«Heute Abend feiern wir einen schönen Geburtstag – den 30. des Memorial Gander», so startete um 19.02 Uhr der Speaker. Vor Wettkampfbeginn dieser Jubiläumsaustragung in der Halle Beausobre der Westschweizer Seestadt Morges konnten die Zuschauer zuerst einen kurzen Rückblick mit Bildern der Turnstars von Jovchev bis Hambüchen und von Ponor bis Khorkina geniessen. Erst danach traten die Turnenden durch ein Lichtportal, das an die Fernsehserie der 90. Jahre «Stargate» erinnerte.
Giulia gibt Titel ab
Die je elf Kunsturner und Kunstturnerinnen aus zehn Nationen kämpften in sechs Durchgängen während gut zweieinhalb Stunden an den Geräten – die Frauen an drei von vier Geräten, die Männer an vier von sechs Geräten (nach eigener Wahl).
Titelverteidigerin Giulia Steingruber (TZ Fürstenland/TV Gossau) startete am Sprung (14,45). Bereits nach dem ersten Gerät war sie Zweite hinter der Rumänien Larisa Iordache, die am Balken in den Wettkampf stieg (14,90). Für die Schweizerin ging es dann am Stufenbarren weiter und sie beendete hervorragend am Balken mit einer Note von 14,950 (D-Wert 6,10). Der Zweite Platz blieb es schlussendlich für die St. Gallerin.
An ihrer ersten «offiziellen» Teilnahme am Gander – letztes Jahr durfte sie ausser Konkurrenz starten – belegte die Tessinerin Ilaria Käslin (SFG Chiasso) den neunten Rang. Sie entschied sich für die gleichen Geräte wie ihre ältere Teamkollegin.
Gold für die Schweiz bei den Männern
Dank Pablo Brägger (TV Oberbüren) feierte die Schweiz doch eine Gander-Goldmedaille. Ein schöner Exploit in diesem grossen Teilnehmerfeld mit mehreren Welt- und Olympiasiegern. «Ich bin überrascht. Ich hatte kein spezielles Ziel hier, ausser einen guten Wettkampf zu zeigen», erklärte der St. Galler nach der Siegerehrung. «Und das habe ich gemacht, aber ich konnte auch von den Fehlern meiner Gegnern profitieren», fügte der Schweizer, der seine schwächsten Geräte Pferd und Ringe beiseite lassen konnte. Nach drei Geräten lag Brägger 14,65 Punkte hinter der Spitze, während dem Deutschen Andreas Bretschneider nur 14,40 fehlten. Beide mussten noch ans Reck. Brägger turnte fehlerlos und schön (14,850), sein Gegner stürzte.
Claudio Capelli (BTV Bern) zeigte sich am Wettkampfende von seiner Leistung am Boden enttäuscht (auf das Gesäss nach der zweiten Diagonale). Der 1986 geborene Berner – er war der zweitälteste Teilnehmer hinter dem Franzosen Arnaud Willig (1985) – hat immer noch ein Trainingsdefizit, das von seiner Achillessehnen-Verletzung herrührt.
Gander-Spezialpreise
Der Spezialpreis an die beste Bodenturnerin und den besten Barrenturner, Arthur Ganders Lieblingsgeräte, wurde von Giorgio Gander – Sohn des ehemaligen FIG-Präsidenten, der auch als «Vater» des Code de Pointage, die Kunsturn-«Bibel», betrachtet wird – an Iordache und Bretschneider vergeben. Die Stadt Morges offerierte ihrerseits den Trainern der beiden Sieger einen Preis.
Für den 30. Memorial Gander, der abwechselnd in Morges und Chiasso stattfindet, arbeitete unter Leitung von Präsident Pierre Duruz ein 30-köpfiger Vorstand mit Unterstützung von unzähligen Helfern, ausschliesslich Mitgliedern aus dem Verein GYM Morges.
Text: Corinne Gabioud
Ausstrahlung auf dem Westschweizer Fernsehkanal «RTS deux» am Sonntag, 3. November 2013 um 14 Uhr.
Weitere Infos und Fotos auf der Webseite des Organisators