Wie die neue Mehrkampf-Europameisterin nach der Qualifikation vorausgesagt hatte, packten die beiden Russinnen im Gerätefinal nochmal eine Portion oben drauf. Maria Paseka turnte als ersten Sprung einen sogenannten «Cheng» und als Zweites den «Amanar». Mit 15,250 im Schnitt setzte sie die Latte extrem hoch. Zu hoch für Steingruber, die direkt nach der Russin an der Reihe war. Bei der Landung nach dem Jurtschenko mit Doppelschraube musste sie einen grossen Schritt nach hinten machen: 15,149 Punkte und Platz 2. «Ich habe Silber gewonnen und nicht Gold verloren», so Steingruber nach dem Final. «Klar tut es schon ein wenig weh, aber mir sind meine Sprünge super gelungen. Wenn ich verturnt hätte, wäre ich mehr enttäuscht über den zweiten Platz», ergänzt die nun zweifache Medaillengewinnerin an dieser EM.
Medaille – keine Medaille – doch Medaille
Eine verrückte Geschichte spielte sich im Bodenfinal ab. Pablo Brägger musste als Dritter ran. Er zeigte wiederum eine tolle Bodenübung, bekam aber nicht mehr ganz so viele Punkte (14,941) wie in der Qualifikation. Bis zum Schluss lag der Ostschweizer auf dem dritten Zwischenrang. Dann durfte der Spanier, welcher vor Brägger an der Reihe gewesen und gestürzt war, seine Übung nochmal wiederholen. Der Grund: ein Fehler bei der Zeitmessung. Dieses Mal kam er ohne Sturz durch: 15,000 Punkte und dritter Platz. Brägger rutschte vom Podest. Doch es kam nochmal anders. Scheinbar war ein Übertritt des Spaniers nicht abgezogen worden. Die neue Punktzahl des Spaniers: 14,900. Das bedeutete Bronze für den 23-Jährigen Schweizer. «Damit geht ein Traum in Erfüllung. Ein Auf und Ab der Gefühle. Ich wäre aber auch mit dem vierten Rang zufrieden gewesen», so Brägger sprachlos. Sein grosses Ziel, die Medaille am Reck, steht noch aus. «Mit der heutigen Bronzeauszeichnung fällt aber etwas Druck von mir ab und ich kann morgen befreiter in den Wettkampf gehen.»
Alexandra Herzog-Vetsch
News
Kunstturnen: Silber gewonnen, nicht Gold verloren
Am ersten Tag der Gerätefinals, am Samstag, 18. April 2015, an der EM Kunstturnen in Montpellier (Fr) verpasste Giulia Steingruber zwar den Hattrick am Sprung und gewann Silber. Die Russin Maria Paseka hatte im Final zwei sehr schwere Sprünge ausgepackt (D-Wert: 6,4/6,3) und vereitelte damit den dritten EM-Titel der Schweizerin. Am Stufenbarren wurde sie Sechste. Mit Bronze am Boden von Pablo Brägger gab es eine weitere Medaille für die Schweiz.