten sich für die Gerätefinals. Bei den Junioren war der Aargauer Lucas Fischer einer von nur fünf Finalisten mit Jahrgang 1990. Er wurde im Bodenturnen Siebenter, genau gleich wie der Thurgauer Reto Heierli an den Ringen. Beide bestätigten ihre Leistungen in der Qualifikation. Jean-Philippe Hayoz verpasste als Fünfter am Barren die Bronzemedaille um 0,10 Punkte. Ein kleiner Hüpfer nach dem Abgang kostete ihm den möglichen Podestplatz.
Claudio Capelli, als Dritter aufgerufen, zeigte eine hervorragende Bodenübung. Mehr als den fünften Platz in diesem hochkarätigen Feld konnte man vom erst 20-jährigen Berner nicht erwarten. Wie er alle seine schwierigen Saltokombinationen stand, war grosse Klasse.
Der Reckfinal, wie üblich der Abschluss jeder grossen Meisterschaft, verlief äusserst turbulent. Christoph Schärer musste als Erster ans Gerät, stand nach guter Übung für einmal auch den Abgang sicher. Seine Gegner mussten alles riskieren - und neben Olympiasieger Igor Cassina (It) stürzte auch der „ewige“ Finalist Aljaz Pegan (Slowenien) vom Gerät - die Bronzemedaille war gesichert.
Die hohen Zielsetzungen des Schweizerischen Turnverbandes STV wurden voll erfüllt. Die Basis ist gelegt für eine erfolgreiche WM 2006 im Oktober in Arhus (Dänemark) und die für die Olympiaqualifikation 2008 massgebliche WM 2007 in Stuttgart.
Erwin Hänggi, Medienverantwortlicher Kunstturnen STV
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