Bei den Männern fiel der Zweikampf zwischen Claudio Capelli (22) und Böschenstein aus, weil der Berner wegen Rückenschmerzen nur an drei Geräten turnte. Böschenstein zeigte einen soliden Sechskampf – mit der üblichen Schwäche am Pferd –, so dass er schliesslich mit 1,15 Punkt Vorsprung auf seinen Aargauer Verbandskameraden Mark Ramseier (24) gewann. Dritter wurde der für den STV Wetzikon turnende Dennis Mannhart (22). Die beiden hatten letztes Jahr die Plätze drei und vier belegt. Die Hierarchie blieb also bestehen, wenn man den Ausfall von Capelli berücksichtigt.
Nachwuchs im Vormarsch
Der als Geheimfavorit gehandelte Aargauer Lucas Fischer (18) ging zu Beginn des Wettkampfes dank einer hervorragenden Barrenübung (15,25) in Führung, konnte jedoch seine Schwächen am Pferd und an den Ringen nicht verbergen. Trotzdem: Er bleibt die grosse Schweizer Zukunftshoffnung. Am Ende wurde er undankbarer Vierter.
In den Gerätefinals zeigten mehrere Nachwuchsturner ihre Fähigkeiten. Die 18 Medaillen gingen an 12 Turner, was die Ausgeglichenheit an der Spitze beweist. Wie schon letztes Jahr gewannen bei teilweise sehr knappen Entscheidungen sechs verschiedene Turner mindestens eine Medaille. Erstmals Meister wurde der Aargauer Davor Studer (20) am Pferd, Lucas Fischer am Barren, der mit einer tadellosen Übung (B-Note 9,4) Böschenstein übertraf und Claude-Alain Porchet (22) beim Sprung.
1,40 m, 35 kg – Sara der neue Publikumsliebling
Bei den Frauen lieferten sich Yasmin Zimmermann und Sara Catanzaro ein „Fernduell“, denn sie turnten nicht in der gleichen Riege. Die meisten Zuschauer konzentrierten sich auf die Favoritengruppe, in der Zimmermann bei ihrer dritten Übung auf dem Schwebebalken Schwächen zeigte (Sturz plus schlechter Abgang mit einem „Auslaufen“ über die Matten hinaus), so dass plötzlich die 1,40 m kleine und 35 kg leichte Sara in Führung ging. Die Favoritin konnte am Boden ihren Rückstand wegen einigen Standunsicherheiten nicht wettmachen, so dass sich Catanzaro zur Überraschung fast aller Zuschauer als jüngste (und kleinste) Meisterin aller Zeiten feiern lassen konnte. Dritte wurde die Genferin Laura Alzina (17), während Linda Stämpfli (Urdorf), mit 20 Jahren die älteste Turnerin des 13-köpfigen Elitefeldes, nach schwacher Balkenübung (nur 11,70) lediglich Vierte wurde.
Am Sonntag entpuppte sich Sara Catanzaro – leider vor wenigen Zuschauern – als der neue Publikumsliebling. Vor allem auf dem Balken zeigte sie eine für ihr Alter einzigartige Übung (Schwierigkeit 6,3!) mit Salto rückwärts – halbe Schraube, Flic-Flac-Salto, Salto rückwärts und Doppelsalto gebückt als Abgang. Dazu gewann den Sprungfinal. Yasmin Zimmermann war am Stufenbarren eine Klasse für sich und gewann am Boden mit nur einem Zehntel Vorsprung auf Linda Stämpfli, die insgesamt drei Medaillen gewann.
Erwin Hänggi/rr