Giulia Steingruber startete ihren Wettkampf mit eine akrobatischen Feuerwerk am Boden. Beim Tsukahara gestreckt und dem Doppelstrecksalto gelangen ihr Top-Landungen. Nach dem Doppelhocksalto spickte sie etwas nach hinten, blieb aber auf der Fläche: 14,333 Punkte. Am Sprung zauberte die zweifache Europameisterin an diesem Gerät weiter. Nach dem Tschussowitina (15,366) brachte sie den Jurtschenko, dieses Mal schon in der Quali mit Doppelschraube, sicher zum Stand (14,900) – Schnitt 15,133. Damit gewann die 21-Jährige Ostschweizerin die Sprung-Qualifikation mit fast sechs Zehntel Abstand auf Elissa Downie (Gb, 14,549). «Ich war selbst überrascht, dass der Jurtschenko mit Doppelschraube so gut geklappt hat», so Steingruber. Bis auf ein kurzes Zögern konnte Steingruber auch ihre Barren-Übung durchziehen – 13,966. Den einzigen Tintenklecks im Rein-Heft der Vorzeigeturnerin setzte es an der Balkenübung. Nach dem Flick in den Strecksalto muss sie vom Gerät und verpasste somit die angestrebte Finalquali. Statt im Final am Balken steht Steingruber dafür nun überraschenderweise im Barrenfinal.
«Bin mit richtig viel Freude in den Wettkampf gegangen. Als Boden und Sprung super lief, war ich erleichtert. Angesprochen auf die Finalwettkämpfe möchte sich die 21-Jährige nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. «Ich möchte noch nicht an die Medaillen denken, es locker angehen.» Vor allem den Russinnen traue sie mehr zu. «Die sind immer für Überraschungen gut», schmunzelte Steingruber. Einige wichtige Zehntel möchte sie deshalb in den Finals noch rausholen.
Erster EM-Final für Jessica Diacci
Sehr erfreulich verlief der Wettkampf auch für Jessica Diacci. Sie qualifizierte sich als 17. (Nationen-bereinigt) für den Mehrkampf-Final. Die 21-Jährige Aargauerin konnte sich bisher noch nie an einer EM oder WM für einen Final qualifizieren. Ausserdem stand sie lange nicht mehr an einem Grossanlass im Einsatz (EM 2013). «Im Podiumstraining war ich ziemlich nervös, heute schon nicht mehr so stark», erzählte Diacci. Sie startete gut in ihren Wettkampf und zeigte eine solide Übung: 12,900. Auch am Balken turnte Diacci schön, was ihr 13,866 Punkte einbrachte. Mit der Note 12,866 am Boden und 13,700 am Sprung für ihren Jurtschenko mit Schraube schloss sie ihren Mehrkampf ab. «Ich wollte mit Freude in den Wettkampf gehen und das Beste geben. Das ist mir heute gelungen», strahlte die Aargauerin. Die vielen Zuschauer/-innen, welche tolle Stimmung in der Wettkampfhalle bereiteten, beflügelten zusätzlich.
Ilaria Kaeslin’s Tag war es heute nicht. Am Stufenbarren zog sie ihre Übung ohne grosse Probleme durch (13,100). Am zweiten Gerät, dem Balken, begann sie gut. Vor allem die Piroutten-Verbindung turnte sie wunderschön. Leider musste die Tessinerin aber nach dem Flick mit ganzer Drehung das Gerät verlassen. Danach war der Wurm drin: am Boden verzeichnete sie zwei Stürze – die gleichen wie am Podiumstraining. Die Tessinerin beendete ihren Mehrkampf auf dem 31. Rang und verpasste somit den erhofften Mehrkampf-Final. «Es hat nicht sollen sein. Mir fehlte irgendwie der letzte Elan», zeigte sich Kaeslin verständlicherweise enttäuscht.
Braucht sich nicht zu verstecken
Die Leistung der vierten Turnerin im Schweizer Frauen-Team, Caterina Barloggio, konnte sich durchaus sehen lassen. Sie turnte alle ihre Übungen sauber durch. «Ich bin froh, dass mir ein fehlerfreier Wettkampf gelungen ist», so die 19-jährige Tessinerin. Diese Freude ist durchaus berechtigt – ohne die Nationenregel (nur zwei Turnerinnen pro Nation im Final) stände auch die 19-jährige Tessinerin im Mehrkampf-Final der besten 24.
Freuen wir uns nun auf die Qualifikation der Männer von morgen Donnerstag, 16. April 2015 und dann auf die Finals, hoffentlich auch mit Schweizer Männern am Start.
Text: Alexandra Herzog
News
Kunstturnen: Fünf EM-Finals für die Schweizerinnen
Im Qualifikationswettkampf der Frauen vom Mittwoch, 15. April 2015 an den Europameisterschaften Kunstturnen in Montpellier (Fr) lieferten die Schweizer Turnerinnen ausgezeichnete Leistungen ab. Aushängeschild Giulia Steingruber qualifizierte sich für Mehrkampf-, Boden- , Sprung- und zur grossen Überraschung für den Stufenbarrenfinal. Zum ersten Mal überhaupt an einem Grossanlass in einem Mehrkampffinal steht Jessica Diacci.